Truttikon

Je länger, je mehr gegen eine Fusion

Die Weinländer Kleingemeinde Truttikon hat sich ein Leitbild gegeben. Bei dessen Erstellung sei auch das Thema Fusion diskutiert worden, sagt Gemeindepräsident Sergio Rämi.

Der Ortskern von Truttikon: Die Weinländer Gemeinde ist zwar klein, aber selbstbewusst.

Der Ortskern von Truttikon: Die Weinländer Gemeinde ist zwar klein, aber selbstbewusst. Bild: Heinz Diener

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Die kleine Weinländer Gemeinde Truttikon mit rund 470 Einwohnern hat sich ein Leitbild verpasst. Das knapp zweiseitige Dokument bilde den Handlungsrahmen für den Gemeinderat für die nächsten acht bis zehn Jahre, wie dieser in der Einleitung schreibt.

Einige der formulierten Leitsätze könnten auch in einer beliebig anderen Gemeinde Gültigkeit haben wie etwa dieser: «Behörden und Verwaltung führen einen offenen Dialog mit der Bevölkerung sowie anderen Anspruchsgruppen der Gemeinde.»

Spielraum zurückgewinnen

Doch eine Formulierung in der Einleitung zum Truttiker Leitbild sticht heraus. So seien darin Themen verankert, «bei denen der Gemeinderat Handlungsspielraum hat oder diesen zurückgewinnen möchte, um in Zukunft handlungsfähiger zu sein».

Gemeindepräsident Sergio Rämi erläutert auf Anfrage, was es mit diesem Satz auf sich hat. «In allem» rede der Kanton der Gemeinde immer mehr drein, ohne aber dafür zahlen zu wollen. So werde auch Truttikon je länger je mehr zum Befehlsempfänger. «Wir versuchen, die Freiheiten auf lokaler oder zumindest regionaler Ebene zu halten, zum Beispiel in Zweckverbänden», so Rämi. Er sei seit 18 Jahren im Truttiker Gemeinderat. Und in dieser Zeit habe seine Gemeinde viele Aufgaben abgeben müssen, deren Erledigung «immer weiter weg» erfolge.

«Sehr intensiv» diskutiert

Mit der Erstellung des Leitbildes habe der Truttiker Gemeinderat vor fünf Jahren begonnen, erzählt Rämi. Immer wieder sei daran gearbeitet worden, und seit diesem Frühling sei es fertig. Während der schrittweisen Erstellung sei das Thema Fusion «sehr intensiv» diskutiert worden.

Rämi sagt aber, dass ein Zusammenschluss mit Nachbargemeinden vor fünf Jahren noch stärker ein Thema gewesen sei als heute. Im Februar 2016 scheiterte eine Schulfusion mit der Nachbargemeinde Ossingen. «Eine Fusion ist vom Tisch», sagt Rämi. Und wenn dies nicht im Schulbereich möglich gewesen sei, dann erst recht nicht auf Stufe der Politischen Gemeinden.

«Wir sind nicht eingeknickt unter dem Fusionsdruck.»Sergio Rämi,
Gemeindepräsident Truttikon

Angesprochen auf zwei andere kleine Weinländer Gemeinden, Adlikon und Humlikon, sagt Rämi: «Wir sind nicht eingeknickt unter dem Fusionsdruck.» Die Gemeindepräsidenten von Humlikon und Adlikon hatten sich jüngst sehr deutlich für eine Fusion mit mehreren Nachbargemeinden ausgesprochen.

Allerdings sagt auch Rämi, dass ein Zusammenschluss von Truttikon mit mehreren Gemeinden des mittleren Weinlandes eher möglich wäre als eine Fusion nur mit dem direkten Nachbarn Ossingen oder Trüllikon. «Da findet sich zurzeit niemand in Truttikon, der das will.» Und wenn in Ossingen immer wieder einmal stichelnd von «Oberossingen» statt von Truttikon die Rede ist, sehe man in Truttikon rot, sagt Rämi.

Dass ein grösserer Verbund mit mehreren Gemeinden grössere Chancen an den Urnen hätte, diese Ansicht äusserte der Trülliker Gemeinderat bereits im Frühjahr 2014 («Landbote» vom 30. Januar 2014). Denn bei einer Grossfusion kämen die kleinen Gemeinden des Weinlandes weniger unter die Räder, sagte damals der Trülliker Gemeindepräsident Thomas Gmür. Und: Das politische Gewicht einer solchen Grossgemeinde wäre, auch gegenüber dem Kanton, viel grösser. Dieser Meinung ist auch sein Amtskollege aus Truttikon.

Das psychologische Element

Ob im Verhältnis Trüllikon zu Marthalen, Truttikon zu Ossingen oder Kleinandelfingen zu Andelfingen: Fusionen haben auch eine psychologische Komponente. Denn hat die Bevölkerung der einen Gemeinde das Gefühl, sich der anderen unterwerfen zu müssen, haben es Fusionen schwer.

«Eine Fusion von Trüllikon mit Mar­tha­len zum Beispiel ist chancenlos», sagte der Trülliker Gemeindepräsident 2014. Der Grund: Die bevölkerungsmässig kleine Gemeinde Trüllikon ginge in der grossen Nachbargemeinde Marthalen gleichsam unter, «der Identitätsverlust wäre für uns zu gross».

Anders in einer grossen Fusion mit mehreren Gemeinden: Eine kleine Gemeinde wäre dann eine unter vielen – wie auch der grosse Nachbar, der dadurch nicht mehr so übermächtig wirkt.

(Der Landbote)

Erstellt: 11.08.2017, 14:38 Uhr

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