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Unliebsame Schulschliessungen auf später vertagt

Fast alle Schulhäuser sollen nach der Andelfinger Fusion offen bleiben. Ein Versprechen, um die Abstimmung zu gewinnen.

Die Schule Flaachtal soll in Buch am Irchel (Bild) und in Flaach zentralisiert werden.
Die Schule Flaachtal soll in Buch am Irchel (Bild) und in Flaach zentralisiert werden.
Heinz Kramer

Der Zufall will es, dass im südlichen Weinland zurzeit gleich zwei Debatten über Schulhäuser laufen. Da ist zum einen die Diskussion in der Region Andelfingen über die mögliche Fusion von sechs Schulen. Die Urnenabstimmung findet am 29. November statt. Zum anderen sollen im benachbarten Flaachtal, wo eine solche Fusion seit fünf Jahren Wirklichkeit ist, drei der fünf Schulstandorte geschlossen werden. Der Schulbetrieb würde an den Standorten Flaach und Buch am Irchel zentralisiert. Obwohl die zwei Debatten getrennt verlaufen: Die Flaachtaler Diskussion über die Schule im eigenen Dorf ist eine Blaupause für mögliche künftige Entwicklungen im Raum Andelfingen. Denn durch die Vorgaben des kantonalen Volksschulamtes sind die entscheidenden Rahmenbedingungen dieselben.

«Die bestehenden Schulstandorte sollen so lange als möglich erhalten bleiben»: Dieser Satz steht im Zusammenschlussvertrag der Flaachtaler Schulgemeinden, der seit dem 1. Januar 2015 in Kraft ist. Eine zeitlich begrenzte Standortgarantie wurde vertraglich nicht festgeschrieben. Einzig in den damaligen Abstimmungsunterlagen stand, dass es eine «deklarierte Absicht» sei, die Schulstandorte «während mindestens fünf Jahren nach dem Zusammenschluss zu erhalten». Diese Mindestdauer ist seit dem 31. Dezember abgelaufen. Zweieinhalb Monate vor Ablauf der fünf Jahre gab die Schulpflege Flaachtal bekannt, die Schulen in Berg am Irchel, Dorf und Volken schliessen zu wollen.

Vor allem in Bergund Dorf hält der Protest gegen die Schulschliessungen unvermindert an. Sogar die Gemeinderäte der beiden Dörfer wehren sich in ungewohnt heftiger Art gegen die drohenden Schliessungen. «Es konnten keine Garantien abgegeben werden», sagt Schulpflegepräsident Daniel Heuer rückblickend. Wegen der stagnierenden oder gar sinkenden Schülerzahlen «wäre eine Garantie meines Erachtens auch unseriös».

Im Flaachtal führte der Unmut in Teilen der Bevölkerung zu Anfragen an der letzten Schulgemeindeversammlung im November. Die Beantwortung durch die Schulpflege enthält Punkte, die auch für die Region Andelfingen von Bedeutung sind. Im Flaachtal sind die Klassen zu klein. Um sie zu vergrössern, soll ihre Anzahl verringert und an den zwei Standorten Flaach und Buch konzentriert werden. Denn das kantonale Volksschulamt ist nicht weiter bereit, zusätzliches Geld für zu kleine Klassen zu genehmigen. Das Amt weist den Schulgemeinden die Geldmittel in Form der Stellenprozente für Lehrpersonen zu. Gibt es mehrere, aber zu kleine Klassen, sind zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer nötig, die Mehrkosten verursachen. Reichen die vom Kanton zugewiesenen Stellenprozente dafür nicht aus, kann eine Schule weitere Prozente beantragen und der Kanton diese aus einem Stellenpool gewähren.

Seit Beginn der Fusion vor fünf Jahren hat die Schulgemeinde Flaachtal stets mehr Stellenprozente vom Kanton erhalten. Diese seien, schreibt die Schulpflege in der Beantwortung der Anfragen, «bislang sehr grosszügig bemessen» gewesen. Aber eben: Das kantonale Volksschulamt könne «überhöhte zusätzliche Ressourcen nicht auf unendlich zugestehen». Das heisst: Das Ende der kantonalen Grosszügigkeit ist der Grund für die geplanten Schulschliessungen im Flaachtal. «Die Klassengrössen haben einen direkten Zusammenhang mit den einer Gemeinde zur Verfügung stehenden Personalressourcen», heisst es seitens des Volksschulamtes des Kantons Zürich.

Mit Blick auf die emotionale Debatte im Flaachtal sollte man sich in der Region Andelfingen keine Illusionen machen in Sachen Schulstandorte.

Wie sieht die Situationdiesbezüglich in der Region Andelfingen aus, namentlich in den drei kleinsten Schulen Adlikon, Humlikon und Thalheim an der Thur? Der Kanton habe, schreibt das Amt auf Anfrage des «Landboten», diesen drei Gemeinden in den letzten zwei Schuljahren «grosszügig bemessene» zusätzliche Stellenprozente gewährt.

Die Verantwortlichendes Andelfinger Schulfusionsprojekts wollen überraschenderweise fast alle Schulstandorte beibehalten. Mit Ausnahme des sehr kleinen Standorts im Dorf Adlikon, der «zum geeigneten Zeitpunkt» aufgelöst werden soll. Es ist offensichtlich, dass hier abstimmungstaktische Überlegungen eine Rolle spielen. So heisst es im Schlussbericht, dass bei dieser Variante die Akzeptanz in der Bevölkerung am höchsten eingeschätzt werde – es sei die «Befindlichkeit in der Bevölkerung» berücksichtigt worden. Die Variante mit der Schulschliessung in Adlikon habe «das höchste Potenzial, angenommen zu werden». Zugleich aber bezeichnen die Verantwortlichen die Zentralisierung aller Schulen an einem einzigen Standort als «Vision» respektive als «langfristige Zielsetzung». Angesichts der emotionalen Debatte im Flaachtal wirkt das Wort «Vision» beschönigend.

Mit Blick auf diese Debatte sollten sich die Stimmbürger in der Region Andelfingen keine Illusionen machen. Die Zentralisierung aller Schulen an einem Standort mag zwar in der Bevölkerung schlecht ankommen. Doch nach der Fusion hätte die künftige Schulpflege allein die Befugnis, über die Schulstandorte zu entscheiden. Für den Baukredit brauchte sie zwar die Zustimmung der Bevölkerung. Aber die von einer Schliessung betroffenen Dörfer könnten dann von der auswärtigen Mehrheit überstimmt werden. Klar ist jedoch auch: Der Kanton wird seinen Druck wegen der Klassengrössen aufrechterhalten – mit oder ohne Fusion.

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