Atommüll

Vorschläge mit und ohne «heisse Zelle»

Die Nagra stellt für das Weinland vier Varianten für die Platzierung von Oberflächenanlagen zur Diskussion. Für deren Grösse ist entscheidend, ob radioaktive Abfälle vor Ort abgepackt werden sollen.

Ein Hinkelstein als Protest.

Ein Hinkelstein als Protest. Bild: Madeleine Schoder

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Unter dem Titel «Vorschlag Nummer 1» präsentiert die ­Nagra ein bekanntes Szenario: Das Tor zu einem möglichen Endlager im Weinland würde an die Hauptstrasse von Marthalen Richtung Rheinau gebaut. Direkt vor den Hof von Landwirt Jürg Rasi, der dort in einer medienwirksamen Protestaktion unlängst einen riesigen Hinkelstein platziert hat.

Quelle: Nagra

Für den Bau der Oberflächenanlage wäre eine Fläche von circa 8 Hektaren nötig, denn dort werden radioaktive Abfälle angeliefert und auf ihren Transport in den Untergrund vorbereitet. Nötig sind für den Betrieb auch Werkstätten, Sicherungsanlagen, Feuerwehrgebäude oder ein Besucherzentrum. Offen ist die Frage, ob auf dem Gelände auch eine Verpackungsanlage für Brennelemente entstehen soll, eine sogenannte heisse Zelle.

Die Nagra schlägt deshalb auch eine Variante ohne eine solche Anlage vor, die in der Region teilweise umstritten ist. Dadurch würde sich die benötigte Fläche laut Nagra auf circa 5,5 Hektaren verringern. Ein Nachteil: Es wären aus logistischen Gründen deutlich mehr Zugfahrten mit radioaktivem Material nötig.

Alternative Standorte

Zusätzlich schlägt die Nagra in ihrer gestern versandten Medienmitteilung zwei weitere Standorte vor – ebenfalls je mit und ohne Verpackungsanlage. Als Grund für diese Alternativen nennt sie ein Grundwasservorkommen unter den erstgenannten Gebieten. Die Nagra bevorzuge zwar den Bau der Anlage über diesem Vorkommen. Dieses hätte aber zur Folge, dass die ­Gebäude weniger tief in den Untergrund gebaut werden könnten und daher besser sichtbar wären.

Der alternativ vorgeschlagene Standort liegt etwas weiter Richtung Rhein und näher an der deutschen Grenze (siehe Grafik, Vorschläge 3 und 4). Die Anlage wäre dort weniger gut sichtbar. Fraglich ist, wie deutsche Politiker auf den Vorschlag reagieren. Schon mehrfach haben sie kritisiert, dass die Anlagen so nahe an die Grenze gebaut werden könnten.

Quelle: Nagra

Neu sind auf den Plänen auch mögliche Standorte von Nebenzugangsanlagen eingezeichnet. Dazu gehören Betriebs- und Lüftungsschächte. Bei allen Vorschlägen ist zudem ein Verladebahnhof vorgesehen, der für den Abtransport des Ausbruchmaterials nötig wäre. Auch weitere Flächen müssten für die Baustelle temporär belegt werden.

Die Nagra betont, dass die Vorschläge erst als Diskussionsgrundlage dienen. Die Standorte könnten nun in den Regionen diskutiert werden. Möglich sind auch eigene Vorschläge. Die Regionalkonferenz im Weinland hat bereits eine Fachgruppe eingesetzt. Die Nagra erwartet bis Anfang 2021 eine Stellungnahme aus den Regionen. Voraussichtlich im Jahr 2022 werde sie kommunizieren, welche Standortregion aus ihrer Sicht am besten für ein Endlager geeignet sei. (Landbote)

Erstellt: 10.05.2019, 10:33 Uhr

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