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Gemeinderat packt heisses Eisen erneut an

Der Andelfinger Gemeinderat wagt einen neuen Anlauf bei der Frage nach der Neugestaltung des Dorfzentrums. Im Sommer startet ein breit angelegter Beteiligungsprozess.

Der Andelfinger Marktplatz ist in erster Linie ein Parkplatz. Was das Gewerbe für notwendig hält, ist hingegen wenig einladend – ein Dorfplatz zum Verweilen sähe anders aus.
Der Andelfinger Marktplatz ist in erster Linie ein Parkplatz. Was das Gewerbe für notwendig hält, ist hingegen wenig einladend – ein Dorfplatz zum Verweilen sähe anders aus.
Marc Dahinden

Wer mit dem Auto nach Andelfingen fährt, für den ist es praktisch. So kann er auf dem zentralen Marktplatz kostenlos parkieren und dann zum Beispiel einkaufen oder essen gehen. Doch das Praktische ist nicht besonders einladend – ein schöner Dorfplatz sieht wahrlich anders aus.Der Konflikt zwischen Nützlichem und Schönem, zwischen den Parkplätzen fürs Gewerbe und einem Begegnungsort mit beispielsweise Brunnen, Bäumen und Bänken, ist schon alt. Nichtsdestotrotz nimmt der 2014 teils neu gewählte Andelfinger Gemeinderat nun einen neuen Anlauf, um das Zentrum neu zu gestalten. So soll im Sommer ein Prozess stattfinden, an dem sich Gewerbler, Anwohner und die Bevölkerung beteiligen sollen.

«Prozess vor Projekt»

Doch obschon dieser Prozess, voraussichtlich in Form einer sogenannten Zukunftskonferenz, bewusst ergebnisoffen ausgelegt ist: Die Parkplatzfrage dürfte weiterhin der zentrale Knackpunkt bleiben. So ist diese Frage gleichsam das Auge des Hurrikans, um das sich alles dreht. «Parkierung und Verkehr sind mit Sicherheit Schlüsselthemen, wenn man über den Dorfkern spricht», sagt auch Gemeinderat und Hochbauvorsteher Jens Andersen auf Anfrage.

«Der Gemeinderat legt kein fertiges Projekt zur Zentrumsgestaltung vor, sondern einen Prozess mit der Bevölkerung»

«Der Gemeinderat legt kein fertiges Projekt zur Zentrumsgestaltung vor, sondern einen Prozess mit der Bevölkerung», betonte Andersen bereits an der Gemeindeversammlung Ende November. So gehe man «miteinander auf den Weg». Nach dem Motto «Prozess vor Projekt», also mit Beteiligung der Bevölkerung, soll das Zentrum von Andelfingen aufgewertet werden «unter maximaler Berücksichtigung der vielfältigen Bedürfnisse». Aber: «Es ist ein nicht ganz einfaches Thema», räumte Andersen an der Versammlung ein.

Andelfingen beschäftigt sich schon seit vielen Jahren und bislang mit wenig Erfolg mit der Neugestaltung des Marktplatzes. Im Jahr 2012 blies der damalige Gemeinderat die Neugestaltung des Platzes ab – zu gross war der Widerstand des Gewerbes gegen einen Abbau von Parkplätzen. Rund vier Jahre früher sagte der damalige Gemeindepräsident Ueli Frauenfelder über den Markt- respektive Parkplatz im Herzen von Andelfingen: «Wir würden es gerne sehen, wenn der Platz nicht hauptsächlich dem Verkehr diente, sondern von der Bevölkerung als Treffpunkt und zum Verweilen genutzt werden könnte.»

Und weil die alten Leitungen unter dem Marktplatz demnächst ersetzt werden müssen, kommt das Thema Neugestaltung des Platzes abermals aufs politische Tapet. Denn ist der Platz erst einmal aufgerissen und die Werkleitungen darunter ersetzt, schliesst sich das Gelegenheitsfenster für eine Neugestaltung wieder für Jahrzehnte. Bereits im ersten Amtsjahr 2014 schrieb Andersen im Mitteilungsblatt, dass der Marktplatz noch ein grosses Gestaltungspotenzial biete für Anwohner und Gewerbe. «Es wäre schade, diese Chance nicht zu nutzen.»

Suche nach mehr Parkplätzen

«Wir planen den Einbezug der gesamten Bevölkerung», sagt Andersen heute. Aktuell prüfe der Andelfinger Gemeinderat, mit welchem Verfahren dies gemacht werden könne. «Mit dem Gewerbe und den Anwohnern wollen wir vorgängig aber separate Gespräche führen.» Dieses Vorgehen weist darauf hin, dass diese beiden Gruppen im Beteiligungsprozess ein besonderes Gewicht haben werden. Denn sie sind es ja in erster Linie, die auf genügend Parkplätze pochen. «Mit der anhaltenden Bautätigkeit im Dorfkern fehlen zunehmend Parkplätze für Private, aber auch die Dienstleistungsbetriebe haben eine gewisse Nachfrage», sagt Andersen. Und da im Dorfkern weiter und dichter gebaut werde, «werden wir zusätzliche Parkplätze brauchen».

«Im Nachhinein wäre es wohl nicht falsch gewesen, man hätte noch ein Parkierungsgeschoss mehr gebaut.»

Die bestehende Tiefgarage Mühleberg unweit des Marktplatzes ist eine Erfolgsgeschichte respektive voll ausgelastet. So schrieb denn auch der Andelfinger Gemeinderat im Dezember in einer Mitteilung: «Im Nachhinein wäre es wohl nicht falsch gewesen, man hätte noch ein Parkierungsgeschoss mehr gebaut.» Durch das fortschreitende, verdichtete Bauen im Dorfkern dürfte sich das Parkplatzangebot dort «noch mehr verknappen».

Wenn es in Andelfingen gelingt, zusätzliche Parkplätze zu schaffen, dürfte dies auch Druck von der Frage nach der Neugestaltung des Marktplatzes nehmen. «Im Rahmen von grösseren Arealentwicklungen Privater prüfen wir, ob öffentliche, unterirdische Parkierungen möglich wären», sagt Andersen.

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