Andelfingen

Schweiz Tourismus hebt Andelfingen in die Top 20 der «schönen Orte»

Die Marketingorganisation Schweiz Tourismus hat 20 kleinere Ortschaften ausgewählt, die an einer bestehenden Reiseroute für motorisierte Touristen liegen. Dazu gehört auch Andelfingen im Zürcher Weinland.

Das Schloss Andelfingen mit dem Kirchturm im Hintergrund.  Foto: Patrick Gutenberg

Das Schloss Andelfingen mit dem Kirchturm im Hintergrund.  Foto: Patrick Gutenberg

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Hansruedi Jucker, Gemeindepräsident von Andelfingen, hat Post erhalten vom Bundesamt für Kultur (BAK) und von Schweiz Tourismus (ST). Das gemeinsame Schreiben, das Jucker zusammen mit einer Medienmitteilung an die Presse verschickt hat, ist überschrieben mit dem Projektnamen «Verliebt in schöne Orte».

Denn zu den 20 ausgewählten schönen Schweizer Orte gehört nun auch Andelfingen. Die von ST getroffene Auswahl entspringt der Kombination zweier bereits bestehender Dinge: des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (Isos) des BAK zum einen und der 1600 Kilometer langen Grand Tour of Switzerland von ST zum anderen.

Diese Tour für den motorisierten Tourismus führt seit ein paar Jahren auch durchs Zürcher Weinland - wegen der Top-Destination Rheinfall kurz vor Schaffhausen. Und dabei führt die Route eben auch durch den Ort Andelfingen, der wie weitere Weinländer Orte zum Isos-Inventar gehört. Das Bundesinventar umfasst zurzeit 1274 Ortschaften.

«Gästelenkungsmassnahme

Das Inventar enthalte «viele Orte mit grossem touristischem Potenzial», heisst es im Brief an Jucker respektive in der Medienmitteilung. Schweiz Tourismus rücke diese Ortsbilder gemeinsam mit dem BAK «erstmals in das Bewusstsein der in- und ausländischen Ferienreisenden».

Die Porträts der 20 ausgewählten Isos-Ortschaften würden stellvertretend genutzt, «um neben den bekannten Highlights entlang der Grand Tour of Switzerland auch auf die kleinen Perlen des Reise- und Ferienlands aufmerksam zu machen». ST und BAK versprechen sich durch die Zusammenarbeit «mehr Aufmerksamkeit für das vielfältige Kulturerbe der Schweiz». Zudem biete sich die Chance, auch Orte «touristisch zu würdigen, die abseits von bekannteren Tourismusdestinationen liegen» - «Gästelenkungsmassnahme» genannt.

Bei der Auswahl der 20 Orte entlang der Grand Tour wurde eine «geographisch gleichmässige Verteilung angestrebt». Schweiz Tourismus hat also ins Isos-Inventar des Bundes gegriffen, 20 Orte herausgepickt und sie entlang der Grand Tour wie an einer Schnur gleichmässig aufgereiht.

Nebst Andelfingen, übrigens der einzige Ort im Kanton Zürich, sind folgende 19 Ortschaften für «Verliebt in schöne Orte» ausgewählt worden: Auvernier (NE), Bauen (UR), Castasegna (GR), Dardagny (GE), Erlenbach im Simmental (BE), Ermatingen (TG), Ernen (VS), Giornico (TI), Hallau (SH), Le Pont (VD), Lessoc (FR), Malans (GR), Morcote (TI), Pleujouse (JU), Rüeggisberg (BE), Saint-Saphorin (VD), Sent (GR), Soazza (TI) und Trogen (AR).

«Goldene Getreidefelder»

Auf einer Webseite von Schweiz Tourismus (www.myswitzerland.com) gibt es Informationen und Bilder zu den 20 Orten samt touristischen Informationen zu den jeweiligen Regionen. Über Andelfingen steht da geschrieben, dass der «historische Brückenort» eingebettet sei in die «intakte Landschaft des Zürcher Weinlandes».

Diese zeichne sich aus durch «Riegelhäuser, sonnenexponierte Rebhänge, goldene Getreidefelder, ein Mosaik von Wiesen und Äckern». An Andelfingen bemerkenswert sei die «von Schloss und Kirche gerahmte Silhouette des Ortes». Erwähnt wird auch der «wunderschöne und gepflegte Schlosspark», der zu den bedeutendsten der Schweiz zähle.

Touristenmassen unerwünscht

In der Fernsehsendung «Schweiz aktuell» berichtete SRF am Dienstagabend über das Marketingprojekt von ST und BAK und dabei auch über Andelfingen.

«Unser schönes Dorf», sagte Gemeindepräsident Jucker in die Kamera, «darf man absolut zeigen». Man sei aber auch überrascht gewesen, als einen dieser 20 schönen Orte ausgewählt worden zu sein. Es sei «eigentlich eine gute Sache». Bei einer kleinen Bevölkerungsumfrage in Andelfingen wurden allerdings auch kritische Stimmen laut. Ein paar Touristen wünsche man sich zwar, aber keine Schwemme, sagte jemand. Man solle Andelfingen den Touristen zeigen, «aber nicht in Massen», meinte jemand anders.

Und für Autocars habe es wegen der prekären Parkplatzsituation gar kein Platz, meinte noch jemand. Damit konfrontiert sagte Jucker, dass es schon noch etwas an Touristen vertrage. Zudem plane man ein weiteres Parkhaus. Angst, von Touristen überschwemmt zu werden, hat Jucker keine. Auch der Vertreter von Schweiz Tourismus glaubt nicht an einen Hype um die 20 Orte. Sollte ein solcher trotzdem entstehen, werde man die kleinen Orte unterstützen, versprach er.

Eine Blechlawine motorisierter Touristen durchs Weinland ist nicht im Sinne der Förderorganisation Pro Weinland. Denn diese schreibt sich schon seit Jahren den sanften Tourismus mit Langsamverkehr auf die Fahne.

Erstellt: 16.10.2019, 10:21 Uhr

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