Henggart

«Neunzig Prozent sind Marketing»

Der international gefragte DJ und Produzent Mr.Da-Nos (36), ein Seuzacher, legt am Jubiläumsfest des TV Henggart auf. Dann geht es nach Ibiza und mit dem Lovemobile an die Street Parade. Sein Erfolg habe viel mit Marketing zu tun, erklärt er.

Der Seuzacher DJ und Produzent Mr.Da-Nos hat bereits über 550 000 Tonträger verkauft.

Der Seuzacher DJ und Produzent Mr.Da-Nos hat bereits über 550 000 Tonträger verkauft. Bild: zvg

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Wie fühlt es sich an, vor einer riesigen Crowd zu stehen?
Mr.Da-Nos (Roland Bunkus): Super, aufregend! Der Höhepunkt ist, wenn deine eigenen Songs, die du produziert hast, mitgesungen werden.

Hat man immer die gute Laune, die die Fans von einem erwarten?
Nein, aber sobald ich die Bühne betrete, und die Leute positiv auf mich zukommen, reissen sie mich mit. Das ist mein Rezept, damit ich selber gut drauf bin. Ein richtiger Stimmungskiller war aber, als das gesetzliche Rauchverbot in den Clubs kam. Da gehen die Leute im 15-Minuten-Rhythmus weg und das killt die Stimmung — bis heute.

Hat sich für dich beruflich etwas verändert, seit du Vater bist?
Nein, ganz im Gegenteil, ich habe noch nie so Gas gegeben mit dem Anreissen von Projekten wie in den letzten sechs Monaten. O jetzt muss ich überlegen, was ich sage. Doch eigentlich schon, das Planen muss gut funktionieren, man muss eine gute Frau an der Seite haben. Und ich denke strategischer und überlege zweimal, ob etwas Sinn macht.

Du verwendest in deinem Fact-Sheet ausgesprochene Marketing-Begriffe, bezeichnest dich als Opinion Leader und benennst die soziodemografischen Merkmale deiner Zielgruppe. Hast du eine Wirtschaftsausbildung?
Ja, das stimmt. Letztes Jahr habe ich den Marketingleiter abgeschlossen und studiere jetzt im Executive MBA Wirtschaftspsychologie in Zürich. Wenn du im Jahr 2017 Sänger, Rapper oder Musiker bist, dann sind 90 Prozent Marketing und 10 Prozent Performance, dass muss man klar sehen. Die Musik hat keine Nachhaltigkeit, keinen Wert mehr, deshalb musst du dich stärker um einen effektvollen Auftritt kümmern.

Du hast auffallend viele Sponsoring-Engagements.
Ja, und das ist mein Alleinstellungsmerkmal unter den DJs. Das führt zu speziellen Auftritten und vielen Interview-Anfragen, zum Beispiel von der HSG St. Gallen oder für wissenschaftliche Arbeiten, die mit Selbstmarketing zu tun haben. Viele bekannte Brands und Sponsoren möchten mich als Plattform gewinnen; wenn ich den Brandlöscher-Song für Appenzeller Bier live performe, dann ist das ein ganz starkes Testimonial, das andere, sogar am Anlass vorhandene Biermarken, übersteuert.

Ist das unter anderen Musikern nicht etwas verpönt?
Schon — 99 Prozent der Anderen wollen cool und unkommerziell bleiben, aber ich mache Musik fürs Volk und nicht nur für eine kleine Szene, die nach zwei, drei Jahren wegstirbt. Schliesslich performe ich erfolgreich schon seit mehr als 20 Jahren. Da habe ich schon viele kommen und gehen sehen. Sicher, ich muss mich mit den Produkten identifizieren, um glaubwürdig zu sein. Aber egal, wo du hingehst, es ist doch alles gebrandet und gesponsert.

Seit 21 Jahren hast du einen eigenen Wagen an der Street Parade. Wie klappt das finanziell?
Über die Jahre hinweg weiss ich inzwischen, wie die finanzielle Ausgangslage ist: 300 Leute können auf den Wagen, sie zahlen 180 Franken für ein Ticket. Man glaubt es nicht, aber trotz Getränkeverkauf und Sponsoren verdient man nichts dran. Wir machen das «just for fun».

Mr.Da-Nos ft. Patrick Miller & Fatman Scoop - I Like To Move It. Quelle: Youtube

Aber spürst du solche Auftritte an deinen Albumabverkäufen, wobei das letzte Album ja zwei Jahre zurückliegt?
Nein. Alle machen nur noch Singles, Alben werden nicht mehr gross gekauft. Seitdem einzelne Songs gestreamt werden, konzentriert man sich auf die Singles für die Playlists. Das gilt für fast alle Genres.

Wo siehst du deine Zukunft?
Man muss stilistisch vielfältiger sein und innovativ bleiben. Der Filmsoundtrack war schon eine interessante Arbeit. Ein weiteres spannendes Projekt startet im September mit DJ und Band für die Ohlala-Zirkus-Show.

Wenn wir schon beim Marketing sind: Gibt es ein Ausstiegsszenario?
Ich frage mich das auch immer. Wie lange noch, wie weit noch? Es gibt zwei Faktoren: So lange es mir Spass macht, die Leute zu unterhalten, mache ich weiter. sonst sieht man es einem auch an. Und ausserdem muss die Nachfrage nach meiner Musik und DJ-Shows da sein; das ist psychologisch wichtig für mich.

Und was ist dein Programm in Henggart?
Das Programm ist Vollgas! Ich will einen guten Eindruck hinterlassen und die Leute mitreissen, sonst habe ich selbst ein schlechtes Gewissen. (Landbote)

Erstellt: 20.07.2017, 13:29 Uhr

Mr.Da-Nos

100 Jahre TV Henggart

Samstag, 26. August, ab 20 Uhr, Festzelt Schulanlage Henggart. Eintritt: 15/10.

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