Ossingen

Mit viel Ruhe direkt ins Schwarze

Am ersten kantonalen Schnuppertag konnten sich Interessierte im Armbrustschiessen versuchen. Eine wahre Konzentrationsaufgabe!

Schweres Geschütz: Ohne körperliche und geistige Ruhe kann man an der Armbrust nicht einmal die 30 Meter entfernte Zielscheibe finden.

Schweres Geschütz: Ohne körperliche und geistige Ruhe kann man an der Armbrust nicht einmal die 30 Meter entfernte Zielscheibe finden. Bild: Enzo Lopardo

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Vor dem ersten Schuss weist der Ossinger Vereinspräsident Martin Vogel noch auf die Kraft und damit die Gefährlichkeit der Armbrust hin. Bis 600 Meter weit und mit einer Geschwindigkeit von 250 Stundenkilometern können die Sportarmbrüste schiessen, und selbst ohne Pfeil sollte von gespannten Bogen besser die Finger gelassen werden.

Wir wagen uns dennoch in den Schiessstand und Schultern das Gerät. Als wahre Konzen­trationsaufgabe stellt sich dieser Sport heraus. Ohne körperliche und geistige Ruhe kann nicht einmal die 30 Meter entfernte Ziel­scheibe gefunden werden. «Man muss sich entspannen, deshalb finde ich den Sport einen hervorragenden Ausgleich zum Alltag», bemerkt Vogel. Schliesslich steht das Visier über dem Ziel. Klick! Doch nichts passiert. Die Batterie ist leer. Moderne Armbrüste verfügen über einen elektronischen Abzug. Die Batterie wird rasch gewechselt und beim zweiten Versuch schnellt die gespannte Sehne hervor und der Pfeil durchdringt spielend das Blei hinter der Scheibe.

Von Tells Modell zum elektrischen Abzug

Es ist ein herzlicher Empfang gewesen am Samstag durch die Mitglieder des Armbrustschützenvereines Ossingen, wie man es sich bei einem Schnuppertag erhofft. Versammelt um eine Festbank, trank man Kaffee und genoss das schöne Aprilwetter. Vereinspräsident Vogel rechnete mit keinem Ansturm und kümmerte sich mit Gelassenheit um die Neugierigen, die den Weg in den abgelegenen Schiessstand gefunden hatten. Noch in 20 weiteren Vereins­häusern im Kanton versuchten sich an diesem Tag Interessierte an der Armbrust.

Die antike Fernkampfwaffe, welche 500 vor Christus bereits in chinesischen Schriften erwähnt wurde, hat auch in der Schweiz eine längere Tradition. Schillers Theater nach soll Wilhelm Tell mit einer Armbrust den Apfel vom Kopf seines Sohnes geschossen haben. Und auch in der Heraldik und im Militär war die Armbrust weit verbreitet, die im 12. Jahrhundert mit einreisenden Söldnern den Weg in die Schweiz fand. Damals galt sie als persönliche Waffe, die zuhause aufbewahrt wurde. Mit den mittelalterlichen Waffen schiessen die Schützen aus Ossingen aber nur noch bei speziellen Anlässen.

Viele Vereine, doch wenige Mitglieder

Die heutigen Armbrüste dienen nur dem Sport. «Wir benutzen die gleichen Geräte, wie die, die an der Weltmeisterschaft eingesetzt werden», sagt Vogel. Diese werden sogar vom Verein den Mit­gliedern zur Verfügung gestellt. Trotz der Gefährlichkeit fallen Armbrüste in der Schweiz nicht unter das Waffengesetz.

An etwa zehn Schützenfesten nimmt der Verein in Ossingen jährlich Teil. Dass man nicht mehr als acht Mitglieder hat, ist keine Seltenheit. Wenn auch nicht zahlreich an Mitgliedern, so gibt es immerhin im Kanton Zürich über 30 Armbrustschützenvereine. «Es ist ein langsamer und ruhiger Sport und deswegen vielleicht nach aussen nicht so attraktiv», sagt Vogel. Dafür einer, der viel Konzentration und Ruhe verlangt. Wer nun den Schnuppertag verpasst hat und dennoch Interesse verspürt, darf sich jederzeit ungeniert bei den Vereinen melden. (Der Landbote)

Erstellt: 07.04.2019, 16:58 Uhr

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