Pfarrstellen

Fusionsdruck auf kleine Kirchgemeinden verringert

Der Kirchenrat will vor allem den kleinen Kirchgemeinden die Prozente bei den Pfarrstellen stark kürzen – und sie so zu Fusionen bewegen. Doch nun bremst das kantonale Kirchenparlament den Rat.

Die Kirche Andelfingen ist eine relativ grosse Gemeinde.

Die Kirche Andelfingen ist eine relativ grosse Gemeinde. Bild: Marc Dahinden

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Wie viele Pfarrstellen sollen die einzelnen Kirchgemeinden in Zukunft erhalten? Diese umstrittene Frage ist Teil der Überarbeitung der kantonalen Kirchenordnung. Die Streitfrage wurde kürzlich in der Kirchensynode diskutiert – danach fiel ein hauchdünner Entscheid. Die Synode ist das Parlament der reformierten Zürcher Landeskirche.

Mit 48 zu 46 Stimmen sagte das Kirchenparlament knapp Ja zu einem garantierten Minimum von neu 50 Pfarrstellenprozenten für Kirchgemeinden mit bis 800 Mitgliedern. Und pro weitere 200 Mitglieder gäbe es 10 zusätzliche Stellenprozente. Heute besteht in jeder Gemeinde unabhängig von ihrer Grösse ein Pfarramt von mindestens 60 Prozent.

Der Antrag zum 50-Prozent-Minimum kam von einem Parlamentsmitglied aus dem Zürcher Oberland. Der Kirchenrat, also die Exekutive der Landeskirche, will bei den Pfarrstellenprozenten gar kein garantiertes Minimum mehr.

Kirchenrat fördert Fusionen

«Fix ist noch gar nichts», sagt Nicolas Mori, Leiter Kommunikation der Landeskirche. Denn zuerst müsse die teils überarbeitete Kirchenordnung inklusive Übergangsbestimmungen von der Synode verabschiedet werden.

«Fix ist noch gar nichts.»Nicolas Mori,
Leiter Kommunikation Reformierte Kirche Kanton Zürich

Dies sei voraussichtlich am 15. Mai der Fall. Danach wird das Ganze am 23. September dem reformierten Stimmvolk im Kanton Zürich vorgelegt. «Dann», so Mori weiter, «wird eine Rolle spielen, ob es bis zur nächsten Amtsdauer weitere Gemeindezusammenlegungen gibt». Die neue Legislatur der Pfarrpersonen beginnt 2020.

Und schliesslich werde der Kirchenrat auch in Zukunft die Möglichkeit haben, aufgrund örtlicher Verhältnisse weitere Stellenprozente zu bewilligen. «Es ist zurzeit also noch nicht möglich, die Zahlen der Stellenzuweisung ab 2020 zu kommunizieren», sagt Mori.

Der Kirchenrat will Zusammenschlüsse unter den Kirchgemeinden im Kanton fördern. Entsprechend gross ist der Fusionsdruck, der von seiner angestrebten Regel auf kleine Gemeinden ausgehen würde: Nach Meinung des Rates sollen Kirchgemeinden für ihr Pfarramt in Zukunft pro 200 Mitglieder 10 Stellenprozent erhalten. Ein garantiertes Minimum sollte es nicht geben.

Die Kirchgemeinde Kyburg hat rund 200 Mitglieder – sie hätte in Zukunft also nur noch 10 Pfarrstellenprozente zugute. Hart treffen würde dies auch die Kirchgemeinde Dorf, die sich bis heute nicht den anderen Gemeinden im Flaachtal angeschlossen hat. Dorf zählt knapp 400 Mitglieder und hat aktuell 70 Pfarrstellenprozente.

Diese Zahl besteht aus dem heute geltenden Minimum von 60 Prozent und weiteren 10 Prozent für die regionale Zusammenarbeit. Würde die Prozent-Regelung des Kirchenrates angenommen, wären es in Dorf «noch kümmerliche 20 Prozent», wie es auf der Webseite der reformierten Kirchgemeinde Dorf heisst.

Wenigstens «kleiner Erfolg»

Würde hingegen das neue 50-Prozent-Minimum gelten, verlöre Dorf bloss 10 statt 40 Pfarrstellenprozente. Und trotzdem: Die kirchlichen Verantwortlichen des Bezirks Andelfingen sind auch damit nicht zufrieden. «Als wenigstens kleinen Erfolg» werteten einige Kirchenverantwortliche die knappe Annahme des 50-Prozent-Antrages zugunsten von Kleinstgemeinden, schreibt Dorothea Fulda Bordt, Dekanin im Bezirk Andelfingen und Pfarrerin in der Kirchgemeinde Andelfingen.

Es bestehe aber die Sorge, dass die 50-Prozent-Regelung auf Kosten der für ländliche Gebiete ideal grossen Kirchgemeinden gehen könnte. Solche Gemeinden haben zwischen 1500 bis 4000 Mitglieder. «Die ganze Umverteilung der Pfarrstellenprozente in der Landeskirche geht nun vor allem zu ihren Lasten», schreibt Fulda Bordt weiter.

(Der Landbote)

Erstellt: 24.04.2018, 18:41 Uhr

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