Rhein

«Schlauchboote sollten in der Nähe des Ufers bleiben»

Madeleine Frigerio von der Schifffahrtsgesellschaft Züri-Rhy teilt den Fluss derzeit mit vielen Hobby-Böötlern.

Immer wieder wagen sich Schwimmende mit Schlauchbooten und Luftmatratzen auf den Rhein – das ist nicht ohne Risiko.

Immer wieder wagen sich Schwimmende mit Schlauchbooten und Luftmatratzen auf den Rhein – das ist nicht ohne Risiko. Bild: Archiv LB

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Frau Frigerio, auf dem Rhein sind wieder viele Schlauchboote und Luftmatratzen unterwegs. Wie ist das für Sie als Kapitänin eines grösseren Schiffs?
Wenn sich die Leute richtig verhalten, ist das kein Problem. Leider kommt es häufig vor, dass der Fluss unterschätzt wird. So kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen.

Was muss ich als Schlauchbootfahrer beachten, damit ich den Kursschiffen nicht in die Quere komme?
Schlauchboote oder Luftmatratzen sollten auf keinen Fall zusammengebunden werden. Denn so sind sie praktisch manövrierunfähig. Ich habe einmal erlebt, dass zwei solche Gefährte auf unterschiedliche Seiten ausweichen wollten. Vor meinem Schiff tauchte dann plötzlich eine Schnur auf. Zum Glück konnte ich noch knapp abbremsen, da ich flussaufwärts unterwegs war, sonst hätten sie womöglich eingefädelt. Flussabwärts hätte ich kaum rechtzeitig stoppen können. Die Bremswege sind dann viel länger. Aber auch bei Brückenpfeilern oder Pfählen geraten zusammengebundene Boote öfter in heikle Situationen, mit teilweise schlimmen Folgen.

Was gilt es sonst zu beachten?
Schlauchboote sollten in der Nähe des Ufers bleiben. Die Mitte des Flusses dient meist als Fahrrinne für grössere Schiffe. Ebenfalls zu beachten ist, dass man als Schwimmer ohne Badekappe oder Schwimmhilfe schwer zu sehen ist. Eine Schwimmhilfe hat weitere Vorteile: Bei Unterkühlung oder einem Schwächeanfall kann sie als Stütze dienen. Ein Problem ist Alkohol. Auf den Schlauchbooten wird teilweise viel getrunken.

«Kleinkinder mit Windeln gehören nicht in Schlauchboote.»Madeleine Frigerio, Kapitänin, Schifffahrtsgesellschaft Züri-Rhy

Sie sehen zwischen Eglisau, Tössegg und Ellikon bestimmt einige fragwürdige Situationen auf dem Rhein.
Ja, leider verhalten sich viele unverantwortlich: Gerade bei alkoholisierten Gruppen getraut man sich kaum etwas zu sagen. Ich wurde auch schon bedroht, als ich in der Tössegg eine Gruppe darauf hinwies, dass sie ihren Abfall mitnehmen soll. Da bleiben ja manchmal ganze Schlauchboote liegen. Und noch etwas: Meiner Meinung nach gehören Kleinkinder mit Windeln nicht in Schlauchboote. Denn die Windeln geben im Wasser zuerst Auftrieb, wodurch der Kopf nach unten gedrückt wird, danach füllen sie sich mit Wasser und ziehen nach unten. Ältere Kinder sollten unbedingt Schwimmwesten tragen.

Während der vergangenen Hitzeperiode war am Rhein aussergewöhnlich viel los.
Stimmt, und viele reisen mit dem Auto an. In der Tössegg hat es fast so ausgesehen, als hätten sie halb Zürich evakuiert. Dabei gäbe es auch mit dem öffentlichen Verkehr gute Möglichkeiten, zum Beispiel kann man sich mit dem Schiff ab Eglisau den Fluss hinauffahren lassen. Das ist übrigens auch bei grosser Hitze angenehm: Bei uns weht immer ein kühlender Fahrtwind. Schade, können wir das Naturschutzzentrum Thurauen nicht direkt anfahren.

Wieso das?
Es fehlt dort nach wie vor eine Anlegestelle. Das Gebiet ist mit dem öffentlichen Verkehr allgemein schlecht erschlossen. Wir würden es gerne anfahren. Gerade für Senioren oder Schulklassen wäre das sehr attraktiv. Denn heute liegt die nächste Schiffshaltestelle in Rüdlingen. Zu Fuss ist das circa eine halbe Stunde entfernt. Wir arbeiten derzeit an einer Lösung und sind deshalb auch in Kontakt mit «Zürcher Weinland».

Der vergleichsweise hohe Wasserstand der vergangenen Wochen war für Sie mit dem Passagierschiff kein Problem?
Nein, flussaufwärts brauchen wir zwar länger. Das gleicht sich auf dem Retourweg aber wieder aus. Im vergangenen Sommer haben wir aufgrund des damals tiefen Wasserstands Ellikon nicht mehr angefahren. Nicht weil es technisch nicht mehr möglich gewesen wäre. Im Flussbett war uns aber der Platz zu eng, um Schlauchbooten auszuweichen. Die Sicherheit geht immer vor.

Erstellt: 05.07.2019, 12:34 Uhr

Kapitänin Madeleine Frigerio hat auf dem Rhein schon öfter heikle Situationen beobachtet. (Bild: pd)

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