Andelfingen

Hochwasser hat Biberdamm fortgeschwemmt

Die starken Regenfälle von letzter Woche liessen viele Bäche in der Region anschwellen. Für einen Biberdamm im Andelfinger Schüepbach wurden die Wassermassen zu viel: Der mächtige Damm aus Ästen brach und der Bibersee lief aus.

Der Bibersee am Schüepbach fiel letzte Woche trocken, sodass ein umgestürzter Baum ans Tageslicht kam.

Der Bibersee am Schüepbach fiel letzte Woche trocken, sodass ein umgestürzter Baum ans Tageslicht kam. Bild: Markus Brupbacher

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Es sieht aus, als hätte ein Riese den Stöpsel einer grossen Badewanne gezogen: Seit letzter Woche ist der Bibersee am Schüepbach zwischen Humlikon und Andelfingen komplett ausgelaufen. Der mächtige Biberdamm, der den Bach zu einem See gestaut hatte, ist verschwunden.

So sah der See letzten Winter aus. Bild: Markus Brupbacher

Der beachtliche Bibersee, der vom Zug aus gut zu sehen war, existiert laut Auskunft der kantonalen Biberfachstelle mindestens seit 2014. Der See war rund 60 Meter lang und an seiner breitesten Stelle etwa 15 Meter.

«Nicht illegal entfernt»

«Uns war nicht bekannt, dass der Damm weg ist», teilte Wolfgang Bollack, Sprecher der kantonalen Baudirektion, am Montag auf Anfrage mit. Der Kanton schaute vor Ort nach und konnte gestern in einer Hinsicht Entwarnung geben: «Der Biberdamm ist nicht illegal entfernt worden», sagt Jürg Zinggeler von der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung. Der Biber und seine Bauten sind schweizweit geschützt.

Die Äste des gestürzten Baumes ragten bei Normalwasser nur wenig aus dem Wasser. Bild: Markus Brupbacher

Wegen der starken Niederschläge der letzten Woche sei der Damm weggeschwemmt worden. Laut der kantonalen Biberfachstelle sind bereits wieder Anzeichen eines neuen Dammes zu erkennen. Die Biber versuchen also, den Bachabschnitt erneut zu stauen, damit die Zugänge zu ihren unterirdischen Bauten unter Wasser zu liegen kommen. Das tun die Nagetiere, damit sie vor Raubtieren wie etwa Füchse oder Hunde geschützt sind.

Vermutlich eine Familie

«Dass Biberdämme bei Hochwasser brechen, kommt immer wieder vor», sagt Alice Wassmer von der kantonalen Biberfachstelle. Sie nennt ein weiteres, schon älteres Beispiel aus Berg am Irchel, wo sich auch ein ganzer Bibersee entleert hat, weil der Damm wegen Starkregen fortgeschwemmt wurde. Es war einer der Dämme im Langwisbach im Eigental. Dort befand sich lange Zeit auch der grösste Biberdamm der Schweiz – drei Meter hoch und 15 Meter breit. Nach dem Dammbruch im Eigental seien die Biber am Ort geblieben «und haben neue Dämme erstellt», erzählt Wassmer weiter.



«Vermutlich haben die Biber noch weitere Bauten, bei welchen der Eingang noch immer unter Wasser ist.»
Alice Wassmer, Biberfachstelle

Wie viele Biber am See im Andelfinger Schüepbach leben, sei schwierig zu sagen. Die Biberbestände im Kanton werden nur geschätzt, es wird also nicht jedes Individuum gezählt. In den letzten beiden Bibermonitorings – das letzte fand im Winter 2016/2017 statt – wurde das Revier als Familienrevier kartiert. «Ich gehe davon aus, dass es sich auch jetzt um ein Familienrevier handelt», sagt Wassmer. Es könne somit mit etwa fünf Tieren gerechnet werden.

Wo sich diese Biber nach dem Dammbruch aufhalten, kann die stellvertretende Leiterin der Biberfachstelle nicht sagen. Am nun freiliegenden Baueingang gebe es einige Bibertrittsiegel, Abdrücke der Pfoten also. «Vermutlich haben die Biber noch weitere Bauten, bei welchen der Eingang noch immer unter Wasser ist.» In einem Biberrevier gebe es oft mehrere Bauten, die je nach Wasserstand genutzt werden. Wassmer sagt, dass laut Auskunft der Gemeinde der Bibersee schon mehrere Male trocken gefallen sei – und die Biber den Damm immer wieder aufgebaut hätten.

Erstellt: 28.05.2019, 18:28 Uhr

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