Was macht eigentlich...

...Martin Graf? Immer noch voll auf Bio

Ex-Regierungsrat Martin Graf, Listenplatz 31 bei den Grünen.

Der ehemalige Regierungsrat Martin Graf kandidiert für den Nationalrat. Auf dem hoffnungslosen 31. Listenplatz.

Der ehemalige Regierungsrat Martin Graf kandidiert für den Nationalrat. Auf dem hoffnungslosen 31. Listenplatz.

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Einen ehemaligen Regierungsrat auf der Liste, das haben nur die Grünen zu bieten. Martin Graf, Justizdirektor von 2011 bis 2015, kandidiert für die Umweltpartei auf Listenplatz 31. Man erinnert sich: Graf schaffte 2011 überraschend die Wahl in die Zürcher Kantonsregierung. Er verdrängte den Winterthurer CVP-Finanzdirektor Hans Hollenstein. Dass die Grünen damals so gut abschnitten, wurde unter anderem dem «Fukushima-Effekt» zugeschrieben: Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hatten Öko-Themen den Wahlkampf dominiert.

Vier Jahre später ereilte Graf dasselbe Schicksal. Er wurde abgewählt, nachdem er als Justizdirektor in der «Affäre Carlos», dem Fall eines teuer betreuten Jugendstraftäters, in die Schlagzeilen geraten war.

Als ehemaliges Regierungsmitglied wieder ins Berufsleben einzusteigen, fällt zuweilen schwer. Für Martin Graf scheint das aber kein Problem zu sein: «Mir geht es bestens», erzählt der 64-Jährige mit seinem unverkennbaren Schaffhauser Dialekt am Telefon. «Schon drei Monate nach der Abwahl war ich wieder voll am Arbeiten.» Graf ist wieder als Agronom und Landwirtschafts­experte tätig, sein angestammter Beruf, für den er an der ETH Zürich studiert hat.

Mit Millionenumsatz

Er habe eine eigene Firma und arbeite vor allem für die Stiftung Fintan, die in Rheinau mehrere biodynamische Betriebe unterhält. Im Moment übernimmt er beispielsweise die Bauherrenvertretung der Sativa, einer Produzentin von gentechnikfreiem Saatgut, die ein neues Logistik- und Bürogebäude plant. Das Unternehmen wächst stark, macht mit Bio-Saatgut einen Jahresumsatz von acht Millionen Franken und hat 40 Mitarbeiter.

«Die Baudirektion hätte ich auch gern gehabt.»Martin Graf, Ex-Regierungsrat 

Graf ist voll im Saft. Mit jeder Minute am Telefon zählt er eine neue Funktion auf, die er auch noch innehat. Er ist Präsident von Svizra AgriCultura, einem Verein, der sich für achtsame, ganzheitliche und biologische Landwirtschaft einsetzt. Er leitet die Immobilienstiftung der Rudolf-Steiner-Schulen und ist damit unter anderem verantwortlich für all die Um- und Neubauten der Schule in Winterthur. Auch treibt er ein Entwicklungsprojekt für Maisanbau und Bodenschutz in Tansania voran und reist dafür etwa einmal im Jahr nach Afrika. Immer voll im Einsatz, immer voll auf Bio und wieder ganz der «Bauer mit dem Aktenmäppli», als den er sich vor Jahren mal beschrieben hat.

Ein bisschen Wehmut

Bereut er den Abschied aus der Politik? «Nicht wirklich», sagt Graf. Er besuche ab und zu die Versammlungen der Ortspartei, darum sei er jetzt wieder auf der Wahlliste. Zu den Umständen seiner Abwahl sagt er nichts. Für den jetzigen grünen Baudirektor Martin Neukom freue er sich, so Graf. Und da schwingt dann doch ein bisschen Wehmut mit: «Die Baudirektion hätte ich damals auch gern gehabt.»

Graf ist übrigens ein Beweis dafür, dass es sich lohnt, einen Promi auf die Liste zu setzen. Vor vier Jahren holte er für die Grünen knapp 2500 Panaschierstimmen von anderen Parteien.

Erstellt: 13.09.2019, 17:27 Uhr

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