Andelfingen

Salate mit Sonnenbrand, verdorrte Erbsen

Die hohen Temperaturen in diesem Monat haben in der Landwirtschaft zu grossen Ernteausfällen geführt.

Michael Balimann auf einem Feld bei Hegi, wo die Salatsetzlinge wegen der Trockenheit kaum gewachsen sind. Unten links: Zuckerhut mit durch die Hitze gebräunten Blatträndern. Rechts: Die Bewässerung der Felder, hier von Weisskabis, ist zeitintensiv.

Michael Balimann auf einem Feld bei Hegi, wo die Salatsetzlinge wegen der Trockenheit kaum gewachsen sind. Unten links: Zuckerhut mit durch die Hitze gebräunten Blatträndern. Rechts: Die Bewässerung der Felder, hier von Weisskabis, ist zeitintensiv. Bild: Marc Dahinden

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Der Salatkopf ist klein, die Blätter im Inneren haben braune Ränder. Die Pflanze hat unter der Hitze der letzten Wochen sichtlich gelitten. «Von einzelnen Salatsorten konnten wir in diesem Monat fünfzig bis siebzig Prozent weniger ernten», sagt Michael Balimann von der Thurtaler Gemüse AG. Rund um die Uhr werden die Salate bewässert, das Personal dafür wurde aufgestockt – trotzdem fallen die Erträge gering aus. Der Gemüseproduzent in Ellikon an der Thur ist nicht der einzige, der mit den hohen Temperaturen und der Trockenheit in diesem Juli zu kämpfen hat. Der Hitzemonat hat den Landwirten aus der Region zugesetzt und bei verschiedenen Gemüsesorten zu hohen Ernteausfällen geführt.

Die Situation ist noch nicht entschärft, auch wenn in den letzten Tagen einige Millimeter Regen gefallen sind. «Salate erholen sich recht schnell», sagt Balimann. Für diese sei das Wetter im Moment wieder im optimalen Bereich. «Wer aber andere Gemüse anbaut, der wird von dieser Regenmenge wenig entlastet.»

Missbildungen bei Kartoffeln

Das bestätigt Heinz Höneisen, Landwirt und Präsident der Landi Andelfingen. Er baut vorwiegend Kartoffeln an. Diese wachsen ab Temperaturen über 25 Grad kaum noch, oder es kommt zu Missbildungen, indem bestehende Knollen nicht mehr wachsen, sondern aus ihnen neue, kleine Knöllchen spriessen. «Hitzeperioden hat es immer gegeben. Neu ist meinem Eindruck nach aber, dass die Temperaturen derart hoch sind», sagt Höneisen. «Viele unserer Kartoffelsorten sind nicht für diese Hitze gemacht.»

Der Regen der letzten Tage habe zwar das Arbeiten draussen angenehmer gemacht. Damit das Wasser aber die Wurzeln der Kartoffelpflanze tatsächlich erreicht und es nicht an der Oberfläche verdunstet, müsste es mindestens drei Tage durchregnen.

Wo es möglich ist, bewässert Höneisen seine Kulturen. Das ist teuer und zeitintensiv: Die Bewässerung muss beaufsichtigt werden, die Pumpen müssen regelmässig verschoben werden, vielfach nachts. «Ich kam in den letzten Wochen nicht zu viel Schlaf», sagt Höneisen, der lachend gute Miene zum bösen Spiel macht. Seine Mitarbeiter zu Nachtschichten verdonnern wollte er bislang noch nicht. Und viele seiner Äcker liegen so, dass eine Bewässerung gar nicht möglich ist. Höneisen weiss: «Das wird die schlechteste Kartoffelernte, die ich je erlebt habe.»

Aber auch andere Gemüsesorten sind von der Hitze betroffen. «Ein Riesenproblem wird es bei den Rüebli geben», sagt Hön­eisen. «Um ab Oktober für den Winter ernten zu können, müsste man seit Ende Juni dringend ansäen. Wegen der trockenen Böden war das aber bis jetzt kaum möglich.» Die Bohnen hingegen blühten bloss und produzierten keine Früchte und die Erbsen verdorrten gleich an der Staude. «Normalerweise ist der Bruttoertrag von Erbsen etwa 4000 Franken pro Hektare», sagt Höneisen. «Im Moment kommen einzelne Landwirte nur auf 700.»

Sprinkler für die Schweine

Nicht nur die Pflanzen leiden unter der Hitze. «Sie ist ein Riesenstress für das Vieh», sagt Höneisen. Für seine beiden Muttersäue hat er einen Sprinkler installiert. «Je nach Stall muss man sogar aufpassen, dass es nicht zu Herzschlägen bei den Tieren kommt.» Und auch die Fütterung wird teuer: Die Weiden seien praktisch ausgetrocknet, viele Bauern müssten Futter zukaufen.

Positiv wirkte sich der trockene und heisse Juli immerhin auf die Getreideernte aus, wie Höneisen weiss. Für die Gemüseproduzenten in der Region gilt es derweil, weiter auf Regen zu warten. Am Montag soll das Thermometer allerdings bereits wieder auf 31 Grad klettern. (Landbote)

Erstellt: 30.07.2015, 20:57 Uhr

Klimawandel

Die Trockenheit des letzten Monats hat viele Landwirte in Bedrängnis gebracht. Solche kritischen Bedingungen werden aufgrund des Klimawandels in der Schweiz häufiger, teilt das eidgenössische Forschungsinstitut Agroscope mit. Dies belegten Berechnungen mit Klimamodellen. Anpassungen in der Landwirtschaft würden unumgänglich sein. So rät das Institut insbesondere zu einer Verbesserung der Bewässerungsinfrastruktur.

Agroscope zeigt zudem Massnahmen auf, welche die Abhängigkeit von der Bewässerung mindern könnten. Eine davon ist die grundsätzliche Umstellung auf Kulturen und Sorten mit einem kleineren Wasserbedarf und besserer Hitzetoleranz oder die Vorverschiebung der Wachstumsperioden in die kühleren Monate.

Andreas Rüsch vom Landwirtschaftskompetenzzentrum Strickhof bestätigt, dass der Klimawandel auch bei ihnen ein Thema ist. Er relativiert aber die Umsetzbarkeit der Massnahmen von Agroscope. Die Schwierigkeit sei weniger das wärmere Klima als vielmehr die Wetterschwankungen von Jahr zu Jahr. Während der letzte Sommer kühl und nass war, ist er dieses Jahr heiss und trocken. Damit umzugehen, das sei die Herausforderung.

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