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Gemeinderat will Schulschliessungen stoppen

Die Gemeinderäte von Dorf und Berg am Irchel sind gar nicht einverstanden mit den Plänen der Schulpflege, drei von fünf Schulhäusern im Flaachtal zu schliessen. Nun will der Dorfemer Gemeinderat die Talbevölkerung mit einem Flugblatt mobilisieren.

Der Gemeinderat Dorf will die Schulschliessungen nicht einfach hinnehmen und ruft die Bevölkerung auf, sich dagegen zu wehren.
Der Gemeinderat Dorf will die Schulschliessungen nicht einfach hinnehmen und ruft die Bevölkerung auf, sich dagegen zu wehren.
Archiv, Marc Dahinden

Das Flaachtal blickt auf bewegte Monate zurück – und entscheidende stehen noch bevor. Am 31. März informiert die Schulpflege erneut über ihr Vorhaben, die Schule in Buch am Irchel und Flaach zu konzentrieren. Im Gegenzug will sie die drei Schulstandorte in Berg am Irchel, Dorf und Volken schliessen.

Für die Zentralisierung in Buch und Flaach sind Ausbauarbeiten für sechs Millionen Franken nötig. Über den Planungskredit für diese Arbeiten entscheidet die Schulgemeindeversammlung im Juni. Über den eigentlichen Baukredit befinden die Flaachtalerinnen und -taler im Sommer 2021 an der Urne.

Versammlung abgebrochen

Nachdem die Behörde der Schulgemeinde Flaachtal im Herbst mitgeteilt hatte, drei der fünf Schulstandorte schliessen zu wollen, brach ein Proteststurm los. Vor allem aus den betroffenen Gemeinden Berg am Irchel und Dorf war der Widerstand sehr stark – nicht nur aus der Bevölkerung, sondern auch seitens der Gemeinderäte.

«Durch die Schliessung sind massive Steuererhöhungen absehbar.»

Aus dem Flugblatt, des Gemeinderates von Dorf

Einzig aus Volken, wo die Schule ebenfalls geschlossen werden soll, waren bislang keine kritischen Stimmen zu vernehmen. An der Versammlung der Schulgemeinde Ende November war die Beteiligung mit 152 anwesenden Stimmberechtigten rekordverdächtig hoch. Erst eine halbe Stunde vor Mitternacht wurde die zweieinhalbstündige Debatte per Ordnungsantrag beendet.

«Negative Auswirkungen»

In einem Flugblatt ruft der Gemeinderat von Dorf die Bevölkerung des Flaachtals dazu auf, sich gegen die Schliessungspläne der Schulpflege zu wehren. Das Schreiben vom 17. Februar ist überschrieben mit «Negative Auswirkungen für Flaachtal-Gemeinden durch Schliessung von Schulstandorten». Es sei nachvollziehbar, «dass die geplanten Veränderungen in der Bevölkerung sehr viel Unverständnis und Unmut bewirken». Und: Durch die Schliessung der drei Schulen seien «massive Steuererhöhungen» absehbar.

Wie begründet der Dorfemer Gemeinderat diese Aussage? Für die Schulgemeinde Flaachtal brächten die drei Standortschliessungen in Berg am Irchel, Dorf und Volken zwar Einsparungen mit sich. Aber nicht so für Dorf: Wenn es zu den Schliessungen käme, ginge die Schulanlage Dorf voraussichtlich 2024 zurück an die Politische Gemeinde. Diese Anlage müsste aber unterhalten werden, was hohe Kosten verursache, wie Gemeindepräsident Patric Eisele auf Anfrage sagt. Er spricht von rund 100000 bis 120000 Franken Unterhaltskosten pro Jahr. Zudem würden wohl verschiedene Gruppen Ansprüche stellen, etwa Vereine an der Nutzung der Mehrzweckhalle. Ob sich dies dann auch in genügend Einnahmen, sprich Geld, ummünzen lasse, sei offen.

Künftige Nutzung noch offen

Auch ungewiss ist laut Eisele die künftige Nutzung der Schulanlage, die zu etwa 60 Prozent nicht bebaut ist und in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen liegt. Für Alterswohnungen etwa könnte die freie Fläche genutzt werden, «aber auch für Mehrgenerationenwohnungen?» Solche Fragen seien noch nicht beantwortet und würden derzeit abgeklärt. Doch Vorrang haben in Dorf zurzeit sowieso die Anstrengungen, die Schliessung der Schule im Dorf zu verhindern.

«Können verkauft werden»

Anders ist die Situation für die Schulgemeinde. Die Zusammenlegung der Schulstandorte werde «keinen erwähnenswerten Einfluss auf den Steuerfuss haben», schrieb die Schulpflege im Herbst. Gemeint ist der Steuerfuss der Schule. Die Abschreibungen würden wegen der Investitionen zwar steigen, jedoch kompensiere sich der Mehraufwand mit der Senkung der Kosten im Bereich Liegenschaften.

«Fakt ist», sagt Schulpflegepräsident Daniel Heuer auf Anfrage, dass die Steuerzahler der Schulgemeinde Flaachtal aktuell die Kosten für sämtliche Schulliegenschaften zu tragen hätten, «auch diejenigen der Gemeinde Dorf». Dort sind dies das Schulhaus, der Kindergarten und die Mehrzweckhalle. Die Schulgemeinde umfasst das Gebiet der fünf Politischen Gemeinden Berg am Irchel, Buch am Irchel, Dorf, Flaach und Volken. «Falls», so Heuer weiter, die Schulliegenschaften schulisch nicht mehr genutzt würden, «können diese verkauft werden». Dabei hätten die Politischen Gemeinden ein Vorkaufsrecht. Im Falle von Dorf würden die Gebäude inklusive Grundstück, Stand heute, zum Nullwert – sprich für Null Franken – an die Politische Gemeinde Dorf übergehen.

Nicht mehr alle zahlen mit

Würden die frei werdenden Schulgebäude dereinst von der Gemeinde Dorf übernommen, fielen je nach Nutzung «natürlich entsprechende Kosten an», sagt Heuer. Diese müssten dann nicht mehr von allen Steuerzahlern des Flaachtals, sondern nur noch von denjenigen der jeweiligen Gemeinde übernommen werden. Die von der Schulpflege aktuell ermittelten Unterhaltskosten für sämtliche Dorfemer Schulliegenschaften betragen laut Heuer rund 203000 Franken pro Jahr. Hinzukommen jährliche Abschreibungen von 40000 Franken.

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