Endlager

Nagra sucht Lieferanten von bis zu 3,5 Millionen Liter Diesel für Bohrungen

Während der Sommerferien startet die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) mit ihrer ersten Tiefbohrung im Zürcher Weinland. Dafür sucht sie noch einen Diesellieferanten.

Blick auf den Bohrplatz unweit von Bülach: Die vielen Maschinen, so auch das Bohrgerät in der Bildmitte, benötigen Strom, dieser soll mit einem Generator hergestellt werden.

Blick auf den Bohrplatz unweit von Bülach: Die vielen Maschinen, so auch das Bohrgerät in der Bildmitte, benötigen Strom, dieser soll mit einem Generator hergestellt werden. Bild: Raisa Durandi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

An bis zu acht verschiedenen Orten im Weinland wird die Nationale Genossenschaft für die Lagerung für radioaktive Abfälle (Nagra) in den nächsten Jahren in die Tiefe bohren. Mit den Bohrungen sollen die Gesteinsschichten im Untergrund näher untersucht werden.

«Für die Durchführung dieser Bohrungen benötigt die Nagra Diesel zur Stromerzeugung.»
Nagra, Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle

Aargauer Bözberg, Zürcher Unterland nördlich der Lägern und Zürcher Weinland: Solche Tiefbohrungen führt die Nagra in allen drei verbliebenen Standortregionen durch. Nach diesen Bohrungen, nach aktuellem Stand im Jahr 2022, sagt die Nagra, wo sie das Endlager für hoch radioaktive Abfälle bauen will.

Bis 1360 Meter tief

Die erste Bohrung im Weinland startet im Juli östlich der Ortschaft Trüllikon im Gebiet Massholteren. Sie wird wohl bis 1360 Meter in die Tiefe gehen. Eine solche Tiefbohrung dauert etwa sechs bis neun Monate, wobei an einem Standort mehrere Bohrungen möglich sind. «Für die Durchführung dieser Bohrungen benötigt die Nagra Diesel zur Stromerzeugung und sucht daher einen Lieferanten», schreibt die Nagra in den Unterlagen der Ausschreibung vom 7. Juni.

Geliefert werden soll der Diesel für die erste Trülliker Bohrung und optional «an weitere Bohrplätze». Im Weinland sind sieben weitere solche Plätze geplant: in Marthalen (1), Laufen-Uhwiesen (2), Dachsen (1), Rheinau (1) und Trüllikon (2 weitere). Gemäss den Unterlagen entscheidet die Nagra am 12. Juli über die Vergabe des Lieferauftrages für den Diesel. Als voraussichtlicher Beginn der erste Bohrarbeiten in Trüllikon wird der 22. Juli angegeben. Abgeschlossen sein soll diese Tiefbohrung gegen Ende März 2020.

3000 Liter Diesel pro Tag

Die Nagra rechnet für diese Bohrung mit einer Dauer von rund 200 Tagen. Für die Maschinen auf dem Bohrplatz werden etwa 3000 Liter Diesel pro Tag benötigt. Die Nagra gibt als Gesamtmenge 500 000 bis 750 000 Liter Diesel an. Der Liefervertrag für den ersten Trülliker Bohrplatz kann um maximal drei Jahre verlängert werden. Dies, weil an diesem Platz eben mehr als eine Bohrung durchgeführt werden kann. Die Nagra schreibt von zwei bis fünf zusätzlichen Bohrungen. Ob und wie viele weitere Tiefbohrungen es gibt, wird fortlaufend aufgrund der gewonnenen Resultate entschieden.

110 Mal zum Mond

Firmen, die an der Nagra-Ausschreibung teilnehmen, müssen nicht nur die Lieferung von bis zu 750 000 Liter Diesel auf die erste Trülliker Bohrstelle offerieren. In den Unterlagen sind auch die «optionalen Lieferungen auf weitere Bohrplätze in der Grossregion Zürich/Aargau/Schaffhausen» aufgeführt: Diese Lieferungen würden weitere 3,5 Millionen Liter Diesel im Zeitraum von drei Jahren umfassen.

Die Nagra ist also auf der Suche nach bis zu 4,25 Millionen Liter Diesel für ihre Tiefbohrungen. Legt man der Rechnung ein Auto mit einem 5-Liter-Verbrauch pro 100 Kilometer zugrunde, so könnte das Auto mit der Dieselmenge etwa 110 Mal zum Mond und zurück fahren. Oder: 85 000 Autos fahren damit von Winterthur nach Neapel.

Doch warum schliesst die Nagra ihre Maschinen nicht ans Stromnetz an? Im Gesuch für die Bohrung Trüllikon 1 steht, warum: «Aufgrund des fehlenden Mittelspannungsanschlusses wird die Stromversorgung des Bohrplatzes mittels mobiler Generatoren sichergestellt.» Die Entfernung zu einem Anschluss sei gross.

«Wir kommunizieren grundsätzlich keine Informationen zu allfälligen Teilnahmen an Ausschreibungen.»Agrola, Mineralölkonzern mit Sitz in Winterthur

Die Nagra sichert zu, dass ausschliesslich schwefelarmer Diesel verwendet wird und alle geltenden Umweltauflagen erfüllt werden. Der Diesel mit dem geringsten Schwefelgehalt ist auch als Muss-Kriterium in den Ausschreibungsunterlagen enthalten. Die Diesellieferungen auf den Trülliker Bohrplatz finden etwa zweimal pro Woche statt. Die Lieferungen haben gemäss Lieferplan oder auf Abruf, sieben Tage die Woche – auch an Sonn- und Feiertagen – zu erfolgen.

Offeriert Agrola auch?

Ob der Mineralölkonzern Agrola mit Sitz in Winterthur an der Nagra-Ausschreibung teilnimmt oder nicht, ist nicht bekannt. «Wir kommunizieren grundsätzlich keine Informationen zu allfälligen Teilnahmen an Ausschreibungen», heisst es seitens der Kommunikationsstelle. Agrola ist eine Tochtergesellschaft der Agrargenossenschaft Fenaco, die grossmehrheitlich im Besitz der Landi-Genossenschaften ist, die wiederum den Schweizer Landwirten gehören.

Erstellt: 25.06.2019, 12:17 Uhr

Prognoseprofil

Visualisierung der Bohrung in Trüllikon

Diese Schichtung erwartet die Nagra bei der Bohrung in Trüllikon. (Bild: Nagra)

Artikel zum Thema

Den Deutschen mitten in die schöne Aussicht

Endlager Die Nagra hat für das Tor zum Endlager einen alten Standortvorschlag wieder ins Spiel gebracht.Von Marthalen aus ist dieser Standort zwar nicht zu sehen, dafür umso besser aus der deutschen Gemeinde Lottstetten. Mehr...

Zu dritt gegen «diktatorischen Plan»

Endlager Eine Nagra-freundliche und drei Endlager-kritische Organisationen stellten sich in Marthalen vor und diskutierten mit der Bevölkerung über das mögliche Tiefenlager für Atommüll im Zürcher Weinland. Mehr...

Nagra überrumpelt Rheinau und setzt sich dem Vorwurf der Salamitaktik aus

Endlager In den letzten paar Jahren glaubte man, das Tor zum Endlager würde unweit von Marthalen gebaut. Nun überrascht die Nagra mit einem weiteren Vorschlag, den die Region aber schon einmal abgelehnt hat. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!