Zum Hauptinhalt springen

Schulpräsident hat das Gesetz, nicht aber die Stimmbürger auf seiner Seite

Gegen grossen Widerstand argumentierte die Schulpflege für die Schliessung von Schulstandorten.

Trübe Aussichten für drei Schulhäuser im Flaachtal: Vorne das Flaacherfeld, im Mittel- und Hintergrund Flaach und der Irchel.Foto: Madeleine Schoder
Trübe Aussichten für drei Schulhäuser im Flaachtal: Vorne das Flaacherfeld, im Mittel- und Hintergrund Flaach und der Irchel.Foto: Madeleine Schoder

Mit 152 Stimmberechtigten kamen am Mittwochabend dreimal so viele Leute an die Gemeindeversammlung der Schule Flaachtal wie vor einem Jahr. Der Grund: Die Schulpflege will drei der fünf Schulstandorte im Tal schliessen, was sie Mitte Oktober bloss via Zeitungsartikel bekannt gab. Gegen die Schliessungen ist ein Proteststurm losgebrochen. Eine halbe Stunde vor Mitternacht beendete die Versammlung per Ordnungsantrag die zweieinhalbstündige Debatte.

Druck und drohender Zwang

Die Schulhäuser in Berg am Irchel, Dorf und Volken sollen geschlossen und der Schulbetrieb samt Kindergarten in Flaach und Buch am Irchel konzentriert werden, wozu ein Ausbau von 6 Millionen Franken nötig ist. Damit sollen die rechtlichen Vorgaben des Kantons punkto Klassengrössen eingehalten werden. Die Klassen im Flaachtal sind zu klein. Schulpflegepräsident Daniel Heuer sprach von Druck und drohender Zwangsverwaltung durch den Kanton. Er argumentierte strikt entlang des Gesetzes, Selbstkritik in Sachen Kommunikation übte er keine und drehte den Spiess um: Die Schulpflege habe ja an früheren Gemeindeversammlungen über die mögliche Reduktion der Schulstandorte informiert. Und das amtliche Publikationsorgan, die «Andelfinger Zeitung», habe jeweils darüber berichtet. Man hätte, sagte Heuer, nicht so viel öffentliches Interesse geweckt, «wenn wir nicht so kommuniziert hätten». Doch für diese minimale Kommunikation ohne Informationsveranstaltung hagelte es Kritik aus der Versammlung.

Die Schulpflege habe sich zwar sehr viel überlegt, «aber bei uns angekommen ist davon eigentlich nichts», meinte ein Stimmbürger stellvertretend für viele der nicht überzeugten Anwesenden.

«Die jetzt gewählte Variante mit zwei Standorten ist die beste der schlechten Möglichkeiten»

Daniel Heuer, Schulpflegpräsident

Seit 2015, als alle Schulen im Tal fusionierten, habe die neue Gemeinde den Handlungsspielraum «arg strapaziert», sagte Schulpflegepräsident Daniel Heuer. Damit sei jetzt Schluss, der Kanton verlange weniger und damit grössere Klassen. Man habe versucht, die Schulstandorte solange wie möglich zu erhalten – die vor der Fusionsabstimmung versprochenen fünf Jahre habe man eingehalten.

Umbau für 6 Millionen

Um das Ziel grösserer Klassen zu erreichen, will die Behörde die Schulstandorte in Berg am Irchel, Dorf und Volken schliessen und die Schule in Flaach und Buch am Irchel konzentrieren. Dafür sollen diese beiden Standorte für 6 Millionen Franken ausgebaut werden, wobei der Steuerfuss stabil bleiben soll. Durch die Auflösung der drei Standorte und die Reduktion von Schulklassen sollen pro Jahr 250000 Franken eingespart werden. Vorgesehen ist, in der Unter- und Mittelstufe je eine Klasse zu schliessen. Die Kosten für die schon heute durchgeführten Schülertransporte zwischen den Dörfern sollen nicht steigen. Über den Planungskredit für die Zentralisierung in Flaach und Buch entscheidet die Schulgemeindeversammlung im Juni 2020, über den Baukredit wird im Sommer 2021 an der Urne befunden. Bei einem Nein, so Heuer, müssten bis zu 13 Schulliegenschaften weiterhin unterhalten werden.

