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Grossfusion im Weinland geplant

Andelfingen, Kleinandelfingen, Adlikon, Humlikon, Henggart und Thalheim an der Thur prüfen eine Gemeindefusion. Wie sie gestern mitteilten, soll die Bevölkerung bald einen Grundsatzentscheid fällen.

Adlikon, Andelfingen, Henggart, Humlikon, Kleinandelfingen und Thalheim an der Thur – bald eine Grossgemeinde mit 8500 Einwohnern?
Adlikon, Andelfingen, Henggart, Humlikon, Kleinandelfingen und Thalheim an der Thur – bald eine Grossgemeinde mit 8500 Einwohnern?

Die Überraschung ist gelungen. Kein Gerücht über eine allfällige Fusion von sechs Gemeinden im Weinland ist bis gestern an die Öffentlichkeit gelangt. Die fünf Gemeindepräsidenten und eine -präsidentin von Adlikon, Andelfingen, Henggart, Humlikon, Kleinandelfingen und Thalheim an der Thur informierten zeitgleich die Bevölkerung und die Medien über ihre Pläne. Man habe beschlossen, eine Grundsatzabstimmung über die Prüfung eines Zusammenschlusses der sechs Gemeinden durchzuführen, heisst es in der Mitteilung.

«Projekt ist noch nirgends»

Mit der Planung habe man Ende November letzten Jahres begonnen, sagt Hansruedi Jucker, Gemeindepräsident von Andelfingen: «Wir sechs Präsidenten haben entschieden, dass wir dieses Thema genauer anschauen wollen.» Auf die Frage, wie weit die Planung bereits fortgeschritten sei, antwortet er: «Das Projekt ist noch nirgends!» Nachdem alle sechs Gemeinderäte grossmehrheitlich zugestimmt haben, habe man beschlossen, die Bevölkerung über die Pläne zu informieren. «Wir können kein U-Boot fahren», sagt Jucker.

Als Gründe nennen die Politiker in der Mitteilung Rahmenbedingungen, die sich vor allem für kleine Gemeinden deutlich negativ verändert hätten. So werde seit 2012 die Gemeindegrösse bei kantonalen Ausgleichsbeiträgen nicht mehr berücksichtigt. Die Kosten für eigenständige Strukturen gehen damit vollumfänglich zulasten der einzelnen Gemeinden.

Um ihre Leistungen möglichst effizient erbringen zu können, hätten sich die sechs Gemeinden schon lange in Zweckverbänden organisiert und Anschlussverträge abgeschlossen. Das habe jedoch zu einer so grossen Anzahl Kooperationen geführt, dass teilweise komplizierte Strukturen mit entsprechend hohem Koordinationsaufwand bestünden.

Es gehe vor allem um Vereinfachung und Effizienz, sagt Jucker. «Wir werden kaum Millionen sparen. Was man an der einen Ecke spart, braucht man an der anderen wieder.» Als Beispiel nennt er Andelfingen, das vor Kurzem das Steueramt von Humlikon übernommen hat. «Nachher würde man das einfach für alle 8500 Einwohner machen.» Aber wenn sich doch schon die Einigung auf einen Werkhof für Andelfingen und Kleinandelfingen schwierig gestaltet? «Das wäre gar keine Diskussion, wenn wir eine Gemeinde wären», ist Jucker überzeugt. Grosse Gebilde wären viel effizienter und viele Verträge könnte man sich sparen.

Es braucht zweimal ein Ja

Vorgesehen ist ein zweistufiges Verfahren. In rund einem Jahr, frühstens aber November 2017, sollen die Einwohner aller sechs Gemeinden an der Urne einen Grundsatzentscheid fällen. Bei einem Ja, werden die Behörden verpflichtet, eine konkrete Vorlage auszuarbeiten. «Mit den Detailfragen beschäftigen wir uns erst, wenn wir in die zweite Phase kommen», sagt Jucker. Man wolle nicht viel Arbeit investieren und dann an der Urne ein Nein kassieren. Im Vorfeld der Abstimmung soll in allen Gemeinden umfassend informiert und alle Organisationen, Gremien und Schulgemeinden sollen einbezogen werden, heisst es in der Mitteilung.

Dieses Vorgehen empfahlen auch die Vertreter des Kantons, die die sechs Präsidenten bereits zu ihrem ersten Treffen eingeladen hatten. «Wir dachten, es lohnt sich, wenn wir auch gleich über die Prozesse Bescheid wüssten», sagt Jucker. Den Empfehlungen des Kantons folgten sie auch betreffend des neuen Gemeindegebiets, das mit den sechs Gemeinden dem Sekundarschulkreis Andelfingen entspricht.

Eine gleichberechtigte Fusion

Es wäre eine spezielle Fusion, das bestätigte auch der Kanton, sagt Jucker. Nicht nur, weil es mit sechs involvierten Gemeinden die bisher grösste im Kanton Zürich wäre, sondern auch, weil es sich um eine tatsächliche Fusion und nicht um eine Eingemeindung handeln würde. Bei bisherigen Fusionen wie etwa Illnau-Effretikon und Kyburg schluckte jeweils eine grosse Gemeinde eine kleinere. «Wir wollen gleichberechtigt in den Prozess gehen», sagt Jucker.

Zum Vorbild nehme man sich das Fusionsprojekt Stammertal. «Die zweite Phase haben sie sehr geschickt aufgegleist. Wir können von ihrer Vorarbeit profitieren.» Erteilt die Bevölkerung den Auftrag dazu, kann sich Jucker vorstellen, ähnliche Arbeitsgruppen zu bilden und die Themen nach Stammertaler Art zu strukturieren.

Könnte sich die Bevölkerung von der prompten Ankündigung nicht überrumpelt fühlen? «Ich denke nicht. Die Orte bleiben ja bestehen, behalten die gleichen Postleitzahlen und Bushaltestellen und werden immer noch gleich heissen», sagt Jucker. Die grösste Veränderung beträfe wohl die Behörden. «Da könnte man massivst reduzieren.» Von heute 30 Mitgliedern auf 5 bis 9. Dafür könnte man sie laut Jucker allenfalls besser entschädigen, so dass Teilzeitarbeit möglich würde.

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