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Solidarität steht als Soft-Faktor im Fokus

Sollen die Gemeinden im Raum Andelfingen dereinst fusionieren, ist dazu einiges an Solidarität nötig. Denn nicht alle Gemeinden erachten eine Fusion als gleich notwendig.

Andelfingen aus der Luft: Am Montagabend fand dort eine gut besuchte Informationsveranstaltung zum Thema Fusion statt. Doch Fragen aus dem Publikum gab es praktisch keine.
Andelfingen aus der Luft: Am Montagabend fand dort eine gut besuchte Informationsveranstaltung zum Thema Fusion statt. Doch Fragen aus dem Publikum gab es praktisch keine.
Heinz Kramer

Zwar waren am Montagabend praktisch alle 180 Stühle im Andelfinger Löwensaal besetzt. Das Thema Fusion interessiere offensichtlich, sagte Andelfingens Gemeindepräsident Hansruedi Jucker zu Beginn der gut einstündigen Veranstaltung. Doch nach 45 Minuten Referaten der Präsidenten der Politischen Gemeinde, der Primarschul- und der Sekundarschulgemeinde Andelfingen wurden bloss zwei Fragen gestellt. Eigentlich sogar nur eine. Denn die erste Frage zum Lehrplan 21 hatte gar nichts mit der Fusion zu tun. Auch Meinungsäusserungen gab es keine.Am 15. April entscheiden die Stimmbürger von Adlikon, Andelfingen, Henggart, Humlikon, Kleinandelfingen und Thalheim an der Thur, ob die Behörden eine Fusion der Politischen Gemeinden einerseits und der Schulgemeinden andererseits vertieft prüfen sollen.

Am Freitagabend hatte die erste Informationsveranstaltung respektive vorberatende Gemeindeversammlung zur Fusion in Humlikon stattgefunden. Dort gab es gut 20 Wortmeldungen. Und mit 96 Prozent unterstützte die Humliker Versammlung die Behörden, eine Fusion mit den Nachbargemeinden zu prüfen.

30 Enthaltungen

Am Schluss musste die Sekundarschulgemeinde noch eine vorberatende Gemeindeversammlung zur Abstimmung durchführen. Diese dauerte keine zehn Minuten. Präsident Peter Stocker fragte nochmals in die Runde, ob es Fragen gebe – keine. Zuvor hatten gut 20 Personen den Saal verlassen. Und dies, obschon die Sekundarschule von allen sechs Gemeinden getragen wird und somit die Stimmberechtigten aller Gemeinden zur Abstimmung berechtigt gewesen wären. Von den 153 anwesenden Personen sagten schliesslich 119 Ja (77,8 Prozent) zur vertieften Fusionsabklärung, 4 waren dagegen. Auffallend war die relativ hohe Zahl an Enthaltungen, nämlich 30 Stück.

«Aufmerksamkeit schenken»

Obschon Andelfingen keine kleine Gemeinde sei, hätten sich die finanziellen Rahmenbedingungen auch für sie verschlechtert, sagte Jucker in seinem Referat. Dazu zählte er auch Kleinandelfingen und Henggart. Alle Gemeinden seien Nehmergemeinden, die also Geld aus dem Topf des kantonalen Finanzausgleichs erhalten. Der Strukturerhalt der einzelnen Gemeinden koste viel Geld. Und ohne Steuererhöhung gebe es kaum noch finanziellen Spielraum. «Das trifft auf alle Gemeinden zu, die Schulgemeinden inklusive», sagte Jucker. Er betonte zudem die Aufgabe der gemeinsamen Sekundarschulgemeinde. «Sie hat eine ganz wichtige Klammerfunktion.» Denn man kennt sich, weil man aus verschiedenen Gemeinden stammend in die gemeinsame Sek zur Schule ging.

«Die Sekundarschule hat eine ganz wichtige Klammerfunktion.»

Hansruedi Jucker, Gemeindepräsident Andelfingen

Jucker sprach auch die Solidarität zwischen den kleinen und grossen Gemeinden an. Es sei zwar richtig, dass jede Gemeinde ihre Interessen einbringe. Doch gelte es auch, Rücksicht auf die Nachbargemeinden zu nehmen. Im Falle einer Fusion sei es wichtig, das Gleichgewicht zwischen den Dörfern zu wahren. Kein Dorf solle das Gefühl bekommen, «unter die Räder zu geraten». Nach einem Ja zur Überprüfung der Fusion müsse man diesem Punkt «erhöhte Aufmerksamkeit schenken», so Jucker.

Die Frage der Solidarität zwischen den Gemeinden thematisierte auch Barbara Kummer, Präsidentin der Primarschulgemeinde Andelfingen. Transparent legte sie dar, dass die Schulpflege aktuell keinen Fusionsbedarf sehe für die relativ grosse Primarschule Andelfingen. «Es gibt nicht wirklich einen Leidensdruck.» Doch die anfängliche Fusionsskepsis der Behörde wich der Überzeugung, dass zuerst noch mehr Grundlagen erarbeitet werden müssen – daher nun die Ja-Empfehlung der Schulpflege zur Grundsatzabstimmung. Auch anerkannte Kummer, dass die Schulen im Umfeld «wirklich stark herausgefordert» seien. Die Primarschulgemeinde Andelfingen entstand übrigens 2008 ebenfalls aus einer Fusion zweier separater Gemeinden heraus.

Die Solidarität sei im Stammertal und am Freitag in Humlikon thematisiert worden, sagte Kummer. Im Falle der Primarschule Andelfingen sei es aber Sache der Stimmbevölkerung zu entscheiden, «wie weit der Solidaritätsgedanke in einer solchen Fusionsdiskussion Einzug halten soll».

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