Endlager

Nagra soll «heisse Zelle» anders planen

Die Nagra soll aufzeigen, ob der gefährlichste Teil des «Tors zum Endlager» auch anderswo gebaut werden könnte. Damit gäbe es aber mehr Atomtransporte durch Winterthur.

Radioaktive Abfälle auf der Schiene gibt's schon heute in der Schweiz (dieser hier fährt gerade durch den Bahnhof Pratteln).

Radioaktive Abfälle auf der Schiene gibt's schon heute in der Schweiz (dieser hier fährt gerade durch den Bahnhof Pratteln). Bild: Keystone

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Die «heisse Zelle» ist der zentrale Teil des «Tors zum Endlager». In der Hochsicherheitsanlage werden die in Castorbehältern angelieferten, hochradioaktiven Brennelemente aus den Atomkraftwerken in kleinere Endlagerbehälter umverpackt. Im Zürcher Weinland stünde diese Anlage wahrscheinlich im Dreieck Marthalen-Benken-Rheinau.

Am Donnerstagabend ist nun bekannt geworden, dass das bei der Endlagersuche federführende Bundesamt für Energie (BFE) eine neue Forderung an die Nagra stellen will. So soll diese alternative Standorte für die «heisse Zelle» aufzeigen. Die Forderung stammt ursprünglich von der Weinländer Regionalkonferenz. Sie könnte bedeuten, dass die von Atomgegnern als hochriskant bezeichnete Anlage nicht im Weinland, sondern anderswo gebaut werden könnte.

Das «wichtigste Dokument»

Das Bundesamt habe das Anliegen vor gut zehn Tagen in den Ergebnisbericht aufgenommen, wie Stefan Jordi vom BFE an der Regonalkonferenz vom Donnerstag erstmals überhaupt sagte. Dieser Bericht sei das «wichtigste Dokument» in der zweiten Etappe der Endlagersuche, über die der Bundesrat wahrscheinlich Ende 2018 befindet. Laut Jordi ist die Vorgabe an die Adresse der Nagra ein «relativ starkes Instrument».

Die Atomtransporte würden voraussichtlich über den Hauptbahnhof Winterthur führen

Ein Vertreter der Nagra sagt auf Anfrage, dass sie die Forderung des BFE respektive der Regionalkonferenz ergebnisoffen prüfen würde. Allerdings sei der genaue Wortlaut noch nicht bekannt. Die Nagra äusserte sich aber bereits früher zur Idee, die «heisse Zelle» nicht gleich beim «Tor zum Endlager» zu platzieren.

Zwar ist laut Nagra ein anderer Standort sicherheitstechnisch machbar. Aber sie rät von einem solchen Vorgehen ab. Dies unter anderem deshalb, weil damit die Transporte vom atomaren Zwischenlager (Zwilag) zum Endlager zunehmen würden. Und diese Atomtransporte würden voraussichtlich über den Hauptbahnhof Winterthur führen – also durch dicht besiedeltes Gebiet.

Das Risiko abschieben

Die Regionalkonferenz argumentiert mit einer möglichen «Verbesserung der nuklearen Sicherheit» in der Region, wenn die «heisse Zelle» anderswo platziert würde – weil die Betriebsrisiken durch das Umverpacken vor Ort wegfallen würden. Dabei wird auch auf das Grundwasser unter dem «Tor zum Endlager» hingewiesen.

Es stellt sich dabei aber die ethische Frage, ob es fair ist, die unangenehme «heisse Zelle» einfach einer anderen Region zuzuschieben. Denn auch unter dem Zwilag gibt es Grundwasser.

(Der Landbote)

Erstellt: 01.09.2017, 18:40 Uhr

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