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Illegaler Aushub wurde per Zufall entdeckt

Das Restaurant Augarten liegt in einem besonders wertvollen historischen Teil von Rheinau. Doch beim Ausbaudes Lokals ist ein Stück dieser Geschichte zerstört worden.

Die ohne Bewilligung ausgehobene Baugrube beim Rheinauer Restaurant Augarten im Herbst 2015.
Die ohne Bewilligung ausgehobene Baugrube beim Rheinauer Restaurant Augarten im Herbst 2015.
zvg

Rheinau bezeichnet sich selbst als «historisches Städtchen», wie es auf Tafeln an den Ortseinfahrten heisst. Der Boden in der Weinländer Gemeinde am Rhein ist gleichsam durchdrungen mit Geschichte, sei es aus der Zeit der Kelten oder des Klosters.

Und dies gilt insbesondere für den Klosterbezirk, wo auch das Restaurant Augarten steht. Das Wirtshaus wurde nach einer aufwendigen Sanierung und Erweiterung Anfang Jahr neu eröffnet («Landbote» vom 30. Dezember).

Unerlaubte Unterkellerung

Doch bei den Bauarbeiten kam es nicht nur zu einer mehrmonatigen Verzögerung, sondern auch zu Unregelmässigkeiten. So erfolgte der Aushub einer Baugrube unter dem Neubau «unter Verstoss gegen Auflagen respektive ohne Bewilligung», wie Baudirektionssprecher Markus Pfanner sagt. Ein Mitarbeiter des Kantons habe den Aushub zufälligerweise bemerkt und der Gemeinde Rheinau gemeldet.

«Umso bedauerlicher ist diese Zerstörung.»

Markus Pfanner, Sprecher kantonale Baudirektion

Laut dem Kanton erfolgten der Abbruch der Liegenschaft Augarten und der nicht bewilligte Aushub der rund 385 Quadratmeter grossen Baugrube direkt daneben im Herbst 2015. «Bewilligt waren der Umbau der Liegenschaft, zwei neue Abgänge zu bestehenden Kellern und die Erstellung eines nicht unterkellerten Anbaus», so Pfanner weiter.

Dieser Anbau, der widerrechtlich unterkellert wurde, ist eine Art Scheune mit Tischen und Stühlen für rund 90 Augarten-Gäste. Das bewilligte Projekt hätte bloss kleine Bodeneingriffe und damit eine minimale Zerstörung der archäologischen Fundstelle zur Folge gehabt. Das war auch der Grund, weshalb die Kantonsarchäologie guten Glaubens auf vorgängige Untersuchungen und auf eine Baubegleitung verzichtet hatte.

Reste aus dem Mittelalter

Man könne nur abschätzen, was beim Aushub der Baugrube zerstört worden sei, sagt Pfanner. Reste in der Wand der Grube und Untersuchungen im nächsten Umfeld gäben aber Hinweise darauf, was zerstört wurde. Er nennt als Beispiele Teile von Mauern, Spuren von Gebäuden, Schächte, Sodbrunnen, Latrinen sowie Fragmente von Keramik. Diese Überreste gingen bis ins 12. und 13. Jahrhundert zurück.

«In diesem Areal befand sich damals ein Siedlungsteil, der zum Kloster gehörte und in seinen Anfängen ins 8. und 9. Jahrhundertzurückgehen könnte.» Über die bauliche Entwicklung im Mittelalter sei bisher «nur sehr wenig bekannt». Und schriftliche Quellen seien spärlich. «Umso bedauerlicher ist diese Zerstörung», so Pfanner weiter. Dies auch deshalb, weil es sich bei Rheinau um eine erstrangige archäologische Fundstelle von nationaler Bedeutung handle.

Mit Behörden Kaffee trinken

Von der erfolgten Anzeige beim Statthalteramt Andelfingen weiss der Unternehmer und Bauherr Lukas Riedo nichts. «Rhein­au ist ein hochinteressantes archäologisches Gebiet, bei dem Abklärungen für das Verstehen unserer Geschichte unerlässlich sind», schreibt er auf Anfrage.

Dass die Abklärungen respektive Ausgrabungen des Sodbrunnens das Fertigstellen des Daches vor Wintereinbruch verhindert hätten, «war Pech». Er freue sich jedoch sehr, dass der Augarten bei der Bevölkerung gut ankomme. Mit der Arbeit der Behörden sei er sehr zufrieden, und er freue sich, mit ihnen im Augarten «einen Kaffee zu trinken».

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