Ossingen

Mit dieser Rübe geht ein Licht auf

Agnes Zuber baut auf ihrem Hof seit mehreren Jahrzehnten Herbstrüben an. Aus dem Herbstgemüse werden gut 2000 Räbeliechtli geschnitzt.

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Frau Zuber, Ihr Bauernhof gehört zu den wenigen in der Region der Herbstrüben anpflanzt. Kann man mit den Räben auch etwas anderes als Räbeliechtli anstellen?
Agnes Zuber: Nicht wirklich. Also vielleicht früher einmal. Da hat man noch Räbenmus daraus gemacht. Heute verwende ich sie wirklich nur noch für die Räbeliechtli. Obwohl ich natürlich nicht weiss, ob es Leute gibt, die Räbenmus daraus machen.

Haben Sie denn selbst schon einmal Räbenmus probiert?
Nein, wenn ich ehrlich bin möchte ich das auch nicht. Ich stelle es mir nicht sehr lecker vor.

Lohnt es sich denn, für ein paar Laternen das Rübengewächs anzupflanzen?
Wir pflanzen sie vor allem wegen den Kindern an, die daraus Laternen schnitzen wollen. Es ist einfach Tradition geworden. Und ich finde den Räbeliechtliumzug einen schönen Brauch.

Schnitzen Sie auch heute noch?
Nein, nicht mehr. Als meine Kinder noch jünger waren, haben wir natürlich auch geschnitzt. Doch jetzt sind sie schon älter, das hört irgendwann automatisch auf.

Trotzdem haben Sie viel Schnitzerfahrung. Haben Sie irgendwelche Tipps, wie besonders schöne Laternen entstehen?
Ich war nie die grosse Schnitzerin, das war eher die Sache meiner Kinder. Ich war dann froh, wenn es vorbei war und die Sauerei weggeräumt wurde (lacht).

Für das Verzieren der Räben verwendet man Guetzli-Förmchen. Hatten Sie eines, das auf jeden Fall auf die Laterne musste?
Meine Kinder wollten immer den Mond und die Sterne auf ihren Liechtli haben. Aber heute gibt es ja allerlei. Wenn Eltern kreativ sind, dann sind da ganze Lokis oder Traktoren zu sehen.

«Ich war nie die grosse Schnitzerin, das war eher die Sache meiner Kinder.»Agnes Zuber

Haben Sie auch als Kind schon Räbeliechtli geschnitzt?
Ich glaube nicht. Zumindest kann ich mich nicht mehr daran erinnern, das kam erst später.

Wie sieht eine perfekte Räbe aus, mehr weiss oder violett?
Natürlich mehr violett, da scheint das Licht am schönsten durch. Aber die perfekte Räbe gibt es nicht, man muss eben nehmen was die Natur einem gibt. Aus jeder Räbe kann man etwas Schönes machen.

Wie lange bleibt eine solche Laterne schön?
Das kommt ganz darauf an, wie man sie lagert. In kaltem Wasser halten sie natürlich länger. Aber es ist vor allem Glückssache, da gibt es kein Rezept dazu.Seit wann gehören Sie denn schon zu den Herbstrüben-Anpflanzern? Meine Schwiegermutter hat das Rübengewächs schon angepflanzt und ich ziehe es nun seit 24 Jahren weiter.

Wer bezieht denn die Räben von Ihrem Hof?
Es sind vor allem Schulen, Kindergärten und Vereine die Herbstrüben brauchen. Eben alle, die einen Räbenliechtliumzug planen. Insgesamt sind es zehn bis zwölf Orte, an die wir die Räben liefern. Dazu kommen immer noch ein paar kurzfristige Bestellungen.

Brauchen die Räben spezielle Umstände, um ideal wachsen zu können?
Nein, sie sind sehr pflegeleicht. Vor allem brauchen sie Wasser und das reicht eigentlich.

Wann säen Sie denn die Räben an?
Wir säen sie jeweils zwischen Mitte und Ende Juli.

Brauchen Sie dafür viel Platz?
Ich benötige etwa 20 Aare, drauf sind 1500 bis 2000 Räben angepflanzt, davon werden aber nicht alle zu Laternen.

Was geschieht mit dem Rest?
Die einen verfaulen und werden liegengelassen. Manche brauchen wir als Tierfutter.

Haben Sie Hilfe beim Ernten?
Meine Familie und ich ernten die Räben in erster Linie selbst. Nächsten Montag kommt ein Kindergarten vorbei. Die Kinder graben dann ihre Räben selbst aus. Das machen wir jetzt schon einige Jahre so.

Wie holt man denn die Räben aus dem Boden?
Man zieht sie einfach raus. Dann wird das Kraut weggenommen. Bevor sie abgeholt werden, waschen wir sie noch. Das Ernten erstreckt sich etwa über drei Wochen. Wir holen sie eben erst nach und nach aus dem Boden, damit sie frisch bleiben. Meistens pflücken wir sie am einen Tag und am nächsten werden sie abgeholt.

Erstellt: 29.10.2018, 16:48 Uhr

Herbstrüben

Urspünglich waren sie als Wegbeleuchter dabei

Früher waren sie ein Grundnahrungsmittel, heute kennen wir die Räben vor allem als ausgehöhlte Laternen. Als die Kartoffeln nach Europa importiert wurden verlor auch die Herbstrübe ihre Bedeutung.
In manchen Supermärkten ist sie jedoch noch zu finden. Eingelegt wie Sauerkraut im Glas, kann man sie als «Saure Rübe» kaufen. Vor allem im Elsass, Österreich, Süddeutschland, der Slowakei und in der Schweiz ist sie anzutreffen.

Das Recht auf Schnaps

Eine Region in Österreich hat sich der Räbe schon seit langer Zeit verschrieben. Bereits im 18. Jahrhundert brannten die Wildschönauer ihren Rübenschnaps. Dafür wurde ihnen von Kaiserin Theresia das Recht zugesprochen, den Schnaps zu brennen. Heute sind es noch 15 Bauern, die das Braurecht für den sogenannten Krautinger besitzen, heisst es auf der Tourismusseite der Region Wildschönau.

Doch auch die Räbeliechtlitradition ist schon seit vielen Jahren bekannt. Wann und wo genau diese entstanden ist, ist jedoch nicht ganz klar. «Der Brauch wird dem Kanton Zürich zugeschrieben», sagt Daniel Wohlwend. Er ist Organisator beim weltgrössten Räbenumzug in Richterswil. Schon seit 1850 zelebrieren die Gemeinde am Zürichsee die Tradition. «Früher hatte man die Laternen als Wegbeleuchtung dabei.»

Am 10. November brauchen auch die Richterswiler die Laternen als Beleuchtung: «Im Dorfkern stellen wir das gesamte elektrische Licht aus.» So erstrahle er ausschliesslich im Räbenlicht. 40 Truppen sind mit den Laternen unterwegs. Manche von ihnen bauen sogar 3D-Gebilde aus dem Gemüse. (elw)

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