Nachgefragt

«Ich kann den Frust meiner Kollegen verstehen»

Der Präsident des Schweizerischen Verbandes der Zuckerrübenpflanzer, Josef Meyer, sagt im Interview, wo der Schuh drückt.

Mindestens 1.4 Millionen Tonnen Rüben müssen verarbeitet werden, damit das Schweizer System aufrecht erhalten werden kann, sagt Josef Meyer.

Mindestens 1.4 Millionen Tonnen Rüben müssen verarbeitet werden, damit das Schweizer System aufrecht erhalten werden kann, sagt Josef Meyer. Bild: hag

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Herr Meyer, Landwirte, die Zuckerrüben anpflanzen, sagen, die Situation sei miserabel. Wie sehen Sie es?
Es ist keine einfache Situation. Es hat ein klarer Preisrückgang stattgefunden, vor 20 Jahren erhielt man noch 150 Franken pro Tonne Rüben.

Die Anzahl Pflanzer ist rückläufig, viele hören auf oder überlegen es sich. Wieso sollte man in der Schweiz überhaupt noch Zuckerrüben anbauen?
Man kann immer noch Geld damit verdienen, aber nur auf gutem Boden und mit einer guten Infrastruktur. Leider sind es nicht nur die Preise, sondern auch Schädlinge und Krankheiten, die den Zuckerrüben zusetzen. Ich kann den Frust meiner Kollegen verstehen.

Aber?
Wir brauchen 1,4 Millionen Tonnen Zuckerrüben, damit das Schweizer System aufrechterhalten werden kann. Wenn eine Zuckerfabrik zugeht, dann geht sie nie wieder auf. Ich wünsche mir, dass sich die Landwirte überlegen, ob sie wegen einiger schlechter Jahre die ganze Zukunft aufs Spiel setzen wollen. Und was sollen wir auf den 18000 Hektaren denn auch anderes anpflanzen? An Futtermittel verdient man noch weniger als an Rüben, und der Markt für Gemüse und Kartoffeln ist mehr oder weniger gesättigt.

«Wir müssten mindestens 60 Franken pro Tonne bezahlen können. Momentan kommen wir mit sämtlichen Zuschlägen, etwa für den Zuckergehalt, auf circa 57 Franken.»

Aber man kann ja deswegen keine Gratisarbeit erwarten?
Natürlich ist das für mich einfach zu sagen. Was oft vergessen geht, ist, dass der Flächenbeitrag des Bundes zusätzlich zum Verkaufspreis an die Landwirte geht. Die 2100 Franken pro Hektare sind also nicht in die 44 Franken pro Tonne eingerechnet, die dieses Jahr bezahlt werden.

Das ist aber immer noch weit entfernt von früheren Preisen.
Wir müssten mindestens 60 Franken pro Tonne bezahlen können. Momentan kommen wir mit sämtlichen Zuschlägen, etwa für den Zuckergehalt, auf circa 57 Franken. Davon müssen die Landwirte natürlich ihre Kosten für die Produktion abziehen.

Sind Sie mit der Höhe des Flächenbeitrags durch den Bund zufrieden?
Ich denke, es wäre unvernünftig, mehr zu fordern. Gegen einen besseren Grenzschutz hätten wir natürlich nichts einzuwenden. Wegen der sogenannten Doppelnull-Lösung, die keine Zölle im Bereich Zucker zulässt, müssen wir mit den Schweizer Preisen aber nahe an die EU-Preise heran. Die EU muss sich auch bewusst sein, dass eine Überproduktion in der EU die Schweiz genauso extrem belastet wie sie selbst.

«Unser Zucker hat eine sehr hohe Qualität.»

Hat die Schweiz mit höheren Preisen denn überhaupt eine Chance?
Ja, wir sind noch nicht auf EU-Niveau, und die Marke Schweiz rechtfertigt einen höheren Preis. Unser Zucker hat eine sehr hohe Qualität.

Sie verlassen sich also darauf, dass es immer Firmen geben wird, die auf teureren Schweizer Zucker setzen?
Es ist unterschiedlich. Gewisse Firmen arbeiten mit reinem Schweizer Zucker, weil sie die Swissness-Regelung einhalten wollen. 80 Prozent ihrer eingesetzten Produkte müssen aus der Schweiz stammen. Dann importieren wir Rüben aus dem Ausland, die wir hier verarbeiten und deren Zucker denselben Qualitätsgrad hat wie der aus Schweizer Rüben. Bei importiertem Zucker ist die Qualität mal mehr oder weniger gut. Wir sind mit der Selbstversorgung derzeit zwischen 60 und 70 Prozent.

Wie viel Schweizer Zucker ist denn im Schweizer Zucker, den ich im Laden kaufe?
100 Prozent.

Besteht Hoffnung für die Zuckerrüben-Landwirte?
Ich bin sicher, dass wir aus dem Loch kommen. Die Produktion in der EU ist wieder leicht rückläufig. Das heisst, die Preise werden dort wieder steigen, und damit steigen auch die Schweizer Preise. Im Übrigen tut sich auch sonst etwas in der Branche. Wir haben soeben wieder neue Sorten zugelassen, die resistenter gegen Krankheiten sind.

Erstellt: 19.11.2019, 07:26 Uhr

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