Endlager

Grundwasser gefährdet? Nagra sieht kein Problem

Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die Nagra ihren Bericht zu Grundwasseruntersuchungen im Weinland veröffentlicht. Stellungnahmen dazu gibt es noch keine.

Neben der Strasse zwischen Marthalen und Rheinau würde das «Tor zum Endlager» gebaut – so gross wie die Winterthurer Altstadt.

Neben der Strasse zwischen Marthalen und Rheinau würde das «Tor zum Endlager» gebaut – so gross wie die Winterthurer Altstadt. Bild: Markus Brupbacher

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Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hat vor wenigen Tagen einen Bericht veröffentlicht – zu einer Untersuchung, die sie selber gar nicht für nötig hielt. Denn die Befürchtung, das Hantieren mit radioaktiven Abfällen im «Tor zum Endlager» könnte das Grundwasser darunter gefährden, stammt von der Weinländer Regionalkonferenz.

Sie war es denn auch, welche die Nagra mit der Untersuchung beauftragte, mit Rückendeckung der Experten des Kantons Zürich.

In dem knapp 150-seitigen Bericht dokumentiert die Nagra ihre aufwendigen Untersuchungen im Gebiet nördlich von Marthalen – dort, wo das «Tor zum Endlager» allenfalls gebaut und die Atomabfälle von den Transport- in die Endlagerbehälter umverpackt würden.

Noch keine Stellungnahmen

Der Nagra-Arbeitsbericht wurde ohne Medienmitteilung ins Internet gestellt. Das hat zwei Gründe. Zum einen ist es nicht an der Nagra, ein Fazit daraus zu ziehen – etwa, dass die atomare Hochsicherheitsanlage weiter weg vom Grundwasser gebaut werden sollte.

Denn für die Nagra kann der Schutz des Wassers mit technisch-baulichen Massnahmen ohnehin und ortsunabhängig gewährleistet werden.

Zum anderen nehmen auch der Kanton Zürich und die Regionalkonferenz keine Stellung zum Nagra-Bericht – noch. Denn laut Jürg Grau, Präsident der Konferenz, wird der Bericht zurzeit von den kantonalen Fachleuten geprüft. «Eine Stellungnahme und damit verbundene Massnahmen werden in den nächsten Monaten erwartet», so Grau. Um weitere Schlussfolgerungen zu ziehen, gelte es diese Stellungnahme abzuwarten.

Nichtsdestotrotz enthält der Nagra-Bericht interessante Schlussfolgerungen zu den durchgeführten Untersuchungen nördlich von Marthalen. Um diese zu verstehen und einzuordnen, sind einige Grundkenntnisse über die obersten Gesteinsschichten nötig. Westlich des möglichen Standortes für das «Tor zum Endlager», eine Anlage so gross wie die Winterthurer Altstadt, liegt der mächtige Grundwasserstrom des Rheins.

Der Grundwasserstrom des Rheins.

Das riesige, sehr wichtige Trinkwasservorkommen liegt wie in einem unterirdischen Fluss, bestehend aus einem lockeren Gemisch aus Sand und Kies – dem sogenannten Schotter. Dieser ist wie ein Schwamm, gefüllt mit Grundwasser.

Selbst die Stadt Winterthur hält dort Nutzungsrechte für Grundwasser im Notfall. Gegen Osten, also Richtung «Tor zum Endlager», nimmt die Mächtigkeit dieser Grundwasserschicht ab.

Doch daran anschliessend folgen weitere, wenn auch kleinere Vorkommen aus Schotter, die teils ebenfalls Grundwasser enthalten. Diese «Schwämme» sind teils miteinander verbunden, das heisst: Das Grundwasser fliesst von einem Schotter zum nächsten. Und wenn dies nicht geht, dann liegen eben unterirdische Felsrücken oder lehmartige Schichten dazwischen, die Wasser kaum durchlassen.

«Beachtenswert»

Wo und wie rasch nun solches Grundwasser fliesst, das untersuchte die Nagra mit diversen Messungen im Untergrund. Und hinter dieser Frage steht eben die angstvolle Frage der Endlager-Kritiker: Fliesst zum Beispiel nach einer Havarie im «Tor zum Endlager» radioaktiv verseuchtes Löschwasser in die grossen Trinkwasservorkommen am Rhein?

Ob und wie rasch das geschähe, hängt im Wesentlichen von einer Frage ab: Gibt es in der Nähe des Unfallortes wasserdurchlässige Schottervorkommen oder stattdessen wenig durchlässige Felsen und lehmige Gesteinsschichten? Zur Erinnerung: Felsen und lehmartige Schichten wirken wie ein Riegel oder Barrieren, die verseuchtes Wasser zumindest eine Zeit lang zurückhalten.

Sie würden also den Abfluss so lange verzögern, dass in der Zwischenzeit Gegenmassnahmen zum Schutz des Grundwassers getroffen werden könnten. Auf längere Sicht fliesst aber jedes Wasser weiter – aus dem Weinland bis zum tiefsten Punkt in Basel und weiter.

Als die Nagra auf drei Schottervorkommen in der Nähe des möglichen «Tors zum Endlager» stiess, wollte sie wissen: Ist das Grundwasser darin unterirdisch mit dem grossen «Schwamm» im Westen, also dem Grundwasserstrom des Rheins, verbunden? Und der Kritiker fragt: Könnte auf diesem Weg verseuchtes Wasser ins Trinkwasservorkommen fliessen?

In einem der letzten Sätze im Nagra-Bericht steht die entscheidende Antwort: Es gebe keine Hinweise auf direkte Zuflüsse aus den drei Schottervorkommen in den Grundwasserstrom. Oder einfacher ausgedrückt: Das Grundwasser von den kleinen «Schwämmen» A, B und C fliesst nicht in den grossen «Schwamm» D am Rhein.

Weitere Vorkommen von Schotter seien zudem etwa durch Fels oder lehmartige Ablagerungen räumlich vom grossen Rheingrundwasserstrom abgetrennt, schreibt die Nagra weiter.

«Beachtenswert» sei aber etwas anderes, schreibt sie ganz zum Schluss. Im Zuge der Messungen hat sie quasi beiläufig an einigen Orten deutlich erhöhte Nitratgehalte im grossen Grundwassergebiet festgestellt. Dies zeige einen «landwirtschaftlichen Einfluss» an.

(Der Landbote)

Erstellt: 18.04.2018, 18:23 Uhr

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