Andelfingen

Kippfenster wurden zur Katzenfalle

Ein Hanfbauer wehrt sich vor Gericht gegen den Vorwurf der Tierquälerei. Mehrere Katzen haben sich in in den Kippfenstern seiner Gewächshäuser eingeklemmt. Eine davon hatte er selber aufgepäppelt. Das Urteil steht noch aus.

Das Bezirksgericht Andelfingen muss über einen ungewöhnlichen Fall von Tierquälerei befinden.

Das Bezirksgericht Andelfingen muss über einen ungewöhnlichen Fall von Tierquälerei befinden. Bild: Heinz Diener

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Der Beschuldigte hat ein gutes Verhältnis zu Katzen: «Das sind sehr eigenwillige Wesen. Sie machen, was ihnen gerade passt.» Einmal habe er ein junges Kätzchen aufgenommen, dessen Augen noch zu gewesen seien. Später folgte es ihm auf Schritt und tritt und strich ihm um die Beine.

«Die Katze war völlig vermenschlicht.» Sie begleitete ihn sogar zur Arbeit und wollte zu ihm ins Gewächshaus. Doch dabei klemmte sich das Tier in einem der Kippfenster ein.

Es war nicht der einzige Vorfall, über den der Beschuldigte am Dienstagvormittag am Bezirksgericht Andelfingen detailliert berichtete.

Im Jahr 1996 sei erstmals eine Katze in eines der Kippfenster geraten. Eine Wildkatze habe ihre Jungen unter Stress in das Gewächshaus getragen. Später sei sie nicht mehr zu diesen hineingekommen und habe versucht, sich durch ein Fenster reinzuzwängen. Doch dieses schloss sich und klemmte das Tier ein, bis es starb.

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nur uns passiert.»Beschuldigter

Zum Verhängnis wurde den Katzen ein automatischer Mechanismus: Die Kippfenster öffnen und schliessen sich je nach Wetter. Zwar langsam, so dass man es von Auge kaum sieht, aber mit einiger Kraft, da sie auch Sturmwinden standhalten müssen. Gemäss Anklageschrift sind so mindestens fünf Katzen eingeklemmt worden und hätten dabei Qualen erlitten.

Fahrlässig oder vorsätzlich?

Der Inhaber und Betreiber der Gewächshäuser musste sich deshalb im Bezirksgericht Andelfingen wegen Tierquälerei verantworten. Mit seinem Verhalten habe er die Tötung der Katzen billigend in Kauf genommen. Oder er habe zumindest fahrlässig gehandelt, indem er keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Geldstrafe von 16 800 Franken sowie eine Busse von 4200 Franken. Der Landwirt sah sich hingegen keiner Schuld bewusst und verteidigte sich ohne Anwalt. Einmal zeigte er dem Richter ein Bild von einem toten Fuchs, den er auf seinem Land verwesend gefunden hatte. «Das ist Natur», sagte er, «da gibt es Selektion.»

Keine einfachen Lösungen

Die Vorfälle mit den Katzen liegen zeitlich weit auseinander. Zwischen 2009 und 2017 sei nichts mehr passiert. «Ich habe nicht mehr an das Problem gedacht.» Zudem sei er nicht untätig gewesen. So habe er etwa Kästen mit Radar aufgestellt, die Katzen abschrecken sollten. «Mittlerweile haben die Tiere aber gemerkt, dass sie trotzdem durchkommen.»

Nur schon die Grösse der Gewächshäuser sei ein Problem, sagte der Beschuldigte weiter. «Die Lüftungslängen sind rund 1,5 Kilometer lang und die Fensteröffnungen 1,5 Meter.» Er kenne keine befriedigenden Lösungen.

«Es ist eine enge Welt geworden. Auch für den Zaunkönig.»Beschuldigter

Auch ein Netz sei nicht hilfreich. Die Katzen könnten sich immer noch einklemmen, wenn sie im Gewächshaus nach Vögeln Ausschau halten und dabei den Kopf hineinstrecken. An der Bauart der Gewächshäuser liegt es wohl nicht: «Die sind aus den 80er Jahren und stehen in jedem Dorf», sagte der Landwirt. «Ich kann mit nicht vorstellen, dass das nur uns passiert.»

Nur einen Unterschied führt er an: Da er für Tabakersatz Hanf anbaue, sei es in den Gewächshäusern im Winter 22 Grad warm und somit wärmer als anderswo. Vielleicht ziehe das Katzen an? Als mögliche Lösung sieht er das Anbringen eines Elektrodrahts. «Wenn es der Katze eine ‹fitzt›, dann weiss sie, dass sie da nichts zu suchen hat.» Auf die Idee sei er gekommen, als es ihm selber eine «gefitzt» habe. Er hatte einen Draht berührt, der zur Taubenabwehr gedacht gewesen war.

Dichtestress für Katzen

Der Hanfbauer gab dem Richter noch einen ganz anderen Punkt zu bedenken: «Wer hat die Obhutspflicht für die Katzen?», fragte er. Es könne ja sein, dass sich diese in ihrem Zuhause nicht mehr wohl gefühlt und sich deshalb neue Reviere gesucht hätten.

In den vergangenen Jahren seien in der Gegend neue Häuser entstanden, mit immer mehr Katzen darin. Das löse bei den Tieren Stress aus. «Es ist eine enge Welt geworden. Auch für den Zaunkönig.» Die Katzen deswegen einzusperren sei keine Lösung. Handkehrum gebe es draussen eben auch Gefahren.

Das Bezirksgericht Andelfingen fällte noch kein Urteil. Es will zunächst abklären, ob es auf dem Markt geeignete und gängige Massnahmen gibt, die ein Einklemmen der Katzen verhindert hätten. Falls dies nicht der Fall sei, könne man dem Beschuldigten keinen Vorwurf machen, sagte der Richter.

(Der Landbote)

Erstellt: 04.09.2018, 18:52 Uhr

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