Endlager

Nagra gibt Fehler zu und regt Polizeikontrollen an

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) lässt zurzeit bei Marthalen einen Bohrplatz bauen, der direkt an einem Schulweg liegt. Dabei hat sich ein Subunternehmen nicht an das vereinbarte Verkehrskonzept gehalten.

Die Nagra musste ein Verkehrskonzept umsetzen, Schilder zum Bohrplatz inklusive.

Die Nagra musste ein Verkehrskonzept umsetzen, Schilder zum Bohrplatz inklusive. Bild: Markus Brupbacher

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Westlich von Marthalen richtet die Nagra zurzeit einen Bohrplatz ein. «Gelten die Vorschriften nun nicht für die Nagra, oder wird etwa einvernehmlich nicht kontrolliert?»

Die Kritik, ja Unterstellung eines Anwohners an die Adresse der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) wiegt schwer. Er wirft ihr vor, gegen das vereinbarte Verkehrskonzept zu verstossen, wonach Sondertransporte nur mit Begleitfahrzeugen zum Bohrplatz fahren dürfen.

Mit der bald startenden Tiefbohrung sollen die Gesteinsschichten im Untergrund näher untersucht werden. Insbesondere der Opalinuston, in dem einst das Endlager für radioaktive Abfälle gebaut werden soll – sofern der Standortentscheid auf das Zürcher Weinland fällt.

«Auf Einhaltung gepocht»

Der Anwohner, der seine E-Mail auch an Zeitungen verschickte, wohnt an der Radhofstrasse respektive Radstrass, die zum Bohrplatz führt und zugleich als Schulweg zwischen Rheinau und Marthalen dient (siehe Karte).

«Aufgrund des Schreibens haben wir Nachforschungen angestellt», schreibt die Nagra-Medienstelle auf Anfrage. Und tatsächlich: Offenbar hätten in den letzten Tagen mehrere Transporte via Radstrass ohne vorausfahrenden Sicherheitsdienst stattgefunden. «Wir bedauern diesen Fehler sehr.»

«Wir bedauern diesen Fehler sehr.»Nagra-Medienstelle

Die Nagra habe unverzüglich Massnahmen getroffen, «damit ab sofort sämtliche Auflagen eingehalten werden». Sie habe ihre Auftragnehmer für den Bohrplatz im Vorfeld «mehrfach über die Auflagen und das Verkehrskonzept informiert und auf deren Einhaltung gepocht», so die Nagra weiter. Bisher habe man keinen Grund zur Annahme gehabt, dass jemand gegen die Auflagen verstossen würde.

Erneuter Hinweis

Die Nagra habe ihre Auftragnehmer nun erneut darauf hingewiesen, dass sämtliche Auflagen im Verkehrskonzept einzuhalten seien «und Begleitfahrzeuge eingesetzt werden müssen». Zudem habe sie bei der Polizei angeregt, «dass neben den Kontrollen der Nagra auch polizeiliche Kontrollen durchgeführt werden».

Bis Weihnachten folgen noch weitere rund 20 Transporte mit Containern und grossem Material wie etwa Rohre über die besagte Strasse zum Bohrplatz. «Wir sind dafür besorgt, dass diese gemäss Auflagen begleitet werden», verspricht die Nagra.

Und wie rechtfertigt die Firma, also die Auftragnehmerin der Nagra, ihr Fehlverhalten? «Die Firma rechtfertigt sich nicht, sondern bittet um Entschuldigung für die Fehler», sagt Nagra-Mediensprecher Patrick Studer. Diese Fehler seien wegen interner Kommunikationsprobleme passiert, «hat man uns gesagt». Diese Probleme, so Studer, seien in der Zwischenzeit behoben worden. Bei dem Transportunternehmen handle es sich um ein Subunternehmen jener Firma, welche die Tiefbohrung durchführen wird.

Diskussionen seit Jahren

Weil der Schulweg Rheinau–Marthalen direkt am Bohrplatz vorbeiführt, sorgt dieses Nagra-Vorhaben seit über drei Jahren für Diskussionen. Ursprünglich wollte die Nagra ganz in der Nähe und abseits vom Schulweg bohren, doch wurde sie vom Kanton zurückgepfiffen. Dies, weil der Bohrplatz erster Wahl einen Wildtierkorridor und den schützenswerten Naturraum Niderholz beeinträchtigt hätte.

Nach der Ablehnung des ersten Bohrstandortes durch den Kanton protestierte die Sekundarschulpflege Kreis Marthalen gegen den zweiten Standort am Schulweg Rheinau-Marthalen. Die Schulbehörde bewirkte mit ihrem Protest immerhin, dass die Nagra aufwendige Massnahmen zur Sicherung des Schulwegs für rund 400000 Franken umsetzen musste. Dazu gehören eben beispielsweise auch die die besagten Begleitfahrzeuge für die Sondertransporte auf der Radhofstrasse.

Die normalen Fahrzeuge dürfen nicht durch Marthalen fahren, sondern müssen die Umfahrung und die Chinzenstrass hoch zum Bohrplatz benutzen. Auch richtete die Nagra streckenweise einen Radweg ein und senkte die Höchstgeschwindigkeit per Signalisation von 80 auf 60 Stundenkilometer. Es sind dies notabene alles Massnahmen, welche weder der Gesetzgeber noch die Verkehrspolizei verlangt.

Erstellt: 12.12.2019, 19:08 Uhr

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