Flaach

Neue Mehrheit kippt Grünabfuhr

Abfuhr für die Grünabfuhr: Die Mehrheit der Flaacher Stimmberechtigten hat die Einführung einer Grünabfuhr an der Gemeindeversammlung abgelehnt. Eine andere Mehrheit stimmte im Dezember noch dafür.

Fast 300 Stimmberechtigte kamen in die Worbighalle. Foto: M. Brupbacher

Fast 300 Stimmberechtigte kamen in die Worbighalle. Foto: M. Brupbacher

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Das ist Basisdemokratie!», sagte Flaachs Gemeindepräsident Walter Staub erfreut ins Mikrofon. Die akustische Unterstützung war nötig, weil die Gemeindeversammlung vom Mittwochabend ausnahmsweise in der grossen Worbighalle stattfand – mit 291 anwesenden Stimmberechtigten. Dies entspricht knapp 30 Prozent aller Stimmberechtigten von Flaach.

Zum Vergleich: Die Rechnungsgemeindeversammlungen der letzten drei Jahre wurden nur von rund 50 bis 60 Flaacher Stimmbürgern besucht. An der letzten Gemeindeversammlung im Dezember 2018 waren gerade einmal 40 Bürger anwesend.

Nur zwölf Ja-Stimmen

Und diese Bürger stimmten damals mit 23 Ja- zu 11 Nein-Stimmen für die Einführung einer Grünabfuhr. Doch das gefiel der abwesenden Mehrheit nicht, sodass über 200 Unterschriften für eine Einzelinitiative gesammelt wurden mit der Forderung: Die Grüngutabfuhr soll gleich wieder abgeschafft und die bestehende Grüngutsammelstelle beibehalten werden.

Über diese Initiative also stimmten die fast 300 anwesenden Flaachemerinnen und Flaachemer am Mittwoch in der Worbighalle ab. Das Resultat fiel für die Befürworter der Grünabfuhr verheerend aus: 266 Personen stimmten dagegen und nur 12 dafür; 8 Stimmberechtigte enthielten sich. Somit hat eine neue Mehrheit den Beschluss der Gemeindeversammlung vom Dezember umgestossen.

Kein Votum für Grünabfuhr

Warum ist die Grünabfuhr in Flaach mehrheitlich unerwünscht? Vor der Debatte und der Abstimmung begründete einer der Initianten die ablehnende Haltung. Die momentane Situation mit der Grüngutsammelstelle sei sehr gut, kostendeckend und ökologisch.

Letzteres, weil eine in Flaach ansässige und hier Steuern zahlende Firma das Grüngut abholt und verarbeitet. Damit würden auch Arbeitsplätze im Dorf bleiben. Und das mit dem Verursacherprinzip «wäre lösbar», fand der Bürger.

Heute bezahlt jeder Haushalt eine gleich hohe Grundgebühr – egal, wie viel zu entsorgendes Grüngut jemand verursacht. In Flaach sind rund zwei Drittel der Haushalte Einfamilienhäuser, die oft einen Garten haben. Dieser Personenkreis profitiert von der heutigen, mengenunabhängigen Gebühr. So kann jemand also viel Grüngut in der Sammelstelle abladen, ohne extra dafür bezahlen zu müssen. Gleichsam bestraft werden so die Mieter ohne Garten. Der Bund empfiehlt eine möglichst verursachergerechte Grüngutentsorgung.

In der nur zehnminütigen Debatte wurde rasch deutlich, dass die Meinungen bereits gemacht waren. Neun Personen meldeten sich zu Wort, wobei sich niemand für die Grüngutabfuhr mit einer mengenabhängigen Gebühr aussprach. Ein Bürger rief die anderen dazu auf, das rückgängig zu machen, «was da dummerweise passiert ist am 5. Dezember». Ein anderer Flaachemer fand, dass man alles beim Alten belassen solle. Er wohne seit 20 Jahren in Flaach und könne seither den Rasenschnitt «wunderbar entsorgen». Für dieses Votum gab es starken Applaus.

Etwas verursachergerechter?

«Wir haben den Auftrag erhalten», sagte Gemeindepräsident Staub nach der verlorenen Abstimmung. Er hoffe, dass an der nächsten Gemeindeversammlung im Dezember ebenso viele Leute erscheinen.

Dann wird der Gemeinderat eine neue Abfallverordnung ohne Grüngutabfuhr vorlegen. Allenfalls legt er zwei Varianten zur Abstimmung vor. Denkbar sind laut Staub Anpassungen in Richtung einer teilweisen mengenabhängigen Gebühr. (Der Landbote)

Erstellt: 06.06.2019, 17:49 Uhr

Artikel zum Thema

Entscheide an der Urne wären besser

Kommentar Regionalredaktor Markus Brupbacher über das Nein an der Flaacher Gemeindeversammlung in der Frage, ob man die Grünabfuhr einführen will. Mehr...

Artikel zum Thema

Grüngut führt zu leicht roten Köpfen

Flaach Die Weinländer Gemeinde Flaach richtet eine Grünabfuhr ein. Doch dem Entscheid vom Mittwoch ging eine intensive Debatte voraus. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben