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Lauter Sieger im Stammertal

Nur Gewinner und bloss noch nach vorne schauen: So lautet das Motto der vier Stammertaler Gemeindepräsidenten nach der Fusionsabstimmung. Ob sie sich für die neue Gemeinde wählen lassen wollen, darüber schweigen sie aber noch.

Szene aus der Medienkonferenz vom Sonntag: Martin Farner spricht (stehend), Martin Zuber (r.), Andreas Fischer und Werner Haltner (l.) hören zu.
Szene aus der Medienkonferenz vom Sonntag: Martin Farner spricht (stehend), Martin Zuber (r.), Andreas Fischer und Werner Haltner (l.) hören zu.
Madeleine Schoder

Die Bevölkerung des Stammertals hat am Sonntag überraschend klar Ja zur Fusion der vier Talgemeinden gesagt. Damit ist sie nicht den Empfehlungen der Gemeinderäte von Oberstammheim, Unterstammheim und der Schulbehörde gefolgt, die alle ein Nein empfohlen hatten («Landbote» vom Montag). Der Gemeinderat von Waltalingen war der einzige, der sich im Vorfeld für die Fusion ausgesprochen hatte. Die neue Gemeinde Stammheim startet am 1. Januar 2019.Doch wer die letzten Monate des Fusionsprozesses nicht mitverfolgt hat, der hätte an der Medienkonferenz vom Sonntag denken können, dass aus der Abstimmung lauter Sieger hervorgegangen sind. So stellte sich etwa Martin Farner, Gemeindepräsident von Oberstammheim, nach der Abstimmung gleichsam auf die Siegerseite. Das Nein des Oberstammer Gemeinderates zur Fusion sei nicht eindeutig gewesen und es hätte auch anders interpretiert werden können, sagte Farner.

«Etwas unglücklich»

«Das Stimmvolk hat immer Recht», sagte er an der Medienkonferenz weiter. Und im Hinblick auf die kommende Arbeit bei der Umsetzung der Fusion sagte er mit Pathos: «Wir müssen unser Tal noch stärker zusammenschmieden, das Eisen glüht noch und muss in den nächsten Monaten zur Einheit zusammengeschweisst werden.»

«Wir müssen unser Tal noch stärker zusammenschmieden.»

Martin Farner, Gemeindepräsident Oberstammheim

Auch die Köpfe glühten im Abstimmungskampf. Dieser begann zwar relativ spät, er wurde dann aber umso heftiger und teils gehässig geführt. Entfacht wurde dieser Kampf durch die Medienkonferenz Anfang Juni, an der drei der vier Gemeindebehörden ihr überraschendes Nein zur Fusion publik machten («Landbote» vom 2. Juni). Martin Zuber, Gemeindepräsident von Waltalingen, wurde damals eiskalt erwischt. So hatte er erst wenige Minuten vor Beginn der Konferenz erfahren, dass seine Amtskollegen der Schulgemeinde sowie aus Ober- und Unterstammheim gegen die Fusion waren. Entsprechend aufgebracht war Zuber. Zuvor waren die Stammertaler Behörden nicht müde geworden zu betonen, wie gut ihre Zusammenarbeit sei.

Auf dieses Vorgehen gegenüber Zuber angesprochen, sagte Martin Farner am Sonntag: «Das war vielleicht etwas unglücklich.» An jenem Morgen Anfang Juni vor der gemeinsamen Medienkonferenz habe Zuber noch eine Sitzung in Zürich gehabt und sei daher knapp zu den anderen drei Präsidenten hinzugestossen. Doch der Prozess danach sei richtig gewesen, fuhr Farner fort, wie sich die Behörden verhalten hätten. «Dann hat das Volk diskutiert, und diese Diskussion hat im Stammertal in einem sehr guten Umfang stattgefunden.»

«Es gibt nur Gewinner»

Auch Martin Zuber äusserte sich zum Abstimmungsprozess. «Es hat die eine oder andere Blessur gegeben. Manchmal hat man das Sackmesser hervorgeholt, manchmal den Zweihänder.» Aber nun gebe es nur noch ein Ziel: nach vorne schauen. Zuber vermied am Sonntag tunlichst die Rhetorik des Siegers: «Es soll sich niemand als Sieger und niemand als Verlierer fühlen. Es gibt nur Gewinner.» Auch Martin Farner war bemüht, die Gräben des Abstimmungskampfes verbal zuzuschütten: «Es gibt keine Sieger und Verlierer im Stammertal. Es gibt nur noch Stammheimerinnen und Stammheimer.»

«Manchmal hat man das Sackmesser hervorgeholt, manchmal den Zweihänder.»

Martin Zuber, Gemeindepräsident Waltalingen

Die Behördenwahlen für die neue Gemeinde Stammheim finden in gut einem Jahr statt. Wer von den bisherigen Gemeinderäten wieder antritt, ist noch offen. Das Volk entscheide, ob es Kampfwahlen gebe, sagte Zuber. Und nach einer kurzen Pause fügte er doch noch hinzu: «Wäre zu wünschen.»

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