Landwirtschaft

Künstlicher Regen dank Wasser aus Flüssen

Das Zürcher Weinland ist seit jeher besonders trocken – da sind Rhein und Thur ein Segen für die Bauern.

Für die Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen dürfen Weinländer Bauern Wasser aus Thur und Rhein pumpen.

Für die Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen dürfen Weinländer Bauern Wasser aus Thur und Rhein pumpen. Bild: Markus Brupbacher

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Insgesamt 2300 Stunden liefen die beiden elektrischen Pumpen von Stephan Rapold im trockenen Hitzesommer 2018. Kartoffeln, Rüebli oder Zwiebeln: Dank des Rheinwassers konnte der Rheinauer Landwirt seine Kulturen bewässern.

Die Leistung der zwei Wasserpumpen beträgt je 800 Liter pro Minute, ein- respektive ausschalten kann er sie via Handy oder Funk.

Auch dieses Jahr sind die Pumpen im Einsatz, seit etwa einem Monat intensiv. Letztes Jahr sei die Trockenheit allerdings etwa «doppelt so schlimm» gewesen wie zurzeit. Denn heuer habe es bislang immer wieder ein «Gütschli» Regen gegeben, erzählt Rapold. 2018 hatte die nicht enden wollende Trockenheit bereits im April eingesetzt.

Der Irchel teilt das Wetter

Auch wenn die Klimaerwärmung derzeit besonders stark thematisiert wird: Im Weinland wird schon seit Jahrzehnten Wasser aus Rhein und Thur entnommen, um die Felder zu bewässern. Bei den Rapolds ist dies seit 1957 beziehungsweise 1996 der Fall, und bewässert wird in der Regel ab März bis Oktober.

«Der Preis für das Wasser ist gnädig.»Stephan Rapold
Landwirt aus Rheinau

Die durchschnittliche Temperatur liegt im Zürcher Weinland ein bis zwei Grad höher als im restlichen Kanton – und es ist trockener. Für den Weinbau ist dieses Klima ideal, aber auch für andere wärmeliebende Kulturen wie etwa Zuckermelonen, Sonnenblumen, Aprikosen oder Süsskartoffeln.

Eine Ursache für die Weinländer Trockenheit ist der knapp 700 Meter hohe Hügelzug Irchel im Süden des Weinlandes (siehe Karte), der wie ein Wetterteiler wirkt: Die meist aus Westen heranziehenden Gewitter werden wegen des Irchels so abgedrängt, dass sie entweder im Süden oder Richtung Norden am Weinland vorbeiziehen, sodass der Regen dort ausbleibt.

In solchen Momenten wehe dann oft bloss der Wind, erzählt Rapold, und verwehe das Wasser der Beregnungsanlagen. Eine genaue, wirksame Bewässerung sei so schwierig, weshalb diese Anlagen dann oft in der windstillen Nacht laufen gelassen werden. Ein weiterer Trockenheitsfaktor in Rheinau ist der wasserdurchlässige kiesige Boden, der, anders als lehmige Böden, Regenwasser schlecht speichert.

«Extreme Wetterkapriolen»

Doch obwohl das Weinland überdurchschnittlich trocken ist, hat die Trockenheit dort ebenso zugenommen. Die Zahl der heissen, trockenen Perioden sei in den letzten Jahren gestiegen, sagt auch Landwirt Rapold, ebenso «extreme Wetterkapriolen» wie Hagel oder Starkregen.

Auch entlang der Thur gibt es wegen des fruchtbaren Schwemmlandes etliche Gemüsebauern. An den Zürcher Flussabschnitten von Rhein und Thur laufen aktuell 17 respektive 21 Konzessionen für Wasserentnahmen, damit Landwirte ihre Felder bewässern können.

Diese Bewilligungen sind 15 Jahre gültig. Im Trockensommer 2018 wurden für Notbewässerungen zusätzliche, kurzzeitige Bewilligungen vergeben. So oder so: Bei der Entnahme von Flusswasser müssen die für jeden Gewässerabschnitt gesetzlich festgeschriebenen Restwassermengen eingehalten werden. Unerlaubte Wasserentnahmen sind strafbar.

Fast 40 Konzessionen

Die biologisch-dynamischen Landwirtschaftsbetriebe der Rheinauer Stiftung Fintan benötigen pro Jahr so viel Wasser aus dem Rhein, wie in etwa zwei Minuten den Fluss hinabfliessen. Aktuell fliessen rund 550 Kubikmeter oder 550000 Liter pro Sekunde, im Juli 2018 waren es durchschnittlich gut 300 und im Oktober nur noch etwa 180 Kubikmeter.

Addiert man die Pumpenleistungen aller 17 Bewässerungskonzessionen am Rhein, so sind dies 295 Liter pro Sekunde. Würden all diese Pumpen voll laufen, würden sie zusammen etwa 0,05 Prozent der aktuellen Abflussmenge des Rheins abzapfen. Bei den 21 Konzessionen an der Thur läge dieser Wert aktuell bei rund 2,5 Prozent, im Juli 2018 bei circa 5 Prozent.

Die Gebühren für die Wasserentnahme sind vorgeschrieben. Die meisten Pumpen fördern unter 1000 Liter pro Minute (l/min). Ihre jährliche Gebühr beträgt 2.30 pro l/min. Erst ab einer Pumpenleistung von über 1000 l/min wird zusätzlich der gepumpte Kubikmeter Wasser verrechnet.

Landwirt Rapold bezahlt pro 800 l/min-Pumpe und Jahr also rund 1800 Franken – «gnädig» sei der Preis für das Wasser, sagt er. Teurer ist der Strom: Pro Stunde und Pumpe rechnet der Rheinauer Landwirt mit 5 Franken.

Erstellt: 19.07.2019, 13:04 Uhr

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