Andelfingen

Grosser Widerstand gegen 5G-Antenne

277 Mal wurde der Baurechtsentscheid gegen die geplante Antenne im Niederfeld verlangt. Ein anonym versandtes Flugblatt kündigt als Ziel ein 5G-Moratorium an. Der Gemeindepräsident kann die Aufregung nur teilweise nachvollziehen.

Die geplante 5G-Antenne im Niederfeld in Andelfingen soll 50 Meter hoch werden.

Die geplante 5G-Antenne im Niederfeld in Andelfingen soll 50 Meter hoch werden. Bild: Madeleine Schoder

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«Jeder will Handy und Abdeckung, aber niemand will die Antennen», schreibt Sunrise-Sprecherin Therese Wenger auf Anfrage. Der Widerstand gegen den Aufbau des Mobilfunknetzes sei gross, «obwohl es mittlerweile mehr Handys als Einwohner in der Schweiz gibt». In dasselbe Horn stösst Hansruedi Jucker, Gemeindepräsident von Andelfingen. «Es ist ein Widerspruch, die Dienste zu nutzen, sich aber gegen Antennen zu wehren.»

Bis zum Ablauf der Frist am Mittwoch ist 277 Mal der Baurechtsentscheid gegen die geplante 5G-Antenne in Andelfingen verlangt worden. Das überrascht den Gemeindepräsidenten nicht. «Das ist überall so», sagt er. Werde eine Anlage geplant, rege sich Widerstand. Nachvollziehen könne er dies nur teilweise. Verständnis habe er vor allem für die Argumentation, dass die 50 Meter hohe Antenne einen optischen Fremdkörper darstelle. Zum Vergleich: Der Kirchturm ist nur sechs Meter höher, als die von der Sunrise geplante Antennenanlage im Niederfeld.

Dort, wo gesurft wird

Der Gemeinderat habe noch keine offizielle Meinung zur geplanten Antenne gebildet. «Die Menge an verlangten Baurechtsentscheiden werden wir mitberücksichtigen», so Jucker.

Möglich wäre zum Beispiel, deswegen das Gespräch mit der Bauherrin zu suchen. Angesprochen werden könnte dabei etwa die Höhe, eine rechtliche Handhabe gegen die Antenne habe die Behörde allerdings kaum. Denn gegen den Standort spricht die Zone betreffend nichts, sagt Jucker. Er liegt in der Gewerbezone, neben dem Ausbildungszentrum Andelfingen, auf dem Gelände der Firma Silidur.

Der Standort Niederfeld sei ideal, «weil er die bestmögliche Abdeckung für unsere Kunden bietet», schreibt die Sunrise-Sprecherin. «Bekanntlich muss ein Handy weniger stark ‹arbeiten› beziehungsweise strahlen und nach dem Signal suchen, je näher die Antenne steht. Folglich müssen Antennen dort stehen, wo telefoniert und gesurft wird.» Die Auswahl eines Standorts für den Bau einer Mobilfunkantenne sei sehr aufwändig. Eine Vielzahl von Faktoren und Vorschriften seien zu beachten, auch bezüglich Landschaftsschutz? sowie Ortsbild.

Rechtlicher Anspruch

Über 50 Prozent der bewilligungspflichtigen Aus- und Neubauten stehen laut Sunrise unter Opposition. Die Anzahl der Einsprachen sei jedoch rechtlich irrelevant. Seien die Vorschriften eingehalten, habe die Sunrise einen Rechtsanspruch auf eine Baubewilligung. «Wo uns willkürlich Baubewilligungen verweigert werden, prüfen wir dies rechtlich.»

Keine Bewilligung brauchte es für die 5G-Aufrüstung der Antenne auf dem Isenberg in Andelfingen. Betreiber dürfen bestehende Antennen im Bagatellverfahren auf 5G umrüsten, wenn die Sendeleistung gleich bleibt und sogenannte «Orte mit empfindlicher Nutzung» wie etwa Kinderspielplätze nicht stärker belastet werden («Landbote» vom 8. Februar).

Anonymer Widerstand

Die Nähe der geplanten Antenne zu Spielplatz, Schulhäusern und Sportanlagen führt das anonyme «Komitee Moratorium 5G Antennen Andelfingen» ins Feld. Flugblätter ohne Namen der Verfasser, dafür mit jenem des Bausektretärs wurden in die Haushalte verteilt. Die Mailadresse des Bausekretärs ist genannt und der kurze Text ausformuliert, der ihm bis am 12. Februar zugesandt werden musste, um Interesse am Baurechtsentscheid zu bekunden. Fett gedruckt ist der Satz «Ziel ist es, im gesamten Gebiet von Andelfingen und Kleinandelfingen ein Moratorium für 5G-Antennen zu bewirken». Drei sind in den beiden Gemeinden aktuell in Betrieb. Am Ende des Schreibens heisst es: «In einem weiteren Schritt werden Informationsveranstaltungen stattfinden, sowie der Gemeinderat um Stellung gebeten.»

Gemäss Gemeindepräsident Jucker stört sich die Behörde daran, dass das Flugblatt anonym in die Haushalte flatterte. Würden die angekündigten Informationsveranstaltungen tatsächlich durchgeführt, werde ja ohnehin bekannt, wer dahinter stehe.

Erstellt: 13.02.2020, 13:07 Uhr

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