Endlager

Protest erhöht Sicherheit für Schüler

Die Nagra will dieses Jahr bei Marthalen direkt neben dem Schulradweg in die Tiefe bohren.

Direkt neben Schulradweg Rheinau–Marthalen will die Nagra in die Tiefe bohren.

Direkt neben Schulradweg Rheinau–Marthalen will die Nagra in die Tiefe bohren. Bild: Madeleine Schoder

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Noch in diesem Jahr wird die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) westlich von Marthalen in die Tiefe bohren, um die Gesteinsschichten im Untergrund näher zu untersuchen. An acht Orten im Weinland wird die Nagra solche Tiefbohrungen durchführen. Die Bewilligung für die Marthaler Bohrung hat die Nagra zwar bereits. Doch weil es wegen der geplanten Verkehrserschliessung des Bohrplatzes zu Protest gekommen war, musste die Nagra zusätzlich ein Verkehrskonzept ausarbeiten.

Der Streitpunkt: Die Nagra will direkt neben dem Schulradweg Rheinau–Marthalen bohren, der von den Rheinauer Sekundarschülerinnen und -schülern vier Mal pro Schultag befahren wird. Vor allem der Lastwagenverkehr zum Bohrplatz weckte Befürchtungen um die Sicherheit der Schüler.

Das Nagra-Konzept liegt noch bis am 17. Mai öffentlich auf. Das bedeutet, dass bis zu diesem Datum beim Bundesamt für Energie Einsprache gegen das Verkehrskonzept erhoben werden kann.

«Nicht akzeptabel»

Zu emotionalen Voten wegen des Marthaler Bohrplatzes kam es bereits im November 2016. Damals stellte die Nagra in Trüllikon ihre acht Bohrgesuche der Weinländer Öffentlichkeit vor. Und auch in den anschliessenden Einsprachen gegen die Bohrgesuche zeigte sich der Protest: Von den knapp 100 Einsprachen gegen die acht Gesuche entfielen allein 24 auf den Marthaler Bohrplatz. Auch der Gemeinderat Rheinau und die Sekundarschulgemeinde Kreis Marthalen erhoben Einsprache.

Die von der Nagra geplante Verkehrsführung sei «nicht akzeptabel», schrieb der Rheinauer Gemeinderat. Der Schulweg auf der Nebenstrasse (Radhofstrasse/Radstrass) zwischen Rheinau und Marthalen sei in den 1970er-Jahren als verbindlich erklärt worden. Dies, nachdem ein Sekundarschüler auf einer anderen Route tödlich verunglückt war. Ursprünglich wollte die Nagra den Lastwagenverkehr ab dem Autobahnanschluss Benken zuerst Richtung Rheinau und dann vom Galgenbuck aus auf die Radhofstrasse/Radstrass zum Marthaler Bohrplatz leiten.

50 Lastwagen pro Woche

Aufgrund des Protests forderte das Bundesamt für Energie im August 2018 von der Nagra, zusammen mit den betroffenen Gemeinden ein Erschliessungs- und Verkehrssicherheitskonzept zu erarbeiten. Die Bedürfnisse der Sekundarschule seien dabei gebührend zu berücksichtigen. Bereits im November 2017 fand der «Landbote» heraus, dass die Idee einer alternativen Route für die Lastwagen diskutiert wurde. Diese Alternativroute ist nun tatsächlich die wesentliche Änderung im Nagra-Verkehrskonzept. Die Route führt ab dem Autobahnanschluss Trüllikon über Oerlingen und die Marthaler Südumfahrung zur Chinzentrass und von dort hoch zum Bohrplatz. Ursprünglich war dieser Weg nur für Personenwagen, die zum Bohrplatz fahren, gedacht.

