Gericht

Vergewaltigung oder falsche Anschuldigung?

Bei einem mehrtägigen Prozess in Andelfingen widersprechen sich beide Seiten vehement.

Am Freitag findet der zweite Prozesstag statt, ob bereits ein Urteil fällt, ist aber offen.

Am Freitag findet der zweite Prozesstag statt, ob bereits ein Urteil fällt, ist aber offen. Bild: hd

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Was wirklich geschah in der kalten Dezembernacht vor über zweieinhalb Jahren konnte gestern nach dem ersten von zwei Prozesstagen am Bezirksgericht Andelfingen nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Denn die vorgetragenen Versionen der mutmasslichen Tatnacht gingen weit auseinander.

Angeklagt bei dem Prozess, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, ist ein junger Mann aus der Region. Er soll in jener Nacht bei sich in der WG eine Frau zum Sex gezwungen haben. Die beiden kannten sich aus dem Kollegenkreis schon ein paar Jahre, waren sich aber erst einen Tag zuvor das erste Mal nähergekommen. Dass es an diesem Vorabend, der ebenfalls teilweise in der WG stattfand, zu einvernehmlichem Sex gekommen war, bestreitet niemand. Laut der Frau habe sie sich in der Folgenacht aber mehrmals gegen die Annäherungsversuche des Mannes wehren müssen. Schliesslich soll er sie im Bett festgehalten und gewürgt und dann vergewaltigt haben.

Schlafloser Zeuge

Der Beschuldigte hingegen fasste gestern vor dem Gremium aus drei Richtern den Abend als «stimmig für beide Seiten» zusammen. Wie am Vorabend habe man sich mit Küssen und Intimitäten angenähert und schliesslich zum zweiten Mal Sex gehabt – einvernehmlich. «Ich wäre moralisch nie imstande, so etwas zu machen», sagte der Mann einmal zu den Vorwürfen, die er nur schwer aushalten könne. Die Frau sei eine Lügnerin. Die Frage nach einem möglichen Motiv für eine Lüge konnte er aber nicht beantworten.

«Alles war völlig normal, die Frau hat die ganze Geschichte erfunden.»Zeuge und Freund des Angeklagten

Vorgeladen wurde auch ein Zeuge. Es handelt sich um einen guten Freund des Beschuldigten, der an dem Abend mit den beiden Beteiligten auch dabei war und die Nacht auf dem Wohnzimmersofa der WG verbracht hatte. Er habe fast nicht geschlafen, sagte er, und dennoch nichts Verdächtiges mitbekommen: «Alles war völlig normal, die Frau hat die ganze Geschichte erfunden.»

Auch die Frau erschien separat vor den Richtern. Sie wiederholte, immer wieder unter Tränen, ihre Vorwürfe. Der Abend habe friedlich begonnen, ihr sei aber immer unwohler geworden. Als sie ihren letzten Zug habe erwischen wollen, sei sie vom Freund des Beschuldigten kurzzeitig auf den Balkon gesperrt worden. Schliesslich habe sie eingewilligt, in der WG zu übernachten und neben dem Beschuldigten ins Bett zu liegen. Der habe sie fixiert und vergewaltigt. «Ich wollte irgendwann nur noch, dass es vorbeigeht, es kam mir ewig vor. Im Schock ging ich sogar noch mit auf den Balkon für eine weitere Zigarette», sagte sie weinend.

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Mann eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten, dies bedingt mit einer Probezeit von zwei Jahren. Der Prozess geht heute mit den Plädoyers weiter. Wann das Urteil genau gefällt wird, liessen die Andelfinger Richter offen.

Erstellt: 09.08.2019, 06:45 Uhr

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