Endlager

Nagra will der Erosion auf den Zahn fühlen

In Andelfingen, Kleinandelfingen und Marthalen liegen aktuell drei Bohrgesuche der Nagra zur Einsicht auf.In den Gesuchen geht es um einstige und zukünftige Eiszeiten.

Die Nagra bohrte bereits im Kanton Aargau: Etwa so würden die Bohrplätze auch im Zürcher Weinland aussehen.

Die Nagra bohrte bereits im Kanton Aargau: Etwa so würden die Bohrplätze auch im Zürcher Weinland aussehen. Bild: Nagra

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Die radioaktiven Abfälle sollen weit genug von der Erdoberfläche und damit von Mensch und Umwelt entfernt in einer sicheren Gesteinsschicht endgelagert werden – das ist das Grundprinzip eines geologischen Tiefenlagers. Das Lager muss für Hundertausende Jahre dicht bleiben.Doch die Gletscher künftiger Eiszeiten könnten dem Endlager von oben oder von der Seite gefährlich nahe kommen, den Sicherheitsabstand durch Erosion also verringern. Im Weinland, wo das Lager gebaut werden könnte, gruben die Gletscher früherer Eiszeiten bereits tiefe Täler in den felsigen Untergrund. Diese Rinnen füllten sich nach dem Abschmelzen der Eismassen mit Kies.

Drei Quartärbohrungen

Künftige Eiszeitgletscher würden dieses lockere Material allerdings mühelos wieder aus dem Weg räumen – wäre der Abstand zum eingelagerten Atommüll dann noch genügend gross? Um diese Frage zu beantworten, müssen die Tiefe, die Entstehung und das Alter dieser Rinnen genauer untersucht werden. Dazu plant die Nagra im Weinland für 2018/2019 drei Bohrungen, deren Gesuche noch bis zum 15. Mai öffentlich aufliegen. Der erste Bohrplatz läge bei Andelfingen über der sogenannten Andelfingen-Rinne, der zweite Platz bei Kleinandelfingen über der Marthalen-Rinne und der dritte bei Marthalen über der Rudolfingen-Rinne. Aus dem Wissen über diese drei unterirdischen Täler sollen Erosionsszenarien für die Zukunft abgeleitet werden.

Nagra sieht keine Risiken

Die tiefste Gletscherrinne verläuft unter dem Thurtal. Der Nagra-Bohrplatz dort läge im Niederfeld, ganz in der Nähe des kantonalen Ausbildungszentrums Andelfingen (AZA). Die Tiefe der Andelfingen-Rinne wird auf rund 300 Meter geschätzt – etwa so tief soll auch die Bohrung reichen. Über die ganze Tiefe wird ein Bohrkern entnommen, sodass ein Querschnitt durch alle Sedimentschichten entsteht. Aus dem Kern werden dann Proben genommen und im Labor untersucht.

«Es müssen voraussichtlich nur vier Bäume gefällt werden.»Aus dem Nagra-Bohrgesuch (Kleinandelfingen)

Der Andelfinger Bohrplatz läge in der Landwirtschaftszone und würde etwa 600 Quadratmeter benötigen. Der Turm des Bohrgeräts wäre bis 14 Meter hoch, das Gerät würde von einem Dieselmotor angetrieben. Vier bis fünf Arbeitswochen sind für die Bohrung vorgesehen. In dieser Zeit enthalten sind auch die Auf- und Rückbauarbeiten. Der Bohrbetrieb fände ab Montag 6 Uhr bis Samstag 18 Uhr rund um die Uhr statt. Zum Schutz diverser Wildtiere werden die Arbeiten zwischen August und Februar durchgeführt. Für den Auf- und Abbau rechnet die Nagra mit je rund sechs LKW-Hin- und Rückfahrten während etwa fünf Tagen. Bei der Bohrung selber soll es nur ganz wenige Fahrten geben. Der entstehende Lärm sei vergleichbar mit normalem Baustellenlärm. Ob Lärm, Licht, Grundwasser, Abwässer, Abfälle und Naturschutz: Die Nagra sieht weder in Andelfingen noch an den beiden anderen Bohrstandorten irgendwelche Risiken für die Umwelt. Wo nötig, sollen die gesetzlichen Vorgaben mit technischen Massnahmen eingehalten werden.

Die Bohrung bei Kleinandelfingen über der Marthaler-Rinne läge im Wald und würde vermutlich etwa 270 Meter in die Tiefe reichen. Der Grossteil des Bohrplatzes läge auf einem Waldweg, im relativ lichten Wald selber müssten laut Nagra nur vier Bäume gerodet werden.

Bei Marthalen über der Rudolfingen-Rinne schliesslich würde rund 70 Meter in die Tiefe gebohrt. Der dortige Bohrplatz läge wie in Andelfingen auf Landwirtschaftsland. (Landbote)

Erstellt: 26.04.2018, 15:05 Uhr

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