Andelfingen

Im Stadtpark besorgte er Koks

Weil er kein Geld hatte, begann er mit Marihuana zu dealen. Einmal wollte er Kokain an Prostituierte verkaufen. Nun muss er 500 Franken Busse zahlen.

Das Bezirksgericht Andelfingen verurteile den Dealer zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Busse von 500 Franken verurteilt.

Das Bezirksgericht Andelfingen verurteile den Dealer zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Busse von 500 Franken verurteilt. Bild: Heinz Diener

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Seine Ausbildung hat er nicht beendet, weil er mit dem neuen Chef Differenzen gehabt habe. Bei der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) ist er nicht mehr gemeldet, weil er mit seiner Beraterin auf dem Amt in Konflikt geraten sei. Der 33-Jährige mit Niederlassungsbewilligung, die Kinder und seine Frau leben seit mehreren Monaten vom Lohn, den sie von einem Halbtagsjob nach Hause bringt. Und von Zuschüssen seiner Eltern, die nicht wüssten, dass er mit Drogen gehandelt habe. Geschweige denn, dass er sich deshalb am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Andelfingen zu verantworten hatte. «Wenn sie es wüssten, würden sie nie wieder mit mir sprechen», sagte der Beschuldigte.

Im abgekürzten Verfahren wurde der Mann in mehreren Punkten schuldig gesprochen: Mehrfache Übertretung und mehrfaches Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Fahren in fahrunfähigem Zustand. Geahndet wird dies mit einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren und 500 Franken Busse.

Koks für Prostituierte

Obwohl nicht im Bezirk wohnhaft, musste er sich in Andelfingen verantworten, weil das Hauptdelikt im Weinland stattfand. Im Dezember 2018 wurde der Beschuldigte von der Grenzwache kontrolliert. Wenige Stunden zuvor hatte der Mann eine Linie Kokain konsumiert, mehrere Male zuvor einige Züge von Joints geraucht. Bei der Kontrolle fanden die Beamten in präparierten Getränkedosen in der Mittelkonsole knapp 18 Gramm reines Kokain sowie rund 51 Gramm Cannabis; für den Weiterverkauf in kleine Tüten abgepackt.

«Wenn ich gewusst hätte, wie hoch die Strafen bei Kokain sind, hätte ich das nicht gemacht.»

Er habe einen Freund in der Nähe mit Marihuana beliefern wollen, sagte der Beschuldigte. Und zwei Prostituierte in einem Winterthurer Stadtkreis mit Kokain. Normalerweise hätten diese bei ihm Marihuana bestellt, ihn dieses eine Mal aber auch um die Beschaffung der harten Droge gebeten. «Ich habe zu ihnen gesagt, ich schaue, was ich tun kann.» Im Stadtpark in Winterthur sei er nach einigem Rumfragen fündig geworden. «Wenn ich gewusst hätte, wie hoch die Strafen bei Kokain sind, hätte ich das nicht gemacht.»

Bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Beschuldigten wurden weitere knapp 300 Gramm Cannabis gefunden. Ausserdem unter anderem mehrere Sim-Karten und Betäubungsmittelwaagen, eine – nach seiner Aussage kaputte –Schreckschusswaffe und grössere Mengen Bargeld. Ein Teil davon wird für die Begleichung der Busse und der Verfahrens- und Gerichtskosten von total rund 5000 Franken verwendet. Die Kosten für die amtliche Verteidigung gehen auf die Staatskasse.

Dealen als Zwischenlösung

Zum Dealer geworden sei er aus finanzieller Not. «Wenn man kein Geld hat, macht man das», sagte er. «Macht man das?», fragte der Einzelrichter rhetorisch. Der Beschuldigte holte etwas aus: Als Vater mache man so etwas nicht, räumte er ein. Aber er habe ein schwieriges Jahr hinter sich gehabt, viele Betreibungen, habe beim Einkaufen seiner Tochter jeden Wunsch abschlagen müssen. «Irgendwann hatte ich die Schnauze voll.» Er sei auf diese «dumme Idee» gekommen, die er bereue, weil er die Zeit bis zur nächsten festen Stelle habe überbrücken wollen. Der Einzelrichter riet ihm, die Jobsuche zu intensivieren. «Eine Arbeit, die noch nicht das Optimum ist, ist besser, als keine.»

Erstellt: 17.01.2020, 14:39 Uhr

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