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Radfahrer nach Unfall querschnittgelähmt, Autofahrer schuldig gesprochen

Ein Radrennfahrer verunfallte 2015 nach einem Überholmanöver eines Autofahrers schwer. Obwohl es zu keiner Berührung kam, wurde der Angeklagte verurteilt.

Am Donnerstag behandelte das Bezirksgericht Andelfingen den tragischen Unfall, der sich im Mai 2015 ereignete.
Am Donnerstag behandelte das Bezirksgericht Andelfingen den tragischen Unfall, der sich im Mai 2015 ereignete.
Heinz Diener

Weder der Angeklagte noch der Geschädigte konnten sich an den fatalen Unfall im Mai 2015 er­innern. Das Bezirksgericht Andelfingen musste sich am Donnerstag also mit einer komplexen Ausgangslage beschäftigen. Der Angeklagte, ein 60-jähriger Familienvater, war in einem Auto mit Anhänger zwischen Andelfingen und Flaach unterwegs.

Vor ihm fuhr in gleicher Richtung das spätere Unfallopfer auf seinem Rennrad. In einem Waldstück setzte der Autofahrer zum Überholen an. Ein entgegenkommendes Fahrzeug, vom Angeklagten erst spät gesehen, musste ausweichen. Der Angeklagte seinerseits schwenkte nach dem Überholmanöver abrupt wieder auf seine Spur ein.

Der Radrennfahrer verlor kurz darauf die Kontrolle über sein Gefährt und stürzte eine ­Böschung hinunter. Der Beschuldigte bemerkte den Unfall nicht und fuhr weiter. Erst später erfuhr er, was passiert war. Der Radrennfahrer verletzte sich beim Unfall schwer.

Täglich grosse Schmerzen

Er selber sei keiner, der schnell Auto fahre, gab der Angeklagte zu Protokoll. «Ausserdem bin ich oft mit dem Fahrrad unterwegs.» Er konnte damals demnach einschätzen, dass der Abstand zum Fahrrad ausreichend war. Auch hätte er nach dem Überholen den Velofahrer im Rückspiegel ge­sehen. Anschliessend sei er weitergefahren.

«Von der Unfallfahrt weiss ich nichts mehr.»

Der nun querschnittgelähmte Velofahrer

Anschliessend schilderte der Verunfallte seine Situation: «Ich bin seit dem Unfall querschnittgelähmt.» Nur schon aus dem Bett zu kommen, sei ein «Chrampf». In seiner Bewegung sei er stark eingeschränkt, zudem sei er jeden Tag starken Schmerzen ausgesetzt. «Die Rippen sind einfach irgendwie zusammengewachsen», sagte er. Die Situation sei bleibend, für immer werde er an den Rollstuhl gefesselt sein. Erst an die Zeit im Spital, rund sieben Wochen nach dem Unfall, könne er sich erinnern. «Von der Unfallfahrt weiss ich nichts mehr.»

Er selber war ein eifriger Velofahrer. In den letzten drei Jahren vor dem Unfall fuhr er rund 77 000 Velokilometer. Gestürzt sei er in all den Jahren nur ein einziges Mal. Damals hatte ihm ein Autofahrer den Vortritt genommen.

Ein Lastwagenfahrer, welcher hinterherfuhr, war der einzige Zeuge des Überholmanövers und des Unfalls. Er gab seine Beobachtungen schon 2015 der Staatsanwaltschaft und der Polizei zu Protokoll. Aus seiner Sicht war es ein «normaler Überholvorgang». Auch konnte er nicht erkennen, dass der Anhänger den Radfahrer touchierte.

Gemäss seinen Beobachtungen verlor der Radrennfahrer unmittelbar nach dem Überholmanöver die Kontrolle über sein Fahrrad und stürzte die Böschung hinunter. Weshalb es zum Sturz kam, konnte der Zeuge nicht beurteilen.

26 400 Franken Geldstrafe

Das Gericht folgte in seinem Urteil grösstenteils den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte wurde unter anderem der fahrlässigen schweren Körperverletzung und der vorsätz­lichen groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen.

Für den Schuldspruch reicht es, wenn ein Auto so überholt, dass ein langjähriger Velofahrer erschrickt und infolgedessen stürzt

Die Geldstrafe wurde auf 26 400 Franken, bedingt, festgelegt. Zusätzlich wurden ihm eine Busse von etwas mehr als tausend Franken, Gerichtsgebühren sowie Kosten für Untersuchungen auferlegt. «Eine Berührung zwischen Fahrzeug und Fahrrad ist nicht nachgewiesen», führte Richter Lorenz Schreiber aus. Dies sei aber auch nicht nötig.

Für den Schuldspruch reicht es, wenn ein Auto so überholt, dass ein langjähriger Velofahrer erschrickt und infolgedessen stürzt. Die Wahrscheinlichkeit sei verschwindend klein, dass eine andere Ursache den Sturz ausgelöst habe. Der Beschuldigte habe den Unfall durch zu wenig Vorsicht ausgelöst. «Es ist passiert, was jedem von uns auch passieren könnte», sagte er .

Doch könne dies nicht davon entbinden, sich an die Verhältnisse im Verkehr anzupassen. Abschliessend sprach er von einer belastenden Situation für alle Beteiligten. Trotz allem sei es die Pflicht des Gerichtes, den Fall juristisch zu beurteilen.

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