Andelfingen

Hat der Landwirt Hund und Halterin getreten?

Er habe sie und ihren Hund verletzt, sagt eine Hundehalterin. Er habe sie nicht berührt, sagt der Mann, der sich vor dem Bezirksgericht Andelfingen verantworten musste. Die Verhandlung ist unterbrochen.

Die Verhandlung ist bis zum 3. Oktober unterbrochen.

Die Verhandlung ist bis zum 3. Oktober unterbrochen. Bild: Heinz Diener

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Der Fall hätte eigentlich gar nicht erst vor Gericht landen sollen. «Es handelt sich um eine Angelegenheit aus dem alltäglichen Leben, in einer alltäglichen Umgebung mit alltäglichen Leuten», sagte der Richter am Donnerstag am Bezirksgericht Andelfingen. Es geschah vor fast drei Jahren, am 4. Dezember 2016. An einem Sonntagmorgen gerieten zwei Hundebesitzer aneinander, weil der eine Hund, ein Husky, den anderen, einen Jack Russel, am Nacken packte.

Laut einem Strafbefehl des Statthalteramts des Bezirks Andelfingen soll der Jack-Russel-Halter, ein 64-jähriger Landwirt aus dem gleichen Bezirk, darauf erst den Husky angeschrien und getreten und dann auch noch die Frau angegriffen haben, so dass diese das Gleichgewicht verlor und ins Gebüsch fiel. Dorthin, wo auch ihr Hund gelandet war. «Immer noch ausser sich vor Wut trat der Beschuldigte mehrfach auf die im Gebüsch liegende Halterin und deren Hund ein», heisst es im Strafbefehl weiter. Sie soll dabei Blutergüsse im Rippenbereich und am Knie davongetragen haben.

«Er hätte keine Chance gehabt und wäre jetzt sicher tot.»Beschuldigter vor dem Bezirksgericht

Das Statthalteramt büsste den Landwirt wegen Tätlichkeiten und Widerhandlung gegen die Tierschutzgesetzgebung mit 400 Franken und auferlegte ihm eine Gebühr von 330 Franken. Vor Gericht landete der Fall, weil er Einsprache gegen den Strafbefehl erhoben hatte. Während der Verhandlung gab der Beschuldigte aber an, dass es zwischen ihm und der Frau keinerlei Körperkontakt gegeben habe. Er habe lediglich seinen Hund beschützen wollen. «Er hätte sonst keine Chance gehabt und wäre jetzt sicher tot», sagte er. Unklar blieb, ob er den Husky effektiv mit Fusstritten vertrieben hatte.

Klägerin fehlte

Die Hundehalterin und Privatklägerin sowie ihr Anwalt liessen sich von der Verhandlung entschuldigen. Sie lebt mittlerweile nicht mehr in der Schweiz. Ihr Anwalt hatte vor dem Prozess schriftlich eine Genugtuung von 1000 Franken sowie die Übernahme ihrer Anwaltskosten von 4000 Franken verlangt.

Der Jack Russel war das Opfer. Bild: Patrick Martin

Der Richter schlug vor, dass sich die beiden bezüglich dem Vorwurf der Tätlichkeiten aussergerichtlich, in einem Vergleich, einigten. So könne man Zeit und Kosten sparen, sagte er. Sein Vorschlag: Der Beschuldigte solle einer gemeinnützigen Organisation einen Betrag von 500 Franken spenden sowie eine symbolische Gerichtsgebühr von 100 Franken zahlen. Die Privatklägerin ihrerseits würde dann auf Genugtuung und Entschädigung verzichten. Sie lehnte später via ihren Anwalt aber ab.

Chance auf Freispruch

Wie es denn mit dem Vorwurf der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz aussehe?, wollte der Beschuldigte wissen. Die Chancen stünden gut, dass es hier zu einem Freispruch komme, sagte der Richter. «Wir können nicht von bewusster Qual ausgehen», begründete er seine Aussage. «Sie haben nur Ihren Hund verteidigt.»

Der Husky packte den Jack Russel am Nacken. Bild: Only France

Vor Gericht sagten auch zwei Zeuginnen aus. Die Hundehalterinnen trafen rund fünf Tage vor dem strittigen Vorfall ebenfalls auf die Privatklägerin. Als der Husky den Hund der einen Zeugin habe angreifen wollen und an der Leine zog, fiel die Husky-Halterin aus dem Stand auf ihr Fahrrad. Ein Arzt habe später festgestellt, dass sie sich an den Rippen geprellt und das Knie aufgeschlagen hatte. Sie trug also genau jene Verletzungen davon, die ihr später der Beschuldigte zugefügt haben soll.

Um 17.30 Uhr vertagte der Richter die Verhandlung auf den 3. Oktober. Der Beschuldigte soll sich dann noch zur Sache äussern und der Richter wird ein Urteil fällen.

Erstellt: 20.09.2019, 16:11 Uhr

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