Weinland

Wasserpipeline von Rheinau nach Winterthur wird voraussichtlich im Jahr 2035 gebaut

Wegen des Klimawandels werden die Sommer immer trockener. Das führt dazu, dass ein jahrzehntealtes Bauvorhaben wieder zum Thema wird. Beim Bau einer Wasserleitung von Rheinau nach Winterthur spielt auch das mögliche Endlager eine Rolle.

Tafel der Wasserversorgung Weinland-Winterthur. Foto: mab

Tafel der Wasserversorgung Weinland-Winterthur. Foto: mab

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Eine grosse Wasserleitung von Rheinau bis nach Winterthur: Von einem solchen Bauvorhaben war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder einmal die Rede. Zuletzt in einem Bericht des Kantons von 2013, in dem die Pipeline sogar auf einer Karte eingezeichnet ist. Die Leitung ist Teil des geplanten kantonalen Trinkwasserverbundes. Ziel des Verbundes ist es, die künftige Trinkwasserversorgung im Kanton sicherzustellen. So sollen die grössten Grundwasservorkommen an Rhein, Töss und Limmat sowie der Zürichsee als Trinkwasserspeicher mit einem Leitungsnetz miteinander verbunden werden.

Wo steht das Pipelineprojekt Rheinau-Winterthur? Zwar gibt es noch kein Vorprojekt. Doch auf Anfrage macht die Baudirektion dazu bereits ziemlich konkrete Angaben. So rechnet der Kanton damit, dass im Raum Winterthur etwa ab dem Jahr 2040 während heissen Sommern der Trinkwasserbedarf erstmals nicht vollständig gedeckt werden kann. Die Baudirektion spricht dabei allerdings von «relativ geringen Fehlmengen». Kurz- und mittelfristig werde die Leitung nach Rheinau also nicht benötigt. «Vielleicht ist dies aber gegen Mitte des Jahrhunderts der Fall», sagt Baudirektionssprecher Wolfgang Bollack weiter.

70 Millionen Franken

Der Kanton überprüft seine Prognosen von Zeit zu Zeit, weil sich auch Einflüsse wie das Bevölkerungswachstum und der Klimawandel laufend verändern. Ändert sich an den heutigen Voraussagen nicht viel, ist mit dem Bau der grossen Wasserleitung etwa im Jahr 2035 zu rechnen. Nach heutiger Planung wäre diese Leitung 15 Kilometer lang und hätte einen Durchmesser von 80 Zentimetern. Wie die Pipeline gebaut würde, das würde in einem Vorprojekt festgelegt. Die Kosten betragen nach heutigen Schätzungen rund 70 Millionen Franken: 35 Millionen für den Bau der Leitung und nochmals so viel für die Anlage, um unweit von Rheinau das Trinkwasser aus dem Rheingrundwasserstrom zu pumpen.

Die Pipeline hätte einen Durchmesser von 80 Zentimetern. 

Der Bau der Wasserleitung hängt mit dem Nutzungsrecht zusammen, das die Stadt Winterthur dort schon seit 1967 besitzt. Diese Konzession zur Nutzung des Rheingrundwassers hat Winterthur 2010 um weitere 20 Jahre verlängert.

Klumpenrisiko im Tösstal

Etwa drei Viertel des Winterthurer Trinkwassers stammen aus dem Tössgrundwasserstrom. Ein noch trockeneres Klima, eine Verschmutzung des Grundwassers oder ein starkes Bevölkerungswachstum: Die starke Abhängigkeit vom Tössgrundwasser stellt ein gewisses Klumpenrisiko dar. Das war der Grund, weshalb 1996 der damalige Stadtrat Leo Iten (SVP) dem Winterthurer Gemeinderat einen Projektierungskredit über 1,8 Millionen Franken vorlegte. Mit dem Geld hätte etwas geplant werden sollen, das stark an das kantonale Vorhaben erinnert: der Bau einer Grundwasserfassung bei Rheinau, eine Pumpstation, ein Reservoir bei Alten (Kleinandelfingen) sowie eine 14 Kilometer lange Wasserpipeline bis nach Winterthur. Doch das Parlament lehnte den Kredit sehr deutlich ab. Unter den damaligen Gegnern, die Iten übertriebenes Sicherheitsdenken vorwarfen, war auch der spätere SP-Stadtrat Walter Bossert. «Wir brauchen das Wasser von Rheinau auf keinen Fall», meinte Bossert. Selbst nach längerer Trockenheit habe es noch so viel Wasser, dass es zum Autowaschen reiche.

«Wir kämpfen dafür»

Der Zufall will es, dass das Rheinauer Grundwasservorkommen nur wenige hundert Meter von der Stelle entfernt liegt, wo das Tor zum Endlager gebaut würde. In der nuklearen Hochsicherheitsanlage werden die hoch radioaktiven Abfälle von den Transport- in die Endlagerbehälter umgeladen. In drei Jahren gibt die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) bekannt, ob sie das Endlager im Weinland, im Zürcher Unterland oder am Aargauer Bözberg bauen will.

Im Jahr 2035, wenn die Wasserpipeline nach Winterthur eventuell gebaut wird, wäre das Endlager noch nicht gebaut. Die Nagra würde dann unter Tage in einem Felslabor geologische Untersuchungen durchführen, der Bau des Lagers würde 2049 beginnen.

Zwar hat die Nagra kürzlich ein neues Grundwasservorkommen unter dem Gebiet entdeckt, wo das Tor zum Endlager gebaut würde. Doch weil dieses Vorkommen nicht direkt mit dem Rheingrundwasserstrom verbunden ist, sehen die Nagra und der Kanton Zürich darin kein Problem. Anders sieht das eine Fachgruppe der Endlager-Regionalkonferenz, die den Standort nochmals diskutieren will. Wann und wie die Vollversammlung der Konferenz das Thema abermals aufgreift, ist noch offen. Der Winterthurer Stadtrat Stefan Fritschi (FDP), der in der Konferenz die Interessen der Stadt und Region Winterthur vertritt, sagte im Herbst gegenüber dem «Landboten»: «Wir kämpfen dafür, dass unsere Grundwasserreserven in Rheinau/Ellikon unversehrt und geschützt bleiben.»

Erstellt: 19.02.2019, 19:15 Uhr

Geplante Wasserleitung Rheinau – Winterthur

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