Andelfingen

Raser fuhr 150 Stundenkilometer auf Landstrasse

Die bedingte Freiheitsstrafe ist nicht die schmerzhafteste Folge für den Angeklagten.

Ein junger Mann war auf einer Landstrasse mit 150 statt der erlaubten 80 km/h unterwegs.

Ein junger Mann war auf einer Landstrasse mit 150 statt der erlaubten 80 km/h unterwegs. Bild: mad (Symbolbild)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Etwas Gedankenverloren sei er unterwegs gewesen, sagte der Angeklagte im Andelfinger Bezirksgericht aus. Er kam von einem Arztbesuch, seit einem Bandscheibenvorfall plagen ihn Rückenschmerzen.

Nun legt ihm der Arztbesuch eine Kortisonbehandlung nahe, eine Behandlung, die er von seiner Mutter kannte und nicht in guter Erinnerung hat. Mit solchen Gedanken beschleunigte er bei Rudolfingen aus dem Kreisel heraus auf die Landstrasse in Richtung Benken. Eine eine Strecke, auf der eine Geschwindigkeit von 80 erlaubt wäre. Er fuhr 150 Stundenkilometer. Eine Fahrt mit Folgen für den Kundenmaurer aus Deutschland.

Dreizehn Monate bedingt

In einem abgekürzten Verfahren wie diesem akzeptiert der Angeklagte den Vorschlag der Staatsanwaltschaft bereits im Vorfeld. Das Strafmass kam also nicht überraschend. Der Richter bezeichnete es als dem Fall angemessen.

«Seinen Gedanken nachzuhängen ist keine Entschuldigung, für solche übertriebene Geschwindigkeiten.»Richter,
Bezirksgerichts Andelfingen 

Dreizehn Monate auf Bewährung mit einer Probezeit von zwei Jahren. Aber viel tiefer geht es nicht: die Mindeststrafe liegt bei zwölf Monaten. Die wirkliche Strafe für den Angeklagten scheint aber woanders zu liegen, ausserhalb der Entscheidungsmacht des Gerichts.

Kein Auto in nächster Zeit

Seinen Führerausweis hat der Angeklagte bereits abgegeben. Ob und wann er ihn aber wieder bekommt, entscheidet das Strassenverkehrsamt und kein Gericht. Dass er nun nicht Autofahren kann, hat spürbare Folgen für ihn.

Als Maurer wäre er nämlich auf ein Auto angewiesen. Wie sonst soll er das Material, das er im Laufe des Tages bei verschiedenen Kunden verbauen wird, zu den Baustellen kommen? Viele Fragen des Gerichts zielten darauf ab, wie abhängig er von seinem Führerausweis ist.

Fehlender Spielraum

Das ernüchternde Fazit: sehr. Er sei angewiesen darauf, von anderen gefahren zu werden, was einen Mehraufwand für alle bedeute. Diesen Zustand wolle sein Arbeitgeber wohl nur noch maximal vier Monate dulden. Erfahrungsgemäss sei aber in solchen Fällen ein Ausweisentzug von zwei Jahren üblich, sagte der Richter. Die Folgen: Ein wahrscheinlicher Jobwechsel.

In der Urteilsverkündung bedauerte der Richter den fehlenden Spielraum in solchen Raserfällen. Bei solchen krassen Geschwindigkeitsübertretungen sei das Strafmass sehr stark vorgegeben. Die Strafe sei angemessen. Auf den Ausweisentzug, der wohl «krassere» Auswirkungen habe als die eigentliche Strafe, könne das Gericht aber keinen Einfluss nehmen, sagte er.

Vernehmlassung erwartet

Der fehlende Spielraum der Gerichte in Raserprozessen beschäftigt auch das Bundesparlament. Nach einer Auswertung der Via-Secura-Gesetze, worauf die Raserprozesse beruhen, ist seit August 2017 eine Motion hängig.

Sie will bei Fahrlässigkeit einen Ermessensspielraum für den Richter einführen,, die Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr streichen und die Mindestdauer für den Führerausweisentzug reduzieren. Beide Räte haben die Motion angenommen, die Vernehmlassung zum konkreten Gesetzesentwurf wird in den nächsten Monaten erwartet.

Erstellt: 26.06.2019, 15:46 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!