Andelfingen

Junger Räuber mit Messer verharmlost seine Taten vor Gericht

Ein erst 19-jähriger Mann ist wegen mehrfachen Raubes zu 15 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt worden.

Ein 19-Jähriger musste sich am Mittwoch wegen Raubs vor dem Bezirksgericht Andelfingen verantworten.

Ein 19-Jähriger musste sich am Mittwoch wegen Raubs vor dem Bezirksgericht Andelfingen verantworten.

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Für die Weinländer Gemeinde Flurlingen ist Hilari das wichtigste Volksfest des Jahres. An dem Fest, das jeweils im Januar stattfindet, verkleiden sich die Leute traditionsgemäss. Am letzten Hilari nicht verkleidet war der 19-Jährige, der sich am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Andelfingen verantworten musste.

Bekifft und betrunken war der Lehrling mit zwei Kollegen am Abend in Flurlingen unterwegs und raubte vier Hilari-Besucher aus. Einmal scheiterte der Raubversuch, weil das Opfer fliehen konnte.

«Das war jetzt
Ihr Bonus.»
Der Gerichtspräsident
mahnend zum Verurteilten

Der Beschuldigte nahm jeweils ein Messer hervor und hielt es den Festbesuchern gegen Hüfte, Bauch oder Hals. Auch soll er ihnen laut Staatsanwaltschaft damit gedroht haben, sie abzustechen. Das erbeutete Geld und die Gegenstände hatten einen Wert von rund 350 Franken.

Weil der junge Mann seine Taten gestanden und die Ansprüche der Opfer auf Genugtuung und Schadensersatz im Grundsatz akzeptiert hat, wurde der Gerichtsprozess im sogenannten abgekürzten Verfahren durchgeführt. Das heisst auch, dass er den Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft akzeptiert, den das Bezirksgericht auch bestätigte: Bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie eine Busse von 400 Franken.

Auch die Kosten des Verfahrens, über 2000 Franken, muss er bezahlen, nicht aber jene für seine Verteidigung. Zudem fordern zwei Opfer zusammen über 3000 Franken Entschädigung respektive Genugtuung. Weil der Mann zwar aus Ex-Jugoslawien stammt, aber in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, verzichten Staatsanwaltschaft und Gericht auf einen Landesverweis.

«Chli übertriebe»

Auch wenn der Beschuldigte geständig war: Von Einsicht war vor Gericht kaum etwas zu spüren, und die Reue samt Entschuldigung wirkte auf den Beobachter einstudiert. So verharmloste er den mehrfachen Raub mit dem Messer – er habe ja niemanden geschlagen «oder von der Klippe stossen wollen». «Ich habe einfach mit denen geredet», sagte er über das Zusammentreffen mit seinen Opfern.

Das sei jetzt schon «sehr milde ausgedrückt», entgegnete der Gerichtspräsident. Doch der junge Mann, fast noch ein Kind, wiederholte: Er habe doch niemanden geschlagen, keinem Schaden zugefügt. Die Strafe bezeichnete er als «chli übertriebe». Und später sagte er es gleich nochmals, als es um die Geldforderungen der Opfer ging: Die Forderungen seien «bitzeli übertriebe», er habe ihnen das Geld und die Sachen «einfach weggenommen» und es den anderen, seinen damaligen Kollegen, gegeben.

Die Polizei habe dann ja alles eingesammelt – ob sie es den Leuten zurückgegeben habe, wisse er nicht. Kurze Zeit später hob er wie ein Schüler die Hand: «Darf ich etwas fragen?» Ob jemand verletzt worden sei.

Drei, vier Briefe habe er geschrieben und sich darin entschuldigt, erzählte er. Nein, Reaktionen habe er darauf keine erhalten. Und nein, bezahlt habe er ihnen auch noch nichts – er habe ja keine Rechnung erhalten.

Warnung des Gerichts

Etwa als 16-Jähriger hatte der Beschuldigte bereits mit der Jugendanwaltschaft zu tun, weil er in einen Diebstahl verwickelt war. Am Mittwoch vor dem Andelfinger Bezirksgericht bestritt er eine damalige Mittäterschaft. Auch im Falle des Hilari-Raubzuges gab er seinen Kollegen die Schuld. Diese hätten die Beute verteilt, er habe davon nichts erhalten. Nach der Festnahme habe er den Kontakt zu ihnen beendet, seine Begründung: Er wolle mit solchen Menschen, «die so etwas nötig haben», nichts zu tun haben. Schon am Hilari habe er so etwas «nicht nötig» gehabt, das Geld hätten die anderen unter sich aufgeteilt.

Das Gericht warnte den jungen Mann zum Schluss. So etwas dürfe nur einmal passieren. «Das war jetzt Ihr Bonus.» Dies seien keine Scherze, keine Spielereien und für die Betroffenen eine «schreckliche Sache». Dass er den Hilari als «heimeligen Anlass» genutzt habe, um an Geld zu kommen, sei «besonders ungut und strafwürdig. Seiner Ausschaffung aus der Schweiz habe er ganz nahe gestanden, mahnte der Gerichtspräsident.

Erstellt: 09.10.2019, 16:41 Uhr

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