Endlager

Stein des Anstosses auf Atom-Acker

An ihrer 26.Vollversammlung feierte sich die Regionalkonferenz selber. Und Regierungsrat Markus Kägi sprach über den Rhein.

Mahnmal bei Marthalen, der Siedlungsrand ist im Hintergrund zu sehen: An diesem Ort würde wohl das Tor zum Endlager gebaut.

Mahnmal bei Marthalen, der Siedlungsrand ist im Hintergrund zu sehen: An diesem Ort würde wohl das Tor zum Endlager gebaut. Bild: Madeleine Schoder

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Für jedes der gut 100 Mitglieder der Weinländer Endlager-Regionalkonferenz stand am Mittwochabend in Andelfingen ein Geschenk bereit: Eine Tragtasche mit einem Stück Käse und einem Glas Honig – im Weinland hergestellte Produkte notabene. Zum baldigen Abschluss der zweiten Etappe der Standortsuche für ein Schweizer Endlager feierte und beschenkte sich die Konferenz gleich selber.

Lassen sich solche Produkte nur noch schlecht verkaufen, wenn das Atomendlager im Weinland gebaut würde? Diese Befürchtung haben Weinländer Bauern, die kürzlich den Verein Like («Ländliche Interessengemeinschaft kein Endlager im Weinland») gegründet haben. Mit einem grossen Felsbrocken errichteten sie Ende August just dort ein markantes Mahnmal, wo das Tor zum Endlager voraussichtlich gebaut würde.

«Keine Alibiübung»

An der Vollversammlung der Regionalkonferenz vom Mittwoch in Andelfingen schauten mehrere Redner zurück auf die letzten Jahre. Dabei gab es viele Danksagungen und (Eigen-)Lob für die geleistete Arbeit.

So sprach etwa Stefan Jordi vom Bundesamt für Energie (BFE) von einem «beeindruckenden Engagement» der Regionalkonferenz. Und dies, obschon die Konferenz die Zusammenarbeit ja weder gewünscht noch gesucht habe. Diese Konferenz ist das Beteiligungsgremium bei der Standortsuche für ein Endlager in der Schweiz.

Auch der zurücktretende Regierungsrat Markus Kägi (SVP) lobte die Konferenz für ihre bisherige Arbeit. Die Beteiligung der Region, auch als regionale Partizipation bezeichnet, bedeute Einflussnahme und sei «keine Alibiübung».

Der Kanton bleibe weiterhin ein Partner, der die Regionen und Gemeinden unterstütze. Ende Jahr entscheidet der Bundesrat, ob das Zürcher Weinland, das Zürcher Unterland und der Aargauer Bözberg für den Bau des Endlagers weiter geologisch untersucht werden sollen.

Botschaft an die Deutschen

Kägi teilte auch aus, ohne aber die Gemeinten namentlich zu nennen – so zum Beispiel Deutschland. Etwa seit dem Frühjahr 2016 fordert die deutsche Seite immer vehementer, stärker in die Schweizer Endlagersuche einbezogen zu werden. An die Adresse der grenznahen deutschen Gemeinden sagte Kägi: «Was in der Schweiz passiert, muss mit Schweizern ausgehandelt werden.» Jedenfalls, solange das Tor zum Endlager auf Schweizer Boden zu stehen komme, «und das steht ausser Zweifel».

Sowohl im Zürcher Unterland bei Weiach als auch im Zürcher Weinland bei Marthalen läge der oberirdische Hauptzugang zum geologischen Tiefenlager bloss einige hundert Meter bis wenige Kilometer vom deutschen Nachbarn entfernt.

Im Unterland zum Beispiel wäre es sogar so, dass das Tor zum Endlager näher beim Siedlungsgebiet der deutschen Gemeinde Hohentengen läge als bei Weiach – und trotzdem soll die deutsche Nachbargemeinde nicht gleich viel mitreden können wie Weiach. Ähnlich ist die Situation im Weinland mit Rheinau und Marthalen einerseits und der deutschen Gemeinde Jestetten andererseits.

Die regionale Partizipation, sagte Kägi in seiner Rede weiter, könne nicht beliebig ausgeweitet werden. So sei damit zu rechnen, dass immer mehr Gremien und Personen mitmischen wollten, «auch wenn sie weit ausserhalb der Region angesiedelt sind».

Mehrere deutsche Gemeinden abseits der Standortregion fordern mehr Mitsprache. Doch auch die Stadt Winterthur oder die Gemeinden Henggart und Andelfingen fordern eine stärkere Beteiligung, weil die Castor-Transporte mit dem hoch radioaktivem Atommüll auf der Schiene durch ihre Gebiete rollen würden.

Kägi rechnet mit einem «verschärfteren Ton» bei der Standortsuche. Dem BFE riet er, in Zukunft mehr auf andere Akteure zu hören. Mit diesem Rat nahm der Regierungsrat seine vorherigen Aussagen wieder ein Stück weit zurück.

(Der Landbote)

Erstellt: 13.09.2018, 16:53 Uhr

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