Rheinau

Neuzeitliche Jäger und Sammler

Schatzsucher im Dienste der Wissenschaft – ehrenamtliche Mitarbeiter der Kantonsarchäologien Zürich und Schaffhausen trafen sich auf der Klosterinsel zum Gedankenaustausch.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Erwin Lori aus Watt staunte nicht schlecht als sich das golden glänzende Ding, welches er zuerst für einen profanen metallenen Getränkedeckel hielt, als eine Münze aus der Spätrömerzeit entpuppte. Der Zürcher Stadtpolizist war einer von 15 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die der Einladung zum dritten Ehrenamtlichentag der Kantonsarchäologien Zürich und Schaffhausen gefolgt waren.

Seit 2013 beschäftigt die Zürcher Kantonsarchäologie ehrenamtliche Mitarbeiter, die in ihrer Freizeit in enger Absprache mit der Kantonsarchäologie vor Ort ein Auge auf mögliche interessante Gebiete haben. «Das Interesse an der Mitarbeit ist sehr gross», erzählt Patrick Nagy, Fachverantwortlicher Urgeschichte und Prospektion. Er führt die «Bewerbungsgespräche» durch. «Motive, wie beispielsweise, Schatzsucher sein zu wollen, regelmässiges Spazieren mit dem Hund oder Beschäftigungsprogramm für Kinder reichen leider nicht aus», winkt Nagy ab. Es braucht Ausdauer und die Bereitschaft, sich vertieft mit Geschichte zu befassen und vorgegebenen Richtlinien korrekt einzuhalten

Ohne Metalldetektor

Die Suche nach verborgenen Schätzen findet zum Missfallen der Archäologen oft mit Metalldetektoren und illegal statt. Dies ist nicht immer ganz unproblematisch. «Wer den Fokus nur auf die Metallsuche legt, verpasst oft etwas. Es gilt auch auf die unmittelbare Umgebung zu achten», so Patrick Nagy. Nicht immer sei es einfach eine Fundstelle zu erkennen.

Genau dies übten die freiwilligen Helfer an diesem Tag auf den das Kloster umgebenden, umgepflügten Feldern. Die Bedingungen waren perfekt. Das Licht nicht zu grell, der Boden von Regen und Schnee ausgewaschen. Dabei sei nicht die Menge, sondern die Qualität der gefundenen Ware ausschlaggebend, betont Nagy. Seit die Kantonsarchäologie auf diese Art der Bevölkerungsmithilfe setzt, seien weitere Fundstellen, die von der Urgeschichte bis in die Neuzeit reichen, gefunden worden. Ob Tonscherbe oder Metallgegenstand –jedes Objekt erzählt die Geschichte aus der Vergangenheit.

Die Anwesenden tauschen fleissig ihre Erfahrungen aus. So entdeckte beispielsweise Ulrich Güller aus Otelfingen, dessen Vater bereits Prospektor im Namen der Geschichte war, wiederholt im Furttal verschiedene Münzen. Die Kantonsarchäologie beschäftigt sich mit der Zeit bis 1945. «Gerade Münzen und deren Entwicklung geben uns oftmals wichtige Hinweise zur geschichtlichen Entwicklung einer Siedlungslandschaft», erklärt Nagy. Wenn nun bald der Spatenstich für die neue Doppelturnhalle in Otelfingen stattfindet, ist auch Güller vor Ort und wirft einen genauen Blick in die Baggerschaufeln und auf den Boden.

Raubgrabung ist illegal

Mit Sorge beobachten die Archäologen die immer öfters festgestellten Raubgrabungen, bei welchen sich illegale Schatzsucher rücksichtslos durch die Spuren unserer Vergangenheit wühlen. Ausserdem gehören gefundene Objekte gemäss ZGB § 724 immer dem Kanton.

In der Natur- und Heimatschutzverordnung wird zudem festgehalten, dass man für die gezielte Suche nach archäologischen Fundstellen und Funden eine Bewilligung der Baudirektion benötigt.

Erstellt: 14.03.2016, 15:01 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.