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Gemeinderäte laufen Sturm gegen geplante Schliessung von Schulhäusern

Die Schulgemeinde Flaachtal will drei der fünf Schulstandorte dicht machen – jetzt hagelt es Kritik.

Wo sollen die Schüler der Schulgemeinde Flaachtal in Zukunft zur Schule gehen?
Wo sollen die Schüler der Schulgemeinde Flaachtal in Zukunft zur Schule gehen?
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Dass sich Gemeinderäte Politischer Gemeinden in die Angelegenheiten einer Schulgemeinde einmischen und diese auch noch öffentlich harsch kritisieren, das kommt sehr selten vor.

Doch was eigentlich als No-Go gilt, das geschieht derzeit im Flaachtal im Zürcher Weinland. Mitte Oktober gab der Präsident der Schulpflege Flaachtal via Zeitungsartikel bekannt, dass die Standorte der Kindergärten und der Primarschulen in Flaach und Buch am Irchel konzentriert und die Schulstandorte in Berg am Irchel, Dorf und Volken geschlossen werden sollen.

«Empfindliche Einbusse»

Mehr als einen Monat nach Bekanntwerden der geplanten Schliessungen der Schulhäuser haben sich nun die Exekutiven der betroffenen Gemeinden erstmals öffentlich dazu geäussert. Die schärfste Kritik kommt aus Berg am Irchel. «Der Verlust des Schulstandortes bedeutet eine empfindliche Einbusse an Qualität und Identität und wäre ein schwerer Schlag gegen unsere Bemühungen, die Standortattraktivität zu erhöhen», schreibt der Bergemer Gemeinderat in einer Medienmitteilung. Wenn die Kinder künftig nicht einmal während ein paar Jahren am Wohnort die Schule besuchen könnten, «wird es sehr schwer, überhaupt noch Familien anzuziehen». Der Schliessungsentscheid bewirke langfristig ein Aussterben des Dorflebens.

Auch aus Dorf kommt heftige Kritik. Gegenüber der «Andelfinger Zeitung» spricht der Gemeindepräsident von «Willkür, wenn das kleine Grüppchen einer Schulpflege eine solche Entscheidung allein trifft».

Kritik an Kommunikation

Selbst der Gemeindepräsident von Buch am Irchel, wo keine Schulhausschliessung droht, übt Kritik. «Wir Buchemer haben Glück», sagt Gemeindepräsident Hansruedi Mosch auf Anfrage. Dennoch hat er Verständnis für den Unmut in Berg und Dorf. Denn die Schliessung einer Schule sei sehr negativ für die Attraktivität einer Gemeinde. «Der Schulbus ersetzt das Schulhaus im Dorf nicht.» Wird ein Schulhaus geschlossen, geht es zurück an die Politische Gemeinde. «Aber was soll eine Gemeinde mit einem Schulhaus?» Ein solches Gebäude koste ja durch den benötigten Unterhalt. («So darf man nicht kommunizieren», findet auch der Landbote: hier geht es zum Kommentar)

«Wir haben den Beschluss der Schulpflege der Zeitung entnehmen müssen»

Hansruedi Mosch, Gemeindepräsident Buch am Irchel

«Nicht günstig» hält Mosch die Art der Kommunikation der Schulpflege. Im Frühling habe es zwar einen Anlass aller Gemeindebehörden des Flaachtals gegeben, an dem mögliche Modelle der Schulstandorte diskutiert worden seien. Dabei sei auch das jetzt im Raum stehende Szenario mit den Standortschliessungen diskutiert, aber von den Gemeinderäten abgelehnt worden. Danach hätten die Gemeinderäte des Flaachtals nichts mehr gehört – bis zum Artikel vom 15. Oktober in der «Andelfinger Zeitung». «Wir haben den Beschluss der Schulpflege der Zeitung entnehmen müssen», so Mosch.

Anfragen eingegangen

Nach der Publikation der Neuigkeit in dieser Zeitung fragte der «Landbote» bei der Schulbehörde nach, ob es dazu eine Medienmitteilung gebe. Die Mitteilung, so Schulpflegepräsident Daniel Heuer, sei aufgrund des Interviews mit der Zeitung aus Andelfingen, «unserem offiziellen Publikationsorgan», erfolgt. Die im Zeitungsartikel gemachten Aussagen seien korrekt.

Verbotstafel über dem Schulhaus Berg am Irchel: Sehr klare Bildsprache auf dem Mitteilungsblatt.Foto: PD
Verbotstafel über dem Schulhaus Berg am Irchel: Sehr klare Bildsprache auf dem Mitteilungsblatt.Foto: PD

Am Mittwochabend findet in Flaach (20 Uhr, Singsaal Sekundarschule) die ordentliche Budgetgemeindeversammlung der Schule Flaachtal statt. Zwar sind die Schulhausschliessungen nicht traktandiert, Thema werden sie aber sehr wohl sein. Denn bereits sind einige Anfragen dazu eingegangen, welche die Schulpflege morgen der Versammlung beantworten muss. Laut der «Andelfinger Zeitung» hat die drohende Schulhausschliessung in Volken keinen Unmut bei den Bürgern ausgelöst.

Der Artikel in der «Andelfinger Zeitung», welche die Schulpflege als offiziellen und einzigen Kommunikationsweg gewählt hat, habe für «grosse Unsicherheit und offene Fragen gesorgt». Dies schreibt der Gemeinderat von Dorf in einem Brief an seine Bevölkerung. Auch für die Gemeindeversammlung der Politischen Gemeine Dorf vom kommenden Freitag seien bereits entsprechende Anfragen eingegangen, heisst es in dem Schreiben weiter. Zwar liege es in der alleinigen Kompetenz der Schulpflege Flaachtal, Schulstandorte zu schliessen oder auszubauen. «Wir weisen indessen darauf hin, dass mit der Standortzusammenlegung auch Investitionen für Ausbauten der verbleibenden Standorte verbunden sind, welche den Stimmberechtigten an der Urne vorzulegen sind.» Gemeint sind die für die Konzentration der Schulstandorte in Flaach und Buch nötigen Ausbauten für rund sechs Millionen Franken. Und vom Gemeinderat Dorf mitgemeint ist auch die Warnung, dass die Schulgemeindeversammlung im Juni den dafür benötigten Planungskredit für die Zusammenlegung der Schulstandorte versenken könnte. Und selbst nach einem Ja zu diesem Kredit: Im Sommer 2021 könnten die Stimmbürger den Kredit für den Ausbau der verbleibenden Schulstandorte in Flaach und Buch am Irchel an der Urne ablehnen.

Grosszügig – bislang

Die Schulpflege Flaachtal argumentiert mit dem Druck seitens des kantonalen Volksschulamtes, das grössere und damit weniger Schulklassen verlangt. Im Flaachtal sind alle Klassen inklusive Kindergarten kleiner als gesetzlich vorgeschrieben. Bislang, sagt Schulpflegepräsident Daniel Heuer, sei der Kanton grosszügig gewesen und habe jeweils Sondergenehmigungen erteilt für das Flaachtal.

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