Bezirksgericht

Krumme Geschäfte im Handwerksbetrieb

Sie soll für Ihren Partner eine gefälschte Buchhaltung geführt haben. Vor Gericht verweigerte sie jede Aussage. Ihr Schweigen wurde nicht belohnt.

Das Bezirksgericht glaubt selbst dem Schweigen der Angeklagten nicht.

Das Bezirksgericht glaubt selbst dem Schweigen der Angeklagten nicht. Bild: mad

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Bonnie und Clyde sind sie nicht gerade. Eine gewisse kriminelle Energie lässt sich beim Paar A und B aus einer Winterthurer Nachbargemeinde aber nicht abstreiten – zumindest nach Ansicht des Bezirksgerichts Winterthur. A wurde in erster Instanz bereits verurteilt, er zieht den Fall weiter ans Obergericht. Erstmals vor Gericht stand am Mittwoch nun seine 47-jährige Lebensgefährtin B.

Als Buchhalterin des Handwerksbetriebs von A soll sie von 2011 bis 2013 geholfen haben, mit gefälschten Rechnungen die «Einkünfte aus legaler Tätigkeit» zu schönen. Auch durch einen gemäss Staatsanwaltschaft frei erfundenen Mieter sei die Bilanz aufgebauscht worden. In beiden Fällen habe die Beschuldigte gewusst, dass ihre Buchungen nicht den Tatsachen entsprochen hätten.

Zum Verhängnis geworden ist dem Paar unter anderem, dass die Rechnungen auf Namen lauteten, die gemäss Ermittlungen der Polizei nicht mit den Adressen übereinstimmten. Bei insgesamt 49 Rechnungen im Wert von gut 140‘000 Franken wurden Unstimmigkeiten gefunden. Auch unpassende Wegabrechnungen und merkwürdig runde Beträge fielen den Ermittlern auf.

B schweigt zu allen Fragen

Von B selbst ist an diesem Mittwochmorgen am Bezirksgericht Winterthur nicht viel zu hören. Seit wann kennt sie A? Keine Aussage. Was war ihr Arbeitspensum im Betrieb? Keine Aussage. Bleibt sie bei ihren Unschuldsbeteuerungen aus früheren Vernehmungen? Keine Aussage. Auch zu den einzelnen Rechnungen äussert sie sich nicht.

«Sie können die Rechnungen nicht erklären, weil sie schlicht nicht zu erklären sindRichterin

Sinn und Zweck der Schweigestrategie wurden rasch klar, als der Anwalt von B in seinem Plädoyer direkt die Ermittlungsbehörde selbst ins Visier nahm. Akribisch legte der Anwalt dar, dass die polizeilichen Abklärungen nicht ausreichend seien, um jeden Zweifel an der Schuld der Angeklagten zu zerstreuen.

Dass seine Mandantin die betreffenden Buchungen getätigt habe, sei zwar unbestritten, räumte der Anwalt ein. Darüber hinaus aber stellte er so ziemlich alles in Frage. Wurden Tippfehler bei den verdächtigen Adressen ausgeschlossen? Wurde geprüft, ob die genannten Personen vielleicht einfach nicht ordnungsgemäss gemeldet waren? Und könne man einem Handwerker wirklich vorwerfen, zu wenig Wegpauschale zu verlangen – oder sei ihm das nicht eher hoch anzurechnen?

Natürlich sei die Wahrscheinlichkeit nicht allzu gross, dass sich damit all die Ungereimtheiten aus der Welt schaffen lassen, erklärte der Anwalt gleich selbst. Doch der Zweifel sei da – und damit, im Sinne des Grundsatzes «im Zweifel für die Angeklagte», ein Freispruch die richtige Entscheidung.

Illegales Nebengeschäft?

Wenig beeindruckt von dieser Argumentation zeigte sich indes das Gericht. Entscheidend seien nicht die polizeilichen Ermittlungen gewesen – die Rechnungen allein seien in sich bereits widersprüchlich genug. Es sei klar, dass die Buchhaltung der betreffenden zwei Jahre «komplett gefälscht» sei.

Auch die Schweigestrategie stiess auf kein Verständnis. Man habe, so das Gericht, doch eigentlich erwartet, dass B etwas zu ihrer Entlastung vorbringen werde. «Sie können die Rechnungen nicht erklären, weil sie schlicht nicht zu erklären sind», schloss die Richterin.

«Das Gericht hatte eine andere
Meinung über die Zulässigkeit der Beweise.»
Anwalt der Angeklagten

Schliesslich könne es auch als gesichert gelten, dass der angebliche Mieter nicht existiert – habe man doch in seinem Zimmer statt dem vermeintlichen Bewohner eine Hanfplantage vorgefunden. Die angebliche Miete habe nur dazu gedient, entsprechende Einnahmen zu verschleiern.

Das Bezirksgericht sprach dementsprechend die Angeklagte der mehrfachen Urkundenfälschung schuldig und verurteilte sie zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken – insgesamt 5‘400 Franken. Die Staatsanwaltschaft hatte 13‘500 Franken gefordert. Die Strafe ist nur zu zahlen, wenn B innert der nächsten zwei Jahren erneut straffällig wird. Die Gerichtskosten gehen zu Lasten der Verurteilten.

Der Anwalt von B erklärt, man werde gegen das Urteil Berufung einlegen. «Das Gericht hatte teilweise eine andere Meinung über die Zulässigkeit der Beweise. Wir werden diese und weitere Fragen vom Obergericht prüfen lassen.» Zuvor aber wird sich ihr Partner A erneut der Justiz stellen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Erstellt: 05.09.2019, 17:17 Uhr

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