Für die Sondierbohrung in Mar­tha­len (rote Fläche) liegt das Verkehrskonzept auf. Der Waldweg Chinze (blau) wird zur LKW-Piste und erhält eine Lichtsignalanlage. Zum Wenden fahren die Sonder­transporte nach Rheinau (orange). Karte: Google MyMaps/far

Die Nagra rechnet mit 50 Lastwagen pro Woche und 75 Personenwagen pro Tag während des etwa zwei Jahre dauernden Bohrbetriebs. Der meiste Lastwagenverkehr wird es beim Auf- und Abbau des Bohrplatzes geben. Weil es auf der Chinzenstrass eine enge, steile Passage gibt, werden die vereinzelten übergrossen Lastwagen für den An- und Abtransport des Bohrturms und der Container ausnahmsweise über die Route via Rheinau geleitet. Diese grossen Fahrzeuge werden beim Hallenbad Rheinau wenden und dann Richtung Marthaler Bohrplatz fahren. Solche Transporte sollen ausserhalb der Schulblockzeiten oder, wenn dies nicht möglich ist, mit einer Sicherheitsbegleitung stattfinden. Bei viel Schnee auf der Strasse dürfen auch die übrigen, normalgrossen Lastwagen diese Route ausnahmsweise benutzen.

Ampeln und Radweg geplant

Bei der steilen Passage auf der Chinzenstrass handelt es sich um einen ehemaligen Prallhang eines alten, nicht mehr existierenden Flussarms der Thur. Der Höhenunterschied beträgt dort rund 25 Meter. Der Strassenabschnitt liegt im Wald und ist nicht nur steil, sondern auch eng und unübersichtlich. Damit auch Lastwagen dort durchfahren können, ist eine Lichtsignalanlage geplant. Zudem sollen auf der gesamten Chinzenstrass vier Ausweichstellen gebaut werden, sodass die Fahrzeuge kreuzen können. Damit die Fahrzeuge keinen Staub aufwirbeln, wird die kiesige Oberfläche der Chinzenstrass mit einem Bindemittel behandelt. Ab der Einmündung der Chinzenstrass in die Radstrass bis zum Bohrplatz sind zudem ein Radweg und -streifen geplant. Und schliesslich wird auch ein Stück Wanderweg umgeleitet. All diese baulichen Massnahmen sind vorübergehend und werden somit nach der Tiefbohrung zurückgebaut.

Informationsabend im Mai

Über die Anliegen der Marthaler Sekundarschule habe man sich mit der Nagra «grundsätzlich einigen können», schreibt die Schulpflege auf Anfrage. Die Nagra habe «von sich aus» die Absicht bekundet, auch den Lastwagenverkehr über die Chinzenstrass zu führen. Die Sek-Schüler und ihre Eltern werden am 9. Mai an einer Veranstaltung über das Nagra-Verkehrskonzept informiert (19 Uhr, Sekundarschule Kreis Marthalen).

Ist auch der Gemeinderat Rheinau mit dem Konzept zufrieden? Der Rat werde aller Voraussicht nach erst nach der Veranstaltung der Sekundarschule entscheiden, teilt Gemeindepräsident Andreas Jenni mit.

Keine Temporeduktion

Auf dem etwa 500 Meter langen Strassenabschnitt zwischen der Einmündung der Chinzenstrass in die Radstrass bis zum Nagra-Bohrplatz wurde eine vorübergehende Geschwindigkeitreduktion von 80 auf 60 Kilometer pro Stunde (km/h) geprüft – und verworfen. Die Begründung: Die Fahrzeuge der Nagra, insbesondere die Lastwagen, würden auf der kurzen Strecke die Geschwindigkeit von 80 km/h «kaum erreichen», wie es im Verkehrssicherheitskonzept heisst. Eine Reduktion der Geschwindigkeit würde vielmehr die bisherigen Nutzer der Radstrass betreffen. Von ihnen dürfe allerdings erwartet werden, dass sie die Geschwindigkeit «situationsbedingt anpassen». Allerdings soll die Geschwindigkeit permanent gemessen und den Fahrern zur Sensibilisierung angezeigt werden. Auch könne die Signalisation «Schüler – freiwillig 60» geprüft werden. (Landbote)

Erstellt: 09.04.2019, 18:54 Uhr

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