«Dringend einbinden»

Die jetzt gewählte Variante mit zwei Standorten sei die «beste der schlechten Möglichkeiten», sagte Heuer. Er unterlegte den Entscheid der Schulpflege mit zahlreichen Verweisen auf kantonale Gesetze und Verordnungen, welche seine Behörde einhalten müsse. Mehrere Stimmbürger aus den betroffenen Gemeinden Dorf und Berg am Irchel verlangten an der Versammlung vergeblich, dass die Schulpflege ihren Entscheid nochmals überdenkt und vor allem die Stimmbevölkerung einbezieht. Die Bevölkerung müsse «dringend eingebunden werden», forderte etwa ein Bürger aus Berg, der eine «Nachbearbeitung» will.

Heuer begründete den Entscheid wie erwähnt entlang der Gesetze. So sei die Schulpflege verpflichtet, die vorgeschriebenen Klassengrössen einzuhalten. Damit verbunden habe die Behörde auch die Kompetenz, die dafür notwendigen Schulstandorte festzulegen. Mit der Zusammenlegung der Standorte in Flaach und Buch seien bauliche Investitionen nötig, die in der Kompetenz der Stimmbevölkerung liegen. «Darüber können Sie abstimmen, aber nicht über die Standorte der Schulen», sagte Heuer. Das Volksschulamt könne nicht überhöhte Ressourcen in Form von Vollzeitstellen für Lehrpersonen «auf unendliche Zeit zugestehen».

«Bedauern dies sehr»

An der Gemeindeversammlung vom Mittwoch wurde das Kommunikationsverhalten der Schulpflege immer wieder kritisiert. Heuer hielt dagegen. An der Versammlung vor einem Jahr sei über das Projekt Schulstandorte mit seinen Zielen informiert worden. Die «Andelfinger Zeitung» habe, als offizielles Publikationsorgan der Schulgemeinde, darüber erstmals berichtet. «Spätestens seit diesem Zeitpunkt war den Stimmberechtigten im Flaachtal bekannt, dass ein Prozess zur Entscheidungsfindung stattfindet.» Mit Ausnahme einer positiven Rückmeldung seien bei der Schulpflege bis vor Bekanntgabe des Entscheids Mitte Oktober, wiederum via «Andelfinger Zeitung», «weder informell noch formell Rückmeldungen eingegangen, wir bedauern dies sehr». Die Schulpflege hätte sich, sagte Heuer weiter, über frühere Reaktionen oder Ideen seitens der Stimmbevölkerung oder Behörden gefreut und diese «sicher eingebunden».

«Nur Gemeinden mit einem Schulstandort haben Zukunft.»

Bürger aus Dorf

Die Schulpflege hat die 30 Schulstandortvarianten mit Kriterien bewertet und schrittweise reduziert. Ab dem Schuljahr 2024/2025 sollen die beiden in Buch und Flaach zentralisierten Standorte fertig ausgebaut sein.

«Mit aller Kraft»

Nach den zahlreichen Wortmeldungen aus der Versammlung nach zu urteilen, drang Heuer mit seinen ausführlichen Erläuterungen kaum durch. Statt die Standards des Kantons starr durchzusetzen, solle die Schulpflege «mit aller Kraft versuchen, nicht nur die Kirche, sondern auch die Schule im Dorf zu behalten», meinte eine Bürgerin aus Dorf. Und ein Stimmbürger sprach von einem «abgekarteten Spiel» und forderte mehr Transparenz für die Bevölkerung. «Man wird nicht informiert.» Ein Bürger aus Dorf sagte: «Nur Gemeinden mit einem Schulstandort haben Zukunft.»

Der Wunsch vieler, kleinere Klassen weiterhin zuzulassen, schmetterte Heuer mit Verweis auf das Volksschulamt ab. «Dort beissen wir auf Granit.» Aus der Versammlung war eine zunehmende Ernüchterung zu spüren. Heuer sagte, er sei «froh um die heftige Berichterstattung in der Presse» – so werde das Flaachtal vom Kanton wahrgenommen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch