Volken

Schon die Urgrossmutter kaufte hier Eier und Äpfel

Seit hundert Jahren fährt die Familie Blapp von Volken zum Markt in die Stadt und bietet eigenes Obst und Gemüse an. Eine 17-Jährige begründete die Familientradition.

Maja und Samuel Blapp präsentieren Schaumwein aus Apfel- und Traubensaft an ihrem Marktstand in der Steinberggasse  Bild: Enzo Lopardo.

Maja und Samuel Blapp präsentieren Schaumwein aus Apfel- und Traubensaft an ihrem Marktstand in der Steinberggasse Bild: Enzo Lopardo.

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Auf einem Bauernhof steht man früh auf. Darum ist es für Samuel und Maja Blapp nichts Besonderes, wenn sie mit ihrem Gemüse in Volken um 6:15 Uhr losfahren müssen, um rechtzeitig auf dem Markt in der Steinberggasse einzutreffen.

Bereits eine halbe Stunde später bauen sie ihren Stand auf. Um sieben Uhr kommen die ersten Kunden. «Die Marktfahrer treffen gestaffelt ein. Das ist alles organisiert. Wir gehören zu denen, die spät an der Reihe sind», sagen die beiden. 

Vor hundert Jahren zog die 17-jährige Bauerntochter Ida Gisler mit einem Handwagen in Volken los. Barfuss und Stunden früher als die Blapps heute. Ida hatte Eier dabei, soviel ist sicher. Die junge Frau zog ihre Ware auf der Schotterstrasse fünf Kilometer weit bis nach Henggart zum Bahnhof.

Von dort fuhr sie mit dem Zug nach Winterthur zum Markt. Später heiratete sie, hiess Blapp, schaffte sich ein Fahrrad an und balancierte ihre Eier an der Lenkstange zum Bahnhof.

Das Angebot erweiterte sich, und bald fuhren die Blapps mit dem Pferdefuhrwerk in die Stadt, noch lange über Schotterstrassen. «Als das Nachbardorf Flaach anfangs der 1950er Jahre eine neue Kirchenglocke erhielt, war die Strasse noch nicht geteert», sagt Samuel Blapp. Seine Grossmuter Ida verkaufte noch bis in die 1970er Jahre in der Steinberggasse Gemüse und Obst. 

Sonnengereiftes Gemüse

Maja und Samuel Blapp betreiben ihren Stand bereits in der dritten Generation. Noch heute halten sie auf ihrem Hof Hühner und verkaufen eigene Eier. Sie pflanzen Obst und Gemüse an und züchten Bienen. 

 «Die Kunden sagen uns, dass das selbst angebaute Freilandgemüse besser schmecke als das Gemüse beim Grossverteiler»

Neben den Erzeugnissen, die sie direkt verkaufen, halten sie Mutterkühe und bauen Wein an. So sind sie nicht von einem Produkt allein abhängig. Dennoch haben sich mit der Zeit Gewohnheiten ergeben. So bauen die Blapps jeden Sommer Freilandtomaten an. Sie haben keine Plastiktunnels. «Dafür gibt es unsere Tomaten eben erst im Juli», sagt Maja Blapp.

Der Sommer 2018 brachte eine erstklassige Ernte und reife Tomaten bis in den Herbst hinein. Sie haben reissenden Absatz gefunden. «Die Kunden sagen uns, dass das selbst angebaute Freilandgemüse besser schmecke als das Gemüse beim Grossverteiler», sagt Maja Blapp. Auch das Obst. «Für den normalen Handel werden Äpfel drei Wochen bevor sie reif sind geerntet. Damit sie fest bleiben. Bei uns werden die Äpfel reif. Jede Sorte entwickelt ihren eigenen Geschmack.»

Salat aus der Kälte

Jetzt im Januar sieht der Markt bei Kälte, Schnee und Nässe etwas verloren aus. Gerade mal 18 Stände stehen mit Plastikplanen umfüllt in der Steinberggasse. Zur besten Zeit im Sommer sind es 80 Stände. Doch unter den Schutzplanen versteckt sich das Beste, was der Winter bietet. Es finden sich Gemüse wie Karden, Obstsorten wie Glockenäpfel, und an mehreren Ständen Freilandnüsslisalat. Diesen bauen auch Blapps an. «Erst wenn die Temperatur unter zehn Grad fällt, wird er richitg knackig», sagt Maja Blapp. 

Mancherlei verarbeitet die Bauernfamilie auf dem Hof. Maja Blapp kocht Randen, und die eine Generation ältere Alice Blapp dörrt Apfelschnitze. Gleichwohl kommt nicht alles am Stand aus dem Eigenbau. Viele Gemüsesorten übernimmt Samuel Blapp von Kollegen im Weinland.

Sogar unter den Marktfahrern selbst findet ein Handel statt. Petersiliewurzel wachsen keine auf seinem Hof. Dafür sind für sie ihre verschiedenen Kürbisse im Herbst fast zu einem Hobby geworden. «Wir kaufen denn Petersiliewurzeln von anderen Marktfahrern und verkaufen ihnen unsere Kürbisse». 

«Unser Betrieb ist klein. Wenn wir unsere Gemüse nur dem Handel liefern würden, könnten wir nicht überleben. Mit dem Direktverkauf verdienen wir mehr», sagen die Blapps.

Doch gibt es noch einen zweiten Grund zum Markt zu fahren. Seit Hundert Jahren. Schon 1919 lernte die junge Ida Gisler aus ihrem kleinen Dorf Volken in der Stadt viele lustige Leute kennen. Einige ihrer Kunden von damals hatten Kinder. Heute sind es deren Enkel, die am Stand der Blapps bei Idas Enkel ihr Gemüse kaufen.  

Erstellt: 31.01.2019, 16:40 Uhr

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