Flaach

Nach 16 Jahren ist Schluss

Die Metzgerei Boos in Flaach wird dieses Jahr schliessen. «Aus wirtschaftlichen Gründen», sagt Käthi Boos. Die Metzgerei gewann immer wieder Preise und produzierte die beste Winti-Wurst.

Käthi Boos in der Familienmetzgerei in Flaach, die unter anderem für ihre hausgemachten Würste bekannt ist.

Käthi Boos in der Familienmetzgerei in Flaach, die unter anderem für ihre hausgemachten Würste bekannt ist. Bild: Marc Dahinden

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Die Metzgerei Boos in Flaach ist mehr als ein Verkaufsladen. Sie stellt selber Spezialitäten her, zum Beispiel Würste. In einer Maschine, dem sogenannten Blitz, wird in den Produktionsräumen Schweinefleisch zerhackt. Es kommen Schwarten, Speck, Zwiebeln und Gewürze hinzu. Entscheidend ist die richtige Mischung.

2016 gelang das der Familie Boos so gut, dass ihre Winti-Wurst zur besten in der Region gekürt wurde. Ein Jahr später erhielt der Familienbetrieb bei einem Wettbewerb des Fleisch-Fachverbands Gold für ihren Beinschinken und Silber für die Winzerwurst, es war bereits das fünfte Jahr mit ähnlichen Auszeichnungen.

Nähe zur Grenze als Problem

Und dennoch geht für Käthi und Paul Boos die Zeit in der Dorfmetzgerei Flaach dieses Jahr zu Ende. In der «NZZ am Sonntag» wurde kürzlich ein Inserat publiziert. Die Spezialitäten-Metzgerei in Flaach soll neu vermietet werden, heisst es darin. «Wir hören aus wirtschaftlichen Gründen dieses Jahr auf», sagt Käthi Boos auf Anfrage. Die Kundschaft sei in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen. «Die Leute kaufen nach der Arbeit häufig in den Zentren ein. Kleine Dorfläden haben es da immer schwieriger», sagt Boos.

«Die Leute kaufen nach der Arbeit häufig in den Zentren ein.»Käthi Boos

Zwar sei vor Festtagen jeweils viel los gewesen – «dann, wenn alles perfekt sein muss» – die alltäglichen Einkäufe erledige man aber kaum noch im Dorf. Dass heute aufgrund der Klimadebatte weniger Fleisch gegessen werde, glaubt Käthi Boos hingegen nicht. «Davon spüren wir nichts.» Eher ein Thema sei die Nähe zur deutschen Grenze und der dortige Einkaufstourismus.

Käthi und Paul Boos wollen ihren Berufen treu bleiben, auch wenn sie keine eigene Metzgerei mehr führen werden. Paul Boos hat bereits wieder eine Stelle in einer Metzgerei in der Ostschweiz gefunden. Gemeinsam werden sie innerhalb des Flaachtals umziehen. Denn die Wohnung bei der Metzgerei gehört zum Geschäft und soll allfälligen neuen Mietern zur Verfügung stehen, wie aus dem Zeitungsinserat hervorgeht.

«Für’s Dorf ist es sicher schade, wenn kleine Läden verschwinden»Käthi Boos

Mit dem Wechsel geht eine lange Erfolgsgeschichte zu Ende. Paul und Käthi Boos hatten die Metzgerei im Jahr 2003 übernommen. Dies nachdem Paul Boos elf Jahre lang bei seinem Vorgänger Ernst Altorfer gearbeitet hatte. Dieser hatte die Metzgerei 26 Jahre lang geführt.

Noch nicht ganz vorbei

«Für’s Dorf ist es sicher schade, wenn kleine Läden verschwinden», sagt Käthi Boos. Sie ist aber überzeugt, dass an diesem Standort eine Metzgerei weiterhin funktionieren kann. Die Schwierigkeit ihres Betriebs sei gewesen, dass sie vieles selber produziert hätten, was teure Maschinen und mehr Personalaufwand nötig mache.

Ganz vorbei ist es allerdings noch nicht. Bis Ende August hat die Metzgerei weiterhin geöffnet. Den Schlusspunkt wollen sie dann im September mit einem Stand am Herbstfest setzen. Es soll eine fröhliche Ausessete und Austrinkete werden.

Erstellt: 27.05.2019, 17:35 Uhr

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