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«Sabine» richtet Schaden in Millionenhöhe an

Gebäudeschäden von bis zu 6 Millionen Franken erwartet +++ Umgestürzte Bäume blockierten Strassen und Autobahn +++ S-Bahn prallt in Wald in umgestürzten Baum +++ Zwei Wochen sollen Wälder gemieden werden.

gvb/far
Der Lokführer der S 26 konnte in Wald trotz Schnellbremsung die Kollision mit dem Baum nicht verhindern. Verletzt wurde niemand.
Der Lokführer der S 26 konnte in Wald trotz Schnellbremsung die Kollision mit dem Baum nicht verhindern. Verletzt wurde niemand.
Kantonspolizei Zürich
In Töss und im Weinland (Bild) wurden Autos von umgeknickten Bäumen getroffen.
In Töss und im Weinland (Bild) wurden Autos von umgeknickten Bäumen getroffen.
Screenshot: Feuerwehr Weinland
Die Feuerwehr Weinland musste mehrere Gleise von Bäumen und Ästen befreien.
Die Feuerwehr Weinland musste mehrere Gleise von Bäumen und Ästen befreien.
Feuerwehr Weinland
Um die Mittagszeit stürzte ein Baum auf die Autobahn A1  bei der Ausfahrt Ohringen.
Um die Mittagszeit stürzte ein Baum auf die Autobahn A1 bei der Ausfahrt Ohringen.
Marc Dahinden
Die Verbindungsstrasse zwischen Oerlingen und Ossingen musste gesperrt werden.
Die Verbindungsstrasse zwischen Oerlingen und Ossingen musste gesperrt werden.
Roland Müller
«Sabine» riss manche Ziegel von den Dächern. Wie bei dieser Feldscheune in Marthalen.
«Sabine» riss manche Ziegel von den Dächern. Wie bei dieser Feldscheune in Marthalen.
Roland Müller
In den Wäldern im Weinland sind die Spuren des Sturms bereits gut ersichtlich.
In den Wäldern im Weinland sind die Spuren des Sturms bereits gut ersichtlich.
Roland Müller
Ein entwurzelter Baum im Oberholz bei Lindau.
Ein entwurzelter Baum im Oberholz bei Lindau.
Fritz Sigg
Impressionen aus Winterthur: Passanten kamen in der Stadt nur mühsam voran.
Impressionen aus Winterthur: Passanten kamen in der Stadt nur mühsam voran.
Marc Dahinden
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Seit zwei Tagen zieht der Wintersturm «Sabine» über die Schweiz und verursacht im Kanton Zürich Gebäudeschäden. Die GVZ Gebäudeversicherung Kanton Zürich geht nach ersten Einschätzungen von einer Schadensumme zwischen 5 und 6 Millionen Franken aus. Bis Dienstagmittag wurden über 600 Gebäudeschäden gemeldet, teilt die GVZ mit. In den nächsten Tagen seien weitere Schadmeldungen zu erwarten – bis zu 3000 seien zu erwarten. Typische Schadenbilder seien etwa beschädigte Dachziegel und Dächer oder Gebäudeschäden durch umgestürzte Bäume, heisst es in der Mitteilung weiter.

Die heftigste Phase ist mittlerweile vorbei. Bei Waldspaziergängen ist aber auch nach dem Sturm Vorsicht geboten. In den Wäldern der Region sind zahlreiche Bäume entwurzelt, geknickt oder angestossen worden. So warnt etwa die Gemeinde Elsau: «Es besteht erhebliche Gefahr, dass die angestossenen und hängenden Bäume ganz umstürzen oder abgebrochene Äste herunterfallen.» Nicht alle Schäden können von den Waldeigentümern sofort behoben werden. Förster Fabian Tanner rät in der Mitteilung ausdrücklich davon ab, sich in den kommenden zwei Wochen im Elsauer Wald aufzuhalten.

Am Montag und Dienstag sind bei der Kantonspolizei Zürich gegen 300 Meldungen eingegangen, die meisten davon am Montag und in der Nacht auf Dienstag.

Im Verlauf des Dienstagmorgens seien nur noch wenige Sturm-Meldungen eingegangen, teilt die Kantonspolizei mit. Am frühen Dienstagmorgen waren folgende Strassen infolge Sturmschäden blockiert:

  • Strasse zwischen Elgg und Turbenthal
  • Strecken zwischen Henggart und Oberwil
  • Die Strasse zwischen Unterstammheim – Etzwilen
  • Die Strecke Marthalen – Kleinandelfingen

Im Verlauf des Tages konnten die Strassensperrungen aufgehoben werden. Wieder geöffnet war bereits die Zufahrt zum Eschenberg und dem Tierpark Bruderhaus, wie die Stadtpolizei Winterthur auf Facebook mitteilt. Aus Sicherheitsgründen wurde die Zufahrt am Montagmorgen bis auf weiteres gesperrt.

Beim Camping Wildberg beschädigte ein Ast einen Wohnwagen. Der Campingwart Teddy Seiler gibt gegenüber dem «Blick» aber Entwarnung: «Glücklicherweise haben wir keine grösseren Schäden.» Es sei nur das Vordach des Campers beschädigt worden. In der Zeit von 7 Uhr bis 15 Uhr wurden noch drei umgestürzte Bäume in den Bezirken Andelfingen und Horgen gemeldet sowie ein losgerissenes Schiff auf dem Zürichsee, teilt die Kantonspolizei mit.

Der Sturm «Sabine» hat vor allem am Montag in der Region und in der Stadt Winterthur für zahlreiche Probleme gesorgt. An vielen Orten fielen Bäume auf die Strassen oder Bahnlinien. Noch am Abend waren diverse Zugstrecken gesperrt.

Informationstafel zum Bahnverkehr am Bahnhof Winterthur. Bild: far
Informationstafel zum Bahnverkehr am Bahnhof Winterthur. Bild: far

Eine S-Bahn ist am Morgen in Wald in einen umgestürzten Baum geprallt. Dabei wurde niemand verletzt. Gegen 08.40 Uhr fuhr die S 26 von Gibswil Richtung Rüti. Kurz vor Wald wurde eine massive Tanne durch den Sturm umgeweht. Obwohl der Lokomotivführer eine Schnellbremsung eingeleitet hatte, kollidierte das Zugfahrzeug mit dem Baum, teilt die Kantonspolizei Zürich mit. Zudem wurde ein Strommast geknickt sowie die Fahrleitung heruntergerissen. Die zwölf Passagiere und der Lokführer konnten den Zug unverletzt verlassen. Die Polizei schätzt den entstandenen Schaden auf über hunderttausend Franken. Die Aufräumarbeiten sind derzeit im Gange. Die Zugsverbindung bleibt bis zum Abend unterbrochen. Für Reisende werden Ersatzbusse eingesetzt.

Wegen umgestürzter Bäume mussten in Stadt und Region mehrere Strassen gesperrt werden. Seit den frühen Morgenstunden sind die Feuerwehren im Dauereinsatz. Die Winterthurer Feuerwehr rückte bis am späten Montagnachmittag zwölfmal aus. Sie leisteten unter anderem Hilfe im Zusammenhang mit umgefallenen Bäumen, losgelösten Fassadenteilen und Schäden an einem Carport sowie einer Tankstelle auf dem Stadtgebiet, teilt die Stadt Winterthur mit. Laut Einsatzbericht ist in Töss am frühen Morgen ein Baum auf ein Auto gefallen, welcher die Strasse blockiert. Auch im Weinland ist ein Baum auf einen Personenwagen gestürzt, es sind mehrere Strassen gesperrt.

Etwa die Oberwilerstrasse zwischen Oberwil und Henggart, wo das Postauto nicht mehr verkehren kann. Verletzte gab es glücklicherweise keine zu beklagen. «Wir hatten ein Riesenglück, dass das Postauto nicht von einem fallenden Baum getroffen wurde», sagt Kommandant Roman Müller. Dafür traf es ein Auto, das kurz zuvor das Postauto gekreuzt hatte und danach auf den gefallenen Baum auffuhr. Weitere Autofahrer hatten weniger Glück: Sie fuhren in die heruntergefallenen Bäume oder wichen aus und landeten in einem Graben. Die Feuerwehr musste sie wieder rausziehen.

In Andelfingen und Umgebung gab es laut Kommandant Martin Käser 14 Schadensmeldungen, 12 davon wegen umgefallener Bäume. «Die gesperrten Strassen bleiben aus Sicherheitsgründen bis heute Morgen zu, weil noch weitere Bäume umstürzen könnten.» So auch im Embrachertal, wo die Feuerwehr gestern achtmal ausrücken musste.

Screenshot: Feuerwehr Weinland
Screenshot: Feuerwehr Weinland

Um die Mittagszeit kam es auf der Autobahn A1 bei der Ausfahrt Ohringen zu Stau. Ein Baum ist auf die Fahrbahn gestürzt. Die Räumungsarbeiten dauern noch an.

Räumungsarbeiten bei der Autobahnausfahrt Ohringen. Bild: Marc Dahinden
Räumungsarbeiten bei der Autobahnausfahrt Ohringen. Bild: Marc Dahinden

Ebenfalls gesperrt ist die Irchelstrasse zwischen Berg am Irchel und Teufen, das bestätigt der Kommandant der Flaachtaler Feuerwehr Hanspeter Bruderer.

Weiler durch Brand komplett zerstört

Bei einem Brand haben am Montagmorgen in Bauma die Flammen den Weiler Unterer Wolfsberg komplett zerstört. Personen sind keine verletzt worden, teilt die Kantonspolizei Zürich mit.

Video: Keystone

Durch die aufkommenden Sturmböen wurde das Feuer weiter stark angefacht und griff rasch um sich. Innert kurzer Zeit standen – bis auf einen kleinen Stall – sämtliche Gebäude des Weilers Unterer Wolfsberg in Brand. Inwiefern die Brände in Zusammenhang mit dem Unwetter stehen, ist noch unklar. (Hier geht es zur Meldung...)

Viele Strassen gesperrt

Schon wieder trifft es das Stammertal. Die Hauptstrasse bei Unterstammheim ist gesperrt, ebenso die Strasse zwischen Ossingen und Oerlingen. Bei beiden Fällen seien Sturmschäden für die Sperrung verantwortlich. Gleiches gilt für die Strasse zwischen Henggart und Oberwil.

In Winterthur mussten sämtliche Zufahrten zum Eschenberg aus Sicherheitsgründen gesperrt werden – Tierpark Bruderhaus, die Sternwarte und diverse Restaurants können nicht mehr angefahren werden, schreibt die Stadtpolizei Winterthur auf Twitter. Die Polizei rät dringend Waldgebiete zu meiden.

Gemäss Durchsagen an Bahnhöfen sei die Strecke zwischen Oberwinterthur und Stein am Rhein gesperrt. Was genau der Grund dafür ist, ist noch unklar. Leserreporter melden alternativ Sturmschäden oder ein Brand in Gleisnähe, einen Brand melden die SBB auch online. Die Kantonspolizei Zürich sagt auf Anfrage, man wisse nichts von einem Brand. Der einzige Brand in der Region sei derjenige in Bauma.

Nachforschungen ergaben, dass ein Ast in die Fahrleitung gewindet wurde. SBB-Sprecher Daniele Pallecchi sagt auf Anfrage: «Dieser hat einen Kurzschluss ausgelöst.» Für die Arbeiten mussten die Fahrleitung abgestellt werden.

Die Feuerwehr Weinland stand auch auf den Geleisen im Einsatz. Bild: Screenshot Feuerwehr Weinland
Die Feuerwehr Weinland stand auch auf den Geleisen im Einsatz. Bild: Screenshot Feuerwehr Weinland

Laut SBB-Information sind auch hier Ersatzbusse im Einsatz, wie lange die Störung dauert, ist noch nicht bekannt.

Die stärksten Sturmböen wurden gegen 10 Uhr erwartet. «Sabine» hält die Einsatzkräfte im ganzen Kanton auf trab und wirkt sich teils massiv auf den Verkehr auf Schiene, Strasse, Wasser und Luft aus: Am Flughafen Zürich mussten mehrere Flüge gestrichen werden. Die Zürichsee-Fähre zwischen Horgen und Meile sowie mehrere Kursschiffe mussten den Betrieb einstellen.

Im oberen Tösstal wurden Höchstgeschwindigkeiten von über 140 km/h gemessen. Weniger stark windete es in Tännikon bei Aadorf, dort wurden 105 km/h gemessen, in Marthalen noch 93 km/h.

Zwischenbilanz: Sabine hält Kantonspolizei auf Trab

Die Kantonspolizei Zürich verzeichnete seit dem frühen Montagmorgen rund 190 Meldungen auf Kantonsgebiet (ohne die Städte Zürich und Winterthur) im Zusammenhang mit dem Sturm Sabine. Die gesamte Schadenssumme kann momentan noch nicht beziffert werden.

Durch umgefallene Bäume sowie unbefestigte Gegenstände ist es zu verschiedenen Behinderungen auf Strassen und Schienen im ganzen Kantonsgebiet gekommen. So musste unter anderem die A51 und die Schaffhauserstrasse durch den Hardwald aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Am Flughafen Zürich wurden mehrere Flüge annulliert und die Fernverkehrszüge von und nach Deutschland mussten eingestellt werden. Die Polizei wurde unter anderem aufgeboten, weil die starken Windböen Trampoline, Steine und weitere Gegenstände unkontrolliert davon wehten, teilt die Kantonspolizei mit. Die Verkehrspolizei rückte an diverse Verkehrsunfälle aus, bei welchen Fahrzeuge oder Anhänger umkippten oder die Fahrzeuglenkenden aufgrund von Böen die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verloren haben. Die Seepolizei stand rund 15 Mal betreffend losgerissener Boote im Einsatz.

In Adliswil wurden zwei Personen bei Versuch, ein weggeblasenes Festzelt von der Strasse zu nehmen, verletzt. Sie mussten mit Rettungswagen ins Spital gebracht werden.

Gemäss MeteoSchweiz wird für heute Abend eine weitere Sturmfront erwartet.

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