Stammheim

Gemeindepräsident zeigt Post kalte Schulter

Die letzte Post im Stammertal soll zugehen. Dagegen stemmt sich der Präsident von Oberstammheim mit einer Gesprächsblockade.

Martin Farner kämpft für die ­Stammer Post.

Martin Farner kämpft für die ­Stammer Post. Bild: Madeleine Schoder

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Herr Farner, Der Blick schreibt, dass Sie nicht mehr mit den Vertretern der Post sprechen ...
Martin Farner: Halt. Nur bis zum Sommer. Die zuständige Bundesrätin Doris Leuthard hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Sie soll bis zum August klären, wie es mit der Schliessung von Poststellen weitergeht. Bis dahin hat ein Gespräch gar keinen Sinn.

Passt das zu einer Demokratie, dass man nicht mehr miteinander spricht?
Wir in Oberstammheim haben letzten Sommer bereits mit Vertretern der Post gesprochen. Diese hatten nur ein Thema: Die Schliessung der Poststelle. Seither ist vieles passiert bei der Post. Stichwort Postauto-Skandal. Damit ist Vertrauen in die gesamte Führung der Post verloren gegangen. Dazu kommt eine intransparente Rechnungslegung der Post. Sie soll zuerst Mal in ihrem Betrieb Ordnung schaffen, bevor wir wieder reden.

«Wenn man Schritt für Schritt das Vertrauen verliert, wird man irgend wann mal wütend.»

Martin Farner, 
Gemeindepräsident  Oberstammheim

Geht es Ihnen beim Kampf um die Post Oberstammheim auch um Medienaufmerksamkeit?
Gar nicht.

Wer unterstützt Sie in Ihrem Anliegen?
Die Bevölkerung natürlich — und das Gewerbe. Ich bekomme viele Anrufe und Mails. «Bleib hart!», heisst es oft. Grosses Verständnis kommt auch von anderen Gemeinden, die ihre Post verlieren, zum Beispiel Marthalen. Wir Gemeindepräsidenten stehen in Kontakt miteinander.

Im September wird in der neu zusammengeschlossenen Gemeinde Stammheim gewählt. Betreiben Sie Vorwahlkampf?
Überhaupt nicht. Es ist meine Aufgabe als Gemeindepräsident, mich für einen funkionierenden Service Public in der Gemeinde einzusetzen.

Der Service Public ist sonst ein Kernanliegen der Linken. Ihre Partei, die FDP fordert einen schlanken Staat. Wie passt das zusammen?
Ich beobachte, dass die Post Oberstammheim eine hohe Frequenz hat. Sie bedient ein grosses Einzugsgebiet. Dazu gehören all jene Gemeinden, die ihre Poststelle schon verloren haben. Postkunden kommen aus dem ganzen Stammertal, aber auch aus dem Thurgau, aus Hüttwilen und Neunforn nach Oberstammheim. Darum kann ich die Schliessung unserer Poststelle nicht verstehen. Von Stammheim aus ist die nächste Poststelle in Frauenfeld oder Andelfingen.

Das heisst also: Sparen ist gut, nur nicht bei uns?
Es geht nicht nur um Stammheim. Ich bin Präsident des Verbands der Gemeindepräsidenten im Bezirk Andelfingen. Auch von dieser Seite erfahre ich Unterstützung.

War es eine emotionale Entscheidung, vorderhand mit den Vertretern der Post nicht mehr zu sprechen? Eine Entscheidung, von der sie jetzt nicht mehr zurückkrebsen können?
Wie gesagt, ich verweigere mich nicht endgültig. Im Gegenteil: Gerne würde ich mal mit der oberen Etage der Post reden. Aber es stimmt schon. Wenn man Schritt für Schritt das Vertrauen verliert, wird mal irgendwann man wütend. Hinter meiner Entscheidung stehe ich auf jeden Fall.

Spielen Sie die Rolle von Asterix bei den Galliern?
Ich bin dafür gewählt, dass ich mich für die Gemeinde einsetze — für einen Polizeiposten im Dorf, für ein Notariat, für eine Poststelle. Für uns auf dem Land ist das Lebensqualität. So gesehen bin ich gerne der Gallier.

Erstellt: 16.03.2018, 15:23 Uhr

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