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So wild wie damals wirds nicht mehr

Zelten an der Thur bei Thalheim ist verboten. Ausser über Pfingsten. Seit zehn Jahrenerteilt die Gemeinde dafür Bewilligungen. Und hat damit gute Erfahrungen gemacht.

Wer über eine Bewilligung verfügt, darf bis am Pfingstmontag an der Thur zelten und die Natur geniessen – vielleicht ohne Gewitter.
Wer über eine Bewilligung verfügt, darf bis am Pfingstmontag an der Thur zelten und die Natur geniessen – vielleicht ohne Gewitter.
Stefan Schaufelberger

Früher war mehr los, über Pfingsten. Da ist sich der Thalheimer Polizeivorstand Guido Roggensinger (parteilos) sicher. Er hält für einen Moment inne. Bedauert er es, dass seit keine Zeltstädtchen mehr aufgebaut werden, entlang dem Thurufer? Dass weniger festfreudiges Volk herkommt, um einige Tage mit Freunden und Bier oder mit Familie und Schwimmring zu verbringen? Roggensinger war ja selbst mal jung. Und die ersten, die über Pfingsten runter an den Fluss gingen, das waren die Thalheimer.

«Wir sind froh, dass nicht mehr so viele kommen»

Guido Rossinger, Polizeivorstand

Schon lange bevor Horden aus Zürich einfielen und das wilde Campen an der Thur erst weit herum bekannt machten.«Nein. Wir sind froh, dass nicht mehr so viele kommen», sagt Roggensinger entschieden. 1991 hatten tausend Festbrüder und -schwestern Thalheim bekanntgemacht. Eigentlich wollten diese Pfingsten auf der Zürcher Allmendwiese verbringen. Doch die Wiese war gesperrt, worauf die Aufgelaufenen an die Thur umgeleitet wurden.

Der Gemeinderat stellte eine Notfallstelle, Container und Brennholz zur Verfügung. Die teilweise aus Deutschland angereisten Teilnehmer dankten und sammelten Geld. Im Jahr darauf sperrten Feuerwehr und Polizei die Zugänge zum Fluss. Weil schlechtes Wetter war, fiel der Ansturm 1992 dann aber viel kleiner aus, als erwartet.

Musikanlagen und Pools

«In den Jahren danach waren wahnsinnig viele Leute da, darunter auch einige Rowdys», erinnert sich Roggensinger. Noch eine Zeit lang kämpfte Thalheim mit den Nachwehen. Mittlerweile hat die Zahl der Abenteurer, Bötler und Familien, die von Freitag bis Pfingstmontag bei Thalheim übernachten stark nachgelassen. Und dies obwohl Campieren an der Thur einzig an diesem Wochenende erlaubt ist.

Sechs Bewilligungen zu je 50 Franken hat Thalheim in diesem Jahr erteilt. Das Papier berechtigt zum Aufbau von Zelten und zum Gebrauch von Generator und Musikanlage. Bars oder Holzhäuslein hingegen werden heutzutage keine mehr aufgestellt – auch kein geheizter Pool, wie es früher vorgekommen ist.

Grössere Lagerplätze gibt es ausserhalb von Thalheim noch in Flaach bei der Ellikerbrücke und beim Forspitz. Auch dort ist eine Bewilligung notwendig.

Wirksame Besuche

«In den letzten Jahren gingen 6 bis 15 Gesuche ein», sagt Roggensinger. Einige weitere Bewilligungen würden vor Ort erteilt, wenn auf Kontrollgängen nicht angemeldete Gruppen angetroffen werden. Entscheidend sei das Erfassen einer Person, die für das Einhalten der Regeln an einem Standort verantwortlich sei, sagt Roggensinger. «Wir wissen dann, an wen wir uns wenden müssen, wenn Gerümpel liegen bleibt oder Zeug nicht abgebaut wird». Massnahmen seien nur in Ausnahmefällen nötig. Das per 2007 eingeführte Bewilligungsverfahren habe sich bewährt.

«Wir sind keine Sittenwächter», sagt Roggensinger. Aber Bäume dürften eben keine umgehauen und die Musikanlage müsse in der Nacht einen Zacken runtergeschraubt werden. Einige Jugendliche könnten mit dem Mass noch nicht so gut umgehen. Doch die Besuche vor Ort wirkten. «Wir werden jeweils gut verstanden», sagt Roggensinger. Im Moment ist Thalheim zufrieden mit dem Verlauf des Ausnahmewochenendes. Und der 45-Jährige Landwirt findet über Pfingsten dann und wann Zeit, einen Abend lang ganz privat an die Thur zu gehen.

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