200 Meter hoch

Riesige Windräder rücken näher

Der Kanton Schaffhausen denkt darüber nach, Grosswindanlagen zu bauen. Diese wären auch vom Weinland aus zu sehen – und doppelt so hoch wie das Sulzerhochhaus.

Das Wahrzeichen von Schaffhausen, der Munot, von Zürcher Boden aus gesehen. Am Horizont die neuen Windräder des deutschen Windparks Verenafohren.

Das Wahrzeichen von Schaffhausen, der Munot, von Zürcher Boden aus gesehen. Am Horizont die neuen Windräder des deutschen Windparks Verenafohren. Bild: Marc Dahinden

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Obwohl sie etwa zehn Kilometer von Feuerthalen entfernt sind: Die drei 200 Meter hohen Windräder nördlich von Schaffhausen prägen den Horizont über dem Hügelzug Randen. Sie stehen auf deutschem Boden und gehören zum Windpark Verenafohren, an dem auch zwei Schaffhauser Energieunternehmen beteiligt sind.

Nun arbeitet der Schaffhauser Regierungsrat an der rechtlichen Grundlage, damit solche Grosswindanlagen auch auf dem Schweizer Randen oder oberhalb von Stein am Rhein gebaut werden können. Dazu wird derzeit der kantonale Richtplan überarbeitet.

Eine «Verschandelung»

Feuerthalen liegt an der Nordspitze des Weinlandes, direkt gegenüber der Stadt Schaffhausen. Weder an einer Gemeinderatssitzung noch an einer Gemeindeversammlung seien die deutschen Windräder am Horizont je ein Thema gewesen, sagt Feuerthalens Gemeindepräsident Jürg Grau auf Anfrage.

«Die Schweiz ist als Windland international nicht ernst zu nehmen.»

Und er persönlich stört sich nicht daran. «Man kann nicht gegen alles sein», sagt der SVP-Mann und Präsident der Weinländer Endlager-Regionalkonferenz. Schliesslich müsse der Strom etwa für Elektroautos von irgendwoher kommen.

Weniger gelassen waren am Donnerstag die rund 100 Teilnehmer einer Veranstaltung in Schaffhausen. Organisiert hatte der Anlass die Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz (Aves). Es gab gut 30 Wortmeldungen. Der Gemeindepräsident von Ramsen (siehe Karte), der Präsident der Randenvereinigung und der Präsident einer Vereinigung gegen den geplanten Bau eines Windparks auf dem Schiener Berg bei Stein am Rhein argumentierten gegen Grosswindanlagen auf Schaffhauser Boden.

Sie alle befürchten eine «Verschandelung der Landschaft» und bezweifeln, dass an den vorgeschlagenen Standorten wirklich genügend Windpotenzial vorhanden ist. Die Randenvereinigung findet ausserdem, man solle stattdessen die energetische Gebäudesanierung vorantreiben.

Auf dem Randen könnte sich die Schaffhauser Regierung beim Siblinger Randenhaus und beim Hagenturm Grosswindanlagen vorstellen. Damit würden westlich des deutschen Windparks Verenafohren weitere, rund 200 Meter hohe Windräder in den Himmel ragen. «Für uns Schaffhauser ist der Randen ein Heiligtum», sagte Christian von Burg, Präsident der Schaffhauser Aves-Sektion.

«Wir werden erschlagen von diesen Rädern.»

Aves ist für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke. Von Burg war von 1996 bis 2011 Direktor von Stadtwerk Winterthur. «Die Schweiz ist als Windland international nicht ernstzunehmen.» Ohne die Subventionen der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) würden solche Grosswindanlagen in der Schweiz «erst gar nicht gebaut».

Die schöne, intakte Landschaft wie etwa des Randen sei eines der wichtigsten Güter, wichtig für die Lebensqualität. «Es ist ein Verhältnisblödsinn, das beste Gut, das Tafelsilber, dem aktuellen Zeitgeist zu opfern», meinte von Burg.

Direkt vor die Nase

«Was würden die Schaffhauser sagen, wenn die Zürcher auf dem Cholfirst solche Windräder aufstellen würden», fragte Ramsens Gemeindepräsident Josef Würms und gab gleich selber die Antwort: «Schaffhausen würde Sturm laufen.» Ramsen liegt neben dem geplanten Windpark Chroobach auf dem Schiener Berg. «Wir werden erschlagen von diesen Windrädern.»

Die meisten Einwände kämen aus dem nahen Deutschland, dem Gebiet um Singen. «Die haben das Recht, sich zu wehren.» Und Ramsen sei froh um die Hilfe von ennet der Grenze beim Kampf gegen die Windräder. «Man will sie ihnen direkt vor die Nase setzen.»

(Der Landbote)

Erstellt: 12.01.2018, 17:58 Uhr

Kanton Zürich

«Zürich ist kein Windkanton», lautet der erste Satz in einem kantonalen Bericht über das Windpotenzial im Kanton Zürich. Mögliche Standorte sind für den Richtplan daher nicht relevant.

Es gebe zwar ein Potenzial, doch bis 2050 dürften bloss vier bis sechs Grosswindanlagen realisiert werden. Vergleichsweise windreiche Lagen in der Region sind etwa der Cholfirst, Irchel, Stammerberg, die Erhebungen um Winterthur und natürlich die Höhenlagen im Tösstal.

Die EKZ führten 2015/2016 Windmessungen auf dem Cholfirst durch. Die Resultate wurden noch nicht publiziert. Derzeit planen die EKZ in Thundorf TG, östlich von Frauenfeld, einen Windpark.

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