Endlager

Sieben Mal so viele Atomzüge

Das Weinland will die «heisse Zelle» nicht bei sich – der Atommüll soll anderswo neu verpackt werden. Doch das brächte eine Versiebenfachung der Castortransporte mit sich.

Sonnenstrahlen über Benken ZH: Im Weinländer Dorf kann sich die Bevölkerung aus erster Hand über das mögliche Endlager informieren.

Sonnenstrahlen über Benken ZH: Im Weinländer Dorf kann sich die Bevölkerung aus erster Hand über das mögliche Endlager informieren. Bild: Madeleine Schoder

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«Es freut mich, dass Benken wach ist», sagte Gemeindepräsidentin Beatrice Salce am zweiten Endlager-Informationsanlass im Weinländer Dorf. Über den Zweck der Veranstaltungsreihe sagte sie zu den rund 50 anwesenden Benkemern: «Ihr seid vorbereitet, wenn es so weit sein sollte.»

«Wir müssen zusammenstehen und es nicht einfach über uns ergehen lassen»

Benken müsse sich einbringen, Rahmenbedingungen aufstellen, wenn das Endlager denn in der Region gebaut würde. «Wir müssen zusammenstehen und es nicht einfach über uns ergehen lassen», sagte Salce. Dabei rief sie die riesige, jahrelange Baustelle in Erinnerung – praktisch vor der eigenen Haustür.

Die Teilnehmer des Benkemer Endlager-Anlasses stellten viele Fragen und diskutierten mit den Vertretern der Nagra, des Bundesamtes für Energie (BFE), der Regionalkonferenz und der Atomaufsichtsbehörde Ensi.

«Heisse Zelle» umstritten

Die am heissesten diskutierte Frage am Mittwochabend war jene nach dem Transport der radioaktiven Abfälle und das Hantieren damit in der sogenannten «heissen Zelle». In der Hochsicherheitsanlage im «Tor zum Endlager» werden die in Castorbehältern angelieferten Abfälle in kleinere Endlagerbehälter umverpackt und anschliessend im Opalinuston in mehreren hundert Metern Tiefe eingelagert.

Wieso wird der gefährliche Müll im Weinland umgepackt und nicht gleich bei den Atomkraftwerken oder im atomaren Zwischenlager im Aargau?

Dies wollten gleich mehrere Benkemer von den anwesenden Experten wissen. Und ein Zuhörer sagte zu einem anderen: Hundekot lese man ja auch nur einmal auf, man nehme ihn also auch bloss einmal in die Hand.

Das markante Gebäude wäre bis 25 Meter hoch.

Die Weinländer Regionalkonferenz wehrt sich seit einiger Zeit dagegen, dass die «heisse Zelle» im Weinland gebaut würde – nicht nur aus Gründen der Sicherheit, sondern auch aus Gründen des Landschaftsbildes: Das markante Gebäude wäre bis 25 Meter hoch.

Die Castorbehälter seien auf den Transport der Abfälle ausgelegt und nicht auf die Einlagerung untertags, sagte ein Ensi-Vertreter. Zum einen blieben diese Behälter dort zu wenig lange dicht. Zum anderen würden die knapp 40 verbrauchten Brennstäbe darin eine zu grosse Hitze entwickeln, die den Opalinuston im Endlager beschädigen würde.

Daher müssen, so die Argumentation, die Castorbehälter geöffnet werden und die Brennstäbe zu je vier Stück in die kleineren Endlagerbehälter verteilt werden. Denn je weniger Brennstäbe in einem Behälter sind, desto weniger Hitze strahlt ab.

Und die kleineren Endlagerbehälter könnten so nicht transportiert werden, sagte Markus Fritschi von der Nagra in der Diskussion. Das Umverpacken der Abfälle in solche Behälter könne zwar bereits im Zwischenlager erfolgen. Nur müssten sie dann wiederum in Transportbehälter, sogenannte Überbehälter, verpackt werden.

Nur: Diese zusätzliche Verpackung bedeutet mehr Volumen und damit mehr Transporte – Fritschi nannte den Faktor sieben. Für die Nagra sind solche Transporte, die schon seit Jahrzehnten durchgeführt werden, punkto Sicherheit kein Problem. Doch Andelfingen oder die Stadt Winterthur zum Beispiel hätten an sieben Mal mehr Atomtransporten wohl keine Freude.

Sicherheit statt Akzeptanz?

Diskutiert wurde auch das Thema Widerstand gegen ein Endlager. Fritschi sagte dazu: «Wir dürfen nicht auf die Akzeptanzschiene gehen auf Kosten der Langzeitsicherheit.»

Damit meinte er: Das Tiefenlager für die radioaktiven Abfälle dürfe nicht in der weniger geeigneten Standortregion gebaut werden, nur, weil dort die Akzeptanz in der Bevölkerung grösser wäre als in der am besten geeigneten Region. Dass ein solches Bauprojekt aber auf die Akzeptanz der Bevölkerung angewiesen ist, das wurde in der Diskussion auch betont.

(Der Landbote)

Erstellt: 19.04.2018, 16:09 Uhr

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