Thalheim an der Thur

Bahnanschluss gerettet und 1000 Lastwagen verhindert

Der Bahnanschluss für die Getreidesammelstelle Thalheim bleibt erhalten. Die gefundene Lösung stimmt für SBB Cargo und die Sammelstelle – die grösste ihrer Art in der Schweiz.

Rechts ist der Bahnhof Thalheim-Altikon zu sehen, im Hintergrund die Getreidesammelstelle.

Rechts ist der Bahnhof Thalheim-Altikon zu sehen, im Hintergrund die Getreidesammelstelle. Bild: Marc Dahinden

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Dass der Bahnanschluss für die Getreidesammelstelle Thalheim nicht aufgehoben wird, ist nicht selbstverständlich. Denn der Bund verlangt von SBB Cargo, dass das Angebot eigenwirtschaftlich betrieben wird. Aus dem Grund überprüft das SBB-Tochterunternehmen jene Bahnanschlüsse, an denen zwei oder weniger Wagen täglich verkehren – wie bei der Sammelstelle beim Bahnhof Thalheim-Altikon.

«Es ist eine gute Lösung für beide Seiten.»Rolf Häusler, Geschäftsführer Getreidesammelstelle Thalheim

Bereits auf den Fahrplanwechsel 2011/2012 sind in der Region die Cargo-Bahnanschlüsse in Henggart, Marthalen, Elgg und Winterthur-Wülflingen wegen fehlender Rentabilität geschlossen worden. Davon betroffen waren vor allem Landwirte, die jeweils ihre Zuckerrüben per Bahn zur Zuckerfabrik Frauenfeld abtransportieren liessen.

Lange Verhandlungen

Seit letztem Jahr fragte der «Landbote» regelmässig bei der SBB-Medienstelle nach, ob der Entscheid zum Bahnanschluss für die Thalheimer Getreidesammelstelle bereits gefallen sei. «Leider gibt’s noch keine Neuigkeiten», hiess es zuerst wörtlich, dann mehrmals sinngemäss. Doch Anfang Juli teilte SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi erstmals mit: «Es zeichnet sich eine Lösung ab, noch sind jedoch die Unterschriften nicht gesetzt.» Im Herbst teilte er mit, dass die Diskussionen offenbar vorangeschritten seien. Und Anfang November war es dann soweit: «Thalheim wird weiterhin bedient.» Dass hinter den Kulissen um eine Lösung gerungen wurde, zeigt auch eine Aussage von Rolf Häusler, dem Geschäftsführer der Getreidesammelstelle Thalheim: «Der Einsatz und die Gespräche mit der SBB Cargo haben sich gelohnt!» Es sei eine «gute Lösung für beide Seiten». Weil die SBB nur noch zwei Tage pro Woche eine Lokomotive und Personal in Bereitschaft halten müsse, sei dies für SBB Cargo eine «deutliche betriebswirtschaftliche Verbesserung, ohne grössere Einschränkung für unseren Betrieb», erklärt Häusler. Die Getreidesammelstelle werde dienstags und donnerstags bedient. Bei Bedarf und einer Voranmeldung von 14 Tagen fahre die SBB auch freitags.

300 Tonnen pro Verladetag

Je nach Grösse der Getreideernte befördert die Thalheimer Sammelstelle zwischen 18000 und 24000 Tonnen pro Jahr, vorwiegend in die Swissmill nach Zürich. Pro Verladetag werden 300 Tonnen Getreide abtransportiert. Bei zwei Transporttagen pro Woche sind das 600 Tonnen, bei 50 Wochen im Jahr 30000 Tonnen – also genügend viele Verladetage, um alles Getreide per Bahn zu spedieren.

Schon mehrmals ausgebaut

Die Getreidesammelstelle Thalheim wurde 1964 in Betrieb genommen und ist die grösste in der Schweiz. Erst letztes Jahr weihte die Sammelstelle an einem Tag der offenen Tür neue Lagersilos für Getreide ein. Doch trotz dieses Ausbaus lief damals bereits die Diskussion über die mögliche Aufhebung des Anschlusses ans Bahnnetz. Die Getreidesammelstelle war schon früher mehrmals erweitert worden. Und seit 2018 ist sie durch den Bund der sogenannten Pflichtlagerhaltung unterstellt. Deshalb muss die Sammelstelle seit letztem Jahr mindestens 1000 Tonnen zusätzliches Pflichtlager für Getreide bereithalten. Damit kann sie seit Sommer 2018 gegen 30000 Tonnen Korn lagern.

Gegen den weiteren Abbau von SBB-Cargo-Bahnanschlüssen hatten sich 2018 drei Kantonsräte aus der Region gewehrt: Konrad Langhart (SVP, Stammheim), Martin Zuber (SVP, Stammheim) und Martin Hübscher (SVP, Wiesendangen). «Es werden laufend Standorte gestrichen, und dann wundert man sich, wenn die Umsätze zurückgehen», schrieben sie in ihrer Anfrage an den Regierungsrat.

Erstellt: 07.11.2019, 18:06 Uhr

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