Warum die Schulfusion doch noch scheitern könnte

Die Primarschulanlage in Wildberg.

Die Primarschulanlage in Wildberg. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es spricht eigentlich vieles für eine Schulfusion im mittleren Tösstal: Der finanzielle Druck ist gross. Die Gemeindegrenzen überlagern sich und machen alles kompliziert.

Dennoch droht die geplante Fusion von fünf Schulgemeinden in den Gemeinden Wila, Wildberg und Turbenthal diesen Herbst an der Urne zu scheitern. Der Grund dafür ist das zaudernde Vorgehen der Verantwortlichen. Das Vertrauen in das Projekt mit dem Namen WWT scheint jedenfalls mancherorts zu bröckeln, noch bevor überhaupt konkrete Auswirkungen bekannt sind.

Auslöser ist die aktuelle Diskussion über die Zukunft von nicht mehr benötigten Schulliegenschaften. Lanciert wurde sie in Wildberg. Die Gemeinde stellte den Einwohnern an einer öffentlichen Veranstaltung die Frage, was mit dem Schulhaus Schalchen geschehen soll. Die Antwort war klar: Diese «Perle» soll nicht an die fusionierte Gemeinde übergehen. Die Oberländer befürchten, von der Mehrheit im Tösstal ­dereinst überstimmt zu werden. Trotz ­angespannter Finanzlage soll die ­Gemeinde das Gebäude möglichst rasch der Schule abkaufen.

Was die Fusionsverantwortlichen von diesen Absichten halten und ob der Zeitplan weiterhin eingehalten werden kann, ist momentan offen. Denn für ­solche Medienanfragen fühlt sich in der Leitungsgruppe niemand zuständig.

Das Vertrauen in die Projektorganisation scheint auch andernorts strapaziert. Hans-Peter Meier, Gemeindepräsident in Wila, äusserte sich im «Zürcher Oberländer» kürzlich kritisch ­darüber: Die beteiligten Schulpfleger würden sich hinter einem externen Projektleiter verstecken, sagte er. Gemeint war damit Stefan Hunger von der Firma Inoversum in Meilen. Auf Anfrage gibt er zunächst mit positivem Grundtenor bereitwillig Auskunft über den aktuellen Stand der Projektarbeiten. Sämtliche Aussagen werden später aber wieder zurückgezogen. Die Steuergruppe wolle zu gegebener Zeit informieren, lautet die Begründung.

Kritische Fragen müssen offensichtlich zuerst in der Leitungsgruppe abgesprochen werden. Dieses Vorgehen verstärkt den Eindruck, dass sich die fünf beteiligten Schulpräsidenten und -präsidentinnen in vielen Punkten nicht ­einig sind und die Fusion nicht von ­allen mit dem gleichen Elan vorangetrieben wird. Der Verdacht liegt nahe: Einzelne Schulpfleger befürchten, dass «ihre» Schule in einem grösseren Gebilde Einfluss verliert.

Um solche Vermutungen aus der Welt zu schaffen, braucht es ein offenes Auftreten und eine transparente Informationspolitik der beteiligten Schulbehörden. Nur so wächst Vertrauen in das entstehende Gebilde. Und nur so ­können die Stimmbürger Vor- und Nach­teile einer weitreichenden ­Entscheidung rechtzeitig abwägen.

Erst kürzlich haben Beispiele in der Region vor Augen geführt, was passiert, wenn sich Behörden nicht einig sind. In Ossingen und Truttikon scheiterte eine Fusion dreier Schulen nach jahrelangen Verhandlungen schliesslich knapp an der Urne. Auch das Fusionsprojekt Schule Weinland Süd wurde kürzlich begraben. Und in Ellikon an der Thur platzte am vergangenen Abstimmungssonntag entgegen dem allgemeinen Trend selbst eine Fusion zur Einheitsgemeinde. Die Schulbehörde hatte ­erfolgreich damit argumentiert, dass eine Fusion keine Verbesserungen brächte und die Eigenständigkeit weiter bewahrt werden könne. Denn die Mini-Schulgemeinde mit ihren rund 90 Schülern sei schlank organisiert und funktioniere bestens.

Die Situation im Tösstal ist nicht eins zu eins vergleichbar mit jener im Zürcher Weinland. Dennoch wird es vor der Abstimmung auch hier viel Überzeugungsarbeit brauchen, damit es zu einem Zusammenschluss kommt, insbesondere in Wildberg. Zumal sich in der Gemeinde manche dem Zürcher Oberland näher fühlen als dem Tösstal.

Es liegt nun an den Behörden, offene Fragen rasch zu klären und aufzuzeigen, warum eine Fusion nötig ist. Argumente dafür gibt es genug: Das aktuelle Chaos mit kreuz und quer verlaufenden Gemeindegrenzen könnte bereinigt werden. Man müsste nur noch eine Behörde wählen und entschädigen. Die Verwaltung würde vereinfacht und die Schulen könnten voneinander lernen.

Die Voraussetzungen sind nach wie vor gut. Die Zustimmung bei der Grundsatzabstimmung im Jahr 2014 war jedenfalls gross. In allen Schulgemeinden stimmten über 80 Prozent für Fusionsverhandlungen. Nur liegt der Teufel bekanntlich oftmals im Detail, wenn es konkret wird. ()

Erstellt: 08.06.2016, 08:49 Uhr

Rafael Rohner, Redaktor Region (Bild: Heinz Diener)